Team Deutschland
DOSB-Chef zieht Olympia-Bilanz: «Grandioser Gesamterfolg»

Erheblich mehr Medaillen als in Sotschi 2014, mehr Olympiasiege als jemals zuvor seit der Wiedervereinigung - das Team Deutschland hat in Pyeongchang überzeugt und begeistert. Allerdings gibt es auch Defizite und Nachholbedarf in einigen Sportarten.

Freitag, 23.02.2018, 13:02 Uhr

Alfons Hörmann ist der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.
Alfons Hörmann ist der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Foto: Tobias Hase

Pyeongchang (dpa) - Alfons Hörmann war schon zwei Tage vor der Schlussfeier der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang im Genuss-Modus.

«Es ist einfach nur schön, dass wir einen grandiosen Gesamterfolg, der sich abzeichnet, genießen können», resümierte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Vier Jahre nach dem Debakel von Sotschi, wo nur 19 statt der 30 prognostizierten Medaillen zusammenkamen, trumpfte das Team Deutschland wieder auf und lieferte große olympische Momente.

Nach 90 von 102 Wettbewerben waren 26 Medaillen (13 Gold/7 Silber/6 Bronze) auf dem DOSB-Konto verbucht. Eine besondere Bedeutung hatte die 13. Goldmedaille durch die Staffel der Nordischen Kombinierer: Denn nie zuvor bei Winterspielen seit der Wiedervereinigung gewann Deutschland mehr Goldstücke. Die bisherige Rekordmarke von jeweils zwölf Medaillen wurde 2002 in Salt Lake City und 1998 in Nagano erreicht. «So viel Gold zu gewinnen, ist schön für das ganze Land», meinte Biathlon-Star Laura Dahlmeier , die zwei Olympiasiege beisteuerte.

Der DOSB hat nach den bitteren Erlebnissen von Sotschi versucht, den Erwartungsdruck niedrig zu halten und 19 plus X Medaillen als Ziel ausgegeben. «Erwarten sollte man in dem Geschäft nichts, aber erhoffen konnte man sich schon einiges», gab Hörmann nun zu, betonte aber auch: «Es fällt jetzt nichts einfach vom Himmel, sondern ist auf die harte Arbeit in den Verbänden zurückzuführen.»

Besonders gute Arbeit lieferten Rodler, Bobfahrer, Biathleten, Nordische Kombinierer und Skispringer in Pyeongchang ab. Die deutschen Rodel-Asse gewannen in vier Wettbewerben sechs Edelplaketten und erwiesen sich als «sichere Medaillenbank» (Hörmann).

Als Nordische Dominierer präsentierten sich Fahnenträger Eric Frenzel und Co. mit dreimal Gold und insgesamt fünf Medaillen: ein Rekord in dieser Sportart. «Wir sind das Team der Superlative», meinte Bundestrainer Hermann Weinbuch stolz und gerührt.

Keinen Deut unzufrieden war Laura Dahlmeier, obwohl nach den fünf WM-Erfolgen 2017 von ihr sogar sechs Olympiasiege erwartet wurden. «Es war schon krass, als ich noch Bronze gewonnen hatte, haben viele gesagt, nun klappt es mit den sechs Olympiasiegen nicht mehr», sagte die 24-Jährige und kritisierte: «Ich habe das Gefühl, dass Rekorde mehr wert sind als die Leistungen der Athleten.» Immerhin steuerte sie drei der sieben Medaillen zur starken Biathlon-Bilanz bei.

Richtig stark abgehoben sind die deutschen Skispringer. Allen voran Andreas Wellinger («Zwei coole Wochen»), der Gold und zweimal Silber gewann. «Wir können echt stolz auf uns sein», erklärte Bundestrainer Werner Schuster nach «riesigen Spielen».

Zu den geballten Erfolgen in einzelnen Sportarten, kam noch das Überraschende und Besondere hinzu. Für eine Sternstunde des Eiskunstlaufs sorgten Aljona Savchenko/Bruno Massot, die nach 66 Jahren wieder Paarlauf-Gold für Deutschland gewannen. Für Begeisterung auch in der Heimat sorgte ebenso das deutsche Eishockey-Team, das erstmals in ein Olympia-Halbfinale einzog und nach Bronze 1976 wieder in Medaillennähe gekommen ist.

Auch mit dem Triumph im Frauen-Zweierbob durch Mariama Jamanka/Lisa-Marie Buckwitz hatte keiner beim DOSB gerechnet. Zuvor hatten bei den Männer Francesco Friedrich/Thorsten Margis gesiegt und damit bereits die Schmach von Sotschi ausgetilgt. 2014 waren erstmals seit 50 Jahren alle Bobs an Medaillen vorbeigefahren.

Noch nicht wieder in die olympische Erfolgsspur zurückgefunden haben die Eisschnellläufer und Langläufer. «Im Eisschnelllauf wird es ein vier- bis zwölfjähriger Aufbauprozess werden», erklärte Hörmann. Noch könne man «Gott froh» sein, dass die fünfmalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein (46) bis Peking 2022 weitermache. «Sie könnte eine Sogwirkung auf junge Läufer haben», so Hörmann. «In allen Sportarten gibt es Berg- und Talbewegungen. So würde ich es im Langlauf sehen.»

Ohne Medaillen sind vor dem abschließenden Team-Event ebenso die alpinen Skiläufer geblieben. «Da sind wir weit unter Wert geschlagen worden», befand Hörmann. Wenn die verletzt ausgefallenen Felix Neureuther und Stefan Luitz mit von der Partie gewesen wären, «könnte die Bilanz anders aussehen».

Kein Vorwärtskommen ist bei den Trend-Sportarten auf Ski und Snowboard festzustellen. «In den Disziplinen, die in Richtung Fun und Trend gehen, ist Deutschland nicht in der Professionalität aufgestellt», stellte Hörmann fest. «Ohne mehr Förderung durch den Bund werde man in diesem Bereich auch in «vier, acht oder zwölf Jahren nicht in den Medaillenbereich kommen».

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