Phelps und die lila Flecken
Was es mit dem Schröpfen auf sich hat

Nachdem Schwimmer-Ass Michael Phelps mit kuriosen lilafarbenen Flecken in Rio für Verwunderung sorgte, hat sich die WN-Redaktion die ominöse Heilpraktik einmal genauer angeschaut. Hier erklären wir, was es damit auf sich hat - und warum besonders Sportler davon profitieren.

Dienstag, 16.08.2016, 16:08 Uhr

Olympia-Schwimmer Michael Phelps setzt auf die traditionelle Methode des Schröpfens.
Foto: dpa

Erst färbt sich ein ganzes Schwimmbecken plötzlich in ein giftiges Grün. Dann krault sich der pummelige Äthiopier Robel Hapte mit satten 17 Sekunden Rückstand auf 50 Meter Freistil unter stürmischem Beifall ins Ziel. Es scheint, als wären die Schwimmer bei den laufenden Olympischen Spielen in Rio um Kuriositäten nicht verlegen.

Auffällige Flecken übersähen den Oberkörper des Schwimmers

Besonders auffällig präsentierte sich erwartungsgemäß mal wieder US-Schwimmstar Michael Phelps . Ausnahmsweise jedoch waren es zunächst keine Goldmedaillen, mit denen der Top-Athlet vom Beckenrand aus auf sich aufmerksam machte.

Seltsame lilafarbene Flecken auf seinem Oberkörper brachten den nun 23-fachen Olympiasieger zuvor bereits in die Schlagzeilen. Eifrig wurde über den Ursprung der sonderbaren Merkmale spekuliert, eine Antwort war bald gefunden: Das „Schröpfen“, eine traditionelle Heilbehandlung aus Fern-Ost , sollte für die auffällig kreisförmigen Hämatome verantwortlich sein.

Michael Phelps - Der Rekordschwimmer

1/16
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa

Dabei ist eigentlich komisch, dass die Methode erst jetzt so viel Beachtung erfuhr. Denn tatsächlich kommt sie längst in der medizinischen Betreuung vieler Leistungssportler zum Einsatz. Die Jahrtausende alte Massagetechnik, bei der in etwa Tennisball-große Glasglocken mittels Unterdruck auf dem Körper festgesaugt werden , wird in der chinesischen Heilpraktik für gewöhnlich in Ergänzung zur Akkupunktur angewandt. Sie soll muskuläre Blockaden und Erschöpfungszustände kurieren.

Prof. Jing Wang von der Universität Tianjin in China erklärt im Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin Münster: „Die Methode ist bei den Athleten gefragt, weil sie die Muskeldurchblutung fördert und zusätzliche Lebensenergie freisetzt. Für die Erholung der Athleten ist das natürlich sehr wichtig. Anders als herkömmliche Schmerzbehandlungen kommt die Schröpf-Massage zudem völlig ohne chemische Medikamente aus.“ Nebenwirkungen gebe es also keine, sagt Prof. Wang. Die lila Flecken auf der Haut seien eine vollkommen harmlose Erscheinung und verschwänden bereits nach wenigen Tagen wieder von alleine.

Die Technik birgt Gefahren

So ganz ungefährlich sei die Technik dann aber doch nicht: „Man kann sich leicht dabei verbrennen. Außerdem können die Schröpfgefäße falsch - oder zu lange auf den Körperstellen angebracht werden, dann wird es schmerzhaft.“ Vom selbst Ausprobieren im Eigenheim wird also abgeraten, die Anwendung sollte laut dem Professor lieber dem Experten überlassen werden.

Von der heilenden Wirkung ist auch Jörg Pantel überzeugt. Der Heilpraktiker aus Münster, der auch selbst viele Sportler betreut, meint: „Gegenüber herkömmlichen Massagen gewährleistet die Schröpftherapie eine besonders tiefgreifende Durchblutung der Muskeln. Sie beugt damit Verletzungsanfälligkeit vor und säubert das beanspruchte Gewebe nach den Wettkämpfen gründlich.“ Die Methode sei deshalb auch in der westlichen Medizin bereits seit langem bekannt und erprobt.

Ob nach einer Schröpfbehandlung lilafarbene Flecken auf dem Körper zurückbleiben, hängt nach Pantel vor allem von der Anfälligkeit des jeweiligen Patienten ab. Bedenklich seien die Symptome in gesundheitlicher Hinsicht aber nicht.

Im Video zeigen wir, wie das Schröpfen funktioniert:

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4234469?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F203%2F1016202%2F4139521%2F4843679%2F4843680%2F
Nachrichten-Ticker