Radsport
Heim-WM als Olympia-Generalprobe - Bahn-Vierer will Rekord

Von Mittwoch bis Sonntag finden in Berlin die Bahnrad-Weltmeisterschaften statt. Das deutsche Team geht mit einigen Medaillenkandidaten an den Start. Die Titelkämpfe gelten als Standortbestimmung für Olympia.

Montag, 24.02.2020, 15:22 Uhr aktualisiert: 24.02.2020, 15:25 Uhr
Roger Kluge (l) und Theo Reinhardt (r) streben ihren dritten WM-Sieg in Serie an.
Roger Kluge (l) und Theo Reinhardt (r) streben ihren dritten WM-Sieg in Serie an. Foto: Piotr Nowak

Berlin (dpa) - Ein wiedererstarkter Bahnrad-Vierer, ein Weltmeister-Duo mit der Chance auf ein historisches Triple und junge Sprinterinnen, die an die Ära Kristina Vogel anknüpfen wollen.

Bei den Bahnrad-Weltmeisterschaften von Mittwoch bis Sonntag in Berlin geht die deutsche Mannschaft mit einigen Medaillen-Hoffnungen in die Wettbewerbe. Beste Chancen auf ihren dritten WM-Sieg in Serie haben Roger Kluge und Theo Reinhardt im Madison.

Der deutsche Bahnrad-Vierer strebt einen deutschen Rekord und die erste WM-Medaille seit 2002 an. «Das große Ziel bleibt aber Olympia », sagt Bundestrainer Sven Meyer . Die Heim-WM soll da den nötigen Rückenwind geben, wie auch bei den deutschen Sprinterinnen, die die Lücke nach dem Abschied des Erfolgs-Duos Vogel/Miriam Welte bereits ein wenig schließen konnten.

In welchen Disziplinen besitzt das deutsche Team die besten Medaillenchancen?

Zu den größten Titelanwärtern gehören Roger Kluge und Theo Reinhardt im Madison. Das Duo hatte bereits 2018 und 2019 den WM-Titel geholt und könnte mit einem weiteren Erfolg Historisches schaffen. Starke Leistungen haben trotz ihres jungen Alters auch die deutschen Sprinterinnen Emma Hinze (22) und Lea Sophie Friedrich (20) in den Weltcups abgeliefert. Im Ausdauerbereich gehören die deutschen Vierer - sowohl bei den Männern als auch den Frauen - inzwischen zu den Medaillenkandidaten. Beide Teams stellten in diesem Winter deutsche Rekorde auf.

Welche Disziplinen bereiten beim BDR aktuell Sorgen?

Im Teamsprint - über viele Jahre eine deutsche Domäne - gehört die Mannschaft von Bundestrainer Detlef Uibel aktuell nicht zur Weltspitze. Zwar haben Maximilian Levy und Stefan Bötticher in dieser Saison starke Leistungen gezeigt, es fehlte aber ein starker Anfahrer. So geht es für die deutschen Teamsprinter in erster Linie darum, die Olympia-Qualifikation abzusichern.

Welchen Stellenwert hat die WM?

Bei einer Heim-WM will sich die deutsche Mannschaft natürlich stark präsentieren. Trotzdem haben die Olympischen Spiele oberste Priorität, wie die Bundestrainer Uibel und Meyer betonen. «Es ist schon gefährlich, die Euphorie so hochzuschrauben, dass man es dann nicht mehr schafft, sich zu Olympia zu steigern», sagt Uibel und verweist auf 2016. Damals gab es vor allem im Männerbereich nach einer starken WM bei Olympia keine Medaille. Auch Vierer-Chef Sven Meyer ließ durchblicken, dass sich das Team gerade in Sachen Material noch einiges für Tokio aufhebt.

Was macht Kristina Vogel während der WM?

Die nach ihrem schlimmen Unfall querschnittsgelähmte Rekord-Weltmeisterin darf natürlich nicht fehlen. Vogel ist als WM-Botschafterin und als Expertin beim ZDF und dem hauseigenen Kanal des Weltverbandes UCI im Einsatz. Außerdem steht sie mit Rat und Tat zur Verfügung. Vor allem Sprinterin Friedrich holt sich Tipps bei Vogel.

Wo wird gefahren?

Im Velodrom an der Landsberger Allee wurde vor einigen Jahre eine neue Bahn hergerichtet. Nach der EM 2017, dem Weltcup 2018 und der deutschen Meisterschaft 2019 finden nun erstmals seit 1999 wieder die Weltmeisterschaften in Berlin statt. Die Stadt förderte die WM mit zwei Millionen Euro. Innensenator Andreas Geisel spricht volkswirtschaftlich von «einem guten Geschäft».

Werden diesmal mehr Zuschauer als bei der EM oder dem Weltcup da sein?

Ja. In den Wochen vor der WM ist der Ticketverkauf in die Höhe geschnellt. Von Freitag bis Sonntag soll die Halle mit rund 4000 Zuschauern nahezu ausverkauft sein. Am Mittwoch und Donnerstag wird mit jeweils 2500 Besuchern gerechnet.

Gibt es Einschränkungen wegen des Coronavirus?

Bislang nicht. Die Veranstalter stehen in Verbindung mit dem Robert-Koch-Institut, dem Weltverband UCI und dem Arzt, der vor Ort ist. Es gibt laut OK-Chef Burckhard Bremer «keine extremen Vorgaben». Auch das chinesische Team war nicht betroffen, die Mannschaft hat die letzten drei Wochen in der Schweiz trainiert.

Wie ist die WM im TV zu sehen?

Die Titelkämpfe sind im Bezahlangebot von Eurosport2 live zu sehen. Am Schlusstag geht auch das ZDF mit einem Live-Stream auf Sendung. Dazu berichtet der Weltverband UCI über seinen hauseigenen Kanal von der WM.

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