Dressurreiten
Platz vier in der Kür für Helen Langehanenberg

london -

Platz vier zum Abschluss in der Dressur-Kür – na und? Helen Langehanenberg, Havixbeckerin vom RV St. Georg Münster, mochte nach ihrem glänzenden Ausstand gestern im Karree gar nicht an gebräuchliche De­spektierlichkeiten denken. „Holzmedaille“ oder der oft zitierte „undankbare Platz“ hinter den Medaillenrängen waren für die 30-Jährige fremde Vokabeln. „Ich bin einfach total zufrieden und wollte die letzte Runde noch einmal richtig genießen“, sagte sie nach dem Wettbewerb vor rund 22 000 Zuschauer im erneut ausverkauften Greenwich Park.

Freitag, 10.08.2012, 08:08 Uhr

Dressurreiten : Platz vier in der Kür für Helen Langehanenberg
Lob für das Pferd: Helen Langehanenberg drehte auf Damon Hill drei sehenswerte Runden im Dressur-Viereck. Foto: dpa

Hier hatte sie am Dienstag mit Damon Hill Mannschaftssilber gewonnen und bei ihrer ersten Olympia-Teilnahme gleich einen großen, nicht gerade erwarteten Erfolg erzielt. Ein wenig mehr Prozentpunkte hätte sie schon erwartet gestern beim eindrucksvollen Abschluss. „Mein Ritt heute war bestimmt nicht schlechter als der im Grand Prix. Vielleicht wollte er ein bisschen zu viel, zu groß“, sagte sie in Richtung ihres Hengstes. Die Musik hat Michael Erdmann zusammengestellt, der die Kür auch produziert und komponiert hat. „Seitdem liebe ich die Musik von Ka­thy Kelly. Ich bin ein totaler Fan von der Kelly Family “, schildert Helen Langehanenberg , die diese Musik erstmals bei der Kür beim Weltcup im niederländischen s‘Hertogenbosch präsentiert hatte.

Gestern rangierte sie mit 84,303 Prozent in sicherem Abstand zu den ersten beiden Medaillenrängen , die die Britin Charlotte Dujardin mit Valegro (90,098) und die Niederländerin Adelinde Cornelissen mit Parzival (88,196) belegen. Zur Dritten ist es hauchdünn: Laura Bechtolsheimer (Großbritannien) holt Olympia-Bronze mit 84,339 Prozent. „In der zweiten Piaffe war der Schritt etwas groß“, erklärt sie. Fliegen heute Abend die Sektkorken? – wird sie gefragt. „Ja“. Helen Langehanenberg hat ihre Olympia-Premiere in vollen Zügen genossen. Daran lässt sie keinen Zweifel. Ihr bewegendster Moment in London sei der gewesen, als sie nach der Akkreditierung ins leere Stadion durfte. Der „Olympische Geist“ habe da sozusagen von ihr Besitz ergriffen.

„Eindrucksvoll“ sei es gewesen. Ein Erlebnis. Das „Dabeisein“ – damit habe sie ihr erstes Ziel erreicht. Als Zugabe gab es Silber mit der Mannschaft: „Ich bin einfach total zufrieden“ sagte sie gestern. Dass sie als Olympionikin auch als Repräsentant Deutschlands fühle: „Ja, aber das ist keine Last, keine Pflicht“, betonte die Münsteranerin vom RV St. Georg. „Die zwei Wochen hier, das war die pure Freude.“ – Sportlich sowieso, „da haben wir drei tolle Ritte gezeigt“. Aber auch menschlich. „Neue Freundschaften“ hat sie hier geschlossen und meinte damit Reiter, Trainer, Betreuer. „Unsere Mannschaft ist richtig zusammengewachsen.“ Am Montag fährt sie mit der MS Deutschland nach Hause, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass die „pure Freude“ bei den zahllosen Feierlichkeiten noch länger andauert.

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