Schwimmen: Olympia
Maximaler Aufwand reicht Biedermann nicht zur Medaille

Rio de Janeiro -

Mit der ersehnten Medaille hat es nicht geklappt für Paul Biedermann über 200 Meter Freistil. Nun endet seine Karriere ohne das i-Tüpfelchen. Auf den Deutschen Schwimm-Verband kommen schwerere Zeiten zu. Ein Mann wie er ist nicht in Sicht.

Dienstag, 09.08.2016, 16:08 Uhr

Der Blick auf die Anzeigetafel – dann die Gewissheit: Paul Biedermanns Traum von Edelmetall über 200 Meter Freistil ist geplatzt.
Der Blick auf die Anzeigetafel – dann die Gewissheit: Paul Biedermanns Traum von Edelmetall über 200 Meter Freistil ist geplatzt. Foto: dpa

Die vorerst letzte Ikone des deutschen Schwimmsports hat ihren Glanz nicht aufpolieren können. Mit Platz sechs im Schwimmfinale über 200 Meter Freistil beendete Paul Biedermann seine internationale Karriere. Die erhoffte, ja beinahe herbeigesehnte Olympia-Medaille bleibt ein Traum für den Weltmeister und Weltrekordschwimmer über die 200 Meter und 400 Meter Freistil. „Ich habe alles gegeben, was zu leisten ich imstande war“, sagte der 30-Jährige vom SV Halle nach dem Finale, nachdem er in für ihn äußerst mäßigen 1:45,84 Minuten angeschlagen hatte. Gold holte der Chinese Sun Yang, Silber ging an den Südafrikaner Chad le Clos und Bronze sicherte sich Conor Dwyer.

„Was noch fehlt, ist die olympische Medaille , die fehlt einfach noch im Sortiment“, hatte der Direktor Leistungssport im Deutschen Schwimmverband (DSV), Lutz Buschkow, zuvor betont. „Ich weiß, dass nicht mehr drinne war, das war das Maximum“, antwortete Biedermann nach dem Lauf – in Rio sind es seine dritten Olympischen Spiele. Worte, die man von dem Welt- und Europameister früher so nicht gewohnt war. Nicht wenige hatten Biedermann das erste deutsche Edelmetall bei den Spielen zugetraut. Jetzt ist Schluss. Mit der Staffel in Rio in der Nacht auf Mittwoch wird der letzte Akzent gesetzt... „Er geht als Vierter der Meldeliste ins Becken und kommt als Sechster raus. Das hätten wir gern andersherum gesehen“, kommentierte Biedermanns langjährige Trainer Frank Embacher . „Er musste alle drei Rennen zuvor sehr hart angehen. Er hatte keine Gangreserve mehr“, bestätigte Embacher das „Maximum“.

Dass der Coach mit der Gesamtsituation der deutschen Schwimmer nicht glücklich sein kann, versteht sich von selbst. Auf der Habenseite steht eben keine Medaille und nur ein Finalplatz. Das sind die Fakten. Und die Perspektiven. Ein Vorzeigeathlet wie Biedermann einer ist, ist nicht in Sicht. Embacher verweist auf das neue Perspektivteam, das seinem Namen erst noch gerecht werden muss, weil es als langfristige Maßnahme gilt. „Da haben wir aber schon einige gute Leute in petto, die uns in vier Jahren Freude machen. Jan-Philipp Glania, der mit Biedermann ins Halbfinale über 200 Meter Freistil geschwommen war, sei so einer, oder auch Florian Vogel. Der 22-jährige aus Bayreuth hatte in Rio wegen einer Winzigkeit den Endlauf verpasst. Auch Jacob Heidtmann wäre einer.

Angesichts des Sieges von Sun Yang machten sich Biedermann und Embacher so ihre eigenen Gedanken. Biedermann sagte, auf sein (Miss-)Verhältnis zum Olympiasieger angesprochen: „Das ist ja nicht die Person. Das ist das System.“

Yang war mehrfach überführt worden. Das brasilianische Publikum brachte seinen Unmut über dessen Dopingvergangenheit lautstark zum Ausdruck. Embacher erweiterte das Thema auf die aktuelle Diskussion. „Nur die Russen rauszuhauen – damit ist das Problem nun wirklich nicht gelöst. Wir müssen einen neuen Weg gehen, vielleicht einen härteren,“ richtete er einen Appell an das IOC, das die Großreich-Sporter trotz überführten Staatsdopings nicht von den Spielen ausgeschlossen hatte. Embacher: „Ich glaube nicht dass es ein russisches Problem ist.“

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