WM in London
Erlöser Hopp? Wie ein 23-Jähriger Darts populär machen soll

Mehr als 200.000 deutsche Fans strömen jedes Jahr in die Darts-Hallen, Millionen sehen am Fernseher zu. Die Hoffnung auf den großen Wurf in der Zukunft ist für die meisten Max Hopp. Das macht es vor der WM in London für den erst 23-Jährigen nicht einfacher.

Montag, 09.12.2019, 11:45 Uhr aktualisiert: 09.12.2019, 11:48 Uhr
Der ehemalige Weltmeister Rob Cross hält große Stücke auf den deutschen Darts-Profi Max Hopp.
Der ehemalige Weltmeister Rob Cross hält große Stücke auf den deutschen Darts-Profi Max Hopp. Foto: Daniel Bockwoldt

London (dpa) - Mit 16 Jahren beginnen Teenager normalerweise ihre Ausbildung, kaufen erstmals legal Bier oder machen ihren Mofa-Führerschein. Für Max Hopp ging es in diesem Alter gleich nach London, um auf der größten Darts-Bühne der Welt zu debütieren.

Begriffe wie «Wunderkind» ließen nicht lange auf sich warten, Fans und Liebhaber in Deutschland träumten schon vom ganz großen Durchbruch der Pfeile-Sportart, die einst als verrauchtes Kneipenspiel galt. Doch der bleibt bislang aus.

Für Hopp kommt der Druck von allen Seiten - auch vor der in dieser Woche beginnenden Weltmeisterschaft in London. Die bunt verkleideten und häufig beschwipsten Fans in den bestens gefüllten Hallen wollen ihn siegen sehen, auch medial wird eine große Erwartungshaltung erzeugt. Selbst der Weltranglistenerste Michael van Gerwen hat deutlich seinen Anspruch an Hopp geäußert.

«Mit dem Talent, das er hat, hätte er schon weiter sein sollen. Ich rate ihm, sich nicht mit Dingen zu beschäftigen, die ihn vom eigentlich Wichtigen ablenken: dem Spiel. Er müsste mehr machen», kritisierte «Mighty Mike» ihn nach dem direkten Duell der beiden bei der WM im vergangenen Jahr, das er locker mit 4:1 gewann.

Hopp gab nicht viel auf die Erziehungstipps des Dauersiegers aus den Niederlanden. «Er sieht das aus einem Blickwinkel. Ich bin ein Fan von leben und leben lassen. Ich selbst muss glücklich sein an dem Ort, an dem ich lebe. Man wird am Ende ja sehen, was das Ergebnis ist», sagte der «Maximiser», der neben dem Profi-Sport auch mal geschäftlich in die Schweiz reist, sich für Darts-Abende buchen lässt oder Jürgen Klopp in Liverpool trifft. Für das Jahr 2019 visierte er die Top 20 der Weltrangliste an - das ist durchaus noch realistisch, wenn er beim Schlusspunkt in London ein ordentliches Turnier abliefert.

Der Idsteiner ist neben Martin Schindler und Gabriel Clemens einer von gerade mal drei Vollzeit-Spielern in Deutschland. Er ist ein schlanker und sportlicher Typ, wirkt durchtrainierter als viele seiner Kollegen, die mit Bierbauch und Doppelkinn nur entfernt aussehen wie Profisportler, aber um Millionensummen spielen. Darts geht Hopp mit einem ganzheitlichen Ansatz an: Er wirft nicht nur Pfeile, sondern geht auch regelmäßig Joggen und schult seinen Kopf.

Die Methoden des Hessen zeigen Wirkung und haben schon zu vielen sportlichen Höhen geführt: EM-Halbfinale, ein prestigeträchtiger European-Tour-Titel in Saarbrücken und schon der siebte WM-Start mit 23 Jahren. Doch der Aufstieg in die Weltspitze, den sich mancher Fan und Experte gewünscht hatte, bleibt bislang aus. Allerdings steht in den Top 10 der Weltrangliste auch kein anderer Spieler in Hopps Alter.

Die Meinungen über ihn gehen in der Darts-Szene deshalb auseinander. Die einen schätzen sein enormes Potenzial und die Hartnäckigkeit, den Platz an der deutschen Spitze über Jahre zu verteidigen. Bei der WM ist er dieses Jahr an Position 24 gesetzt, so hoch war noch nie ein deutscher Spieler platziert. Anderen fehlt der eine große Sprung, sie stört die doch eher unstete Verbesserung. Auf ein ganz schwaches Jahr 2017 folgte erst ein sehr starkes 2018 und dann ein durchwachsenes 2019. Wo es 2020 hingeht? Schwer zu sagen.

Hopp versucht sich dem Rummel so gut wie möglich zu entziehen. Vor der WM verhängt er sich selbst gerne eine Mediensperre, abseits des obligatorischen Programms für die übertragenden TV-Sender gibt er nur wenige Interviews. Was ihm Kritiker als verpasste Chance zur besseren Promotion des Darts-Sports ankreiden, hält Experte Elmar Paulke für den richtigen Weg.

«Er zieht sich schon ein bisschen raus, er steht einfach am meisten im Fokus. Er will das alles nicht so sehr an sich heranlassen. Ich glaube, er tut gut daran», sagte Paulke der Deutschen Presse-Agentur.

Einen Gesprächstermin abseits von Turnieren und Galas zu bekommen, ist bei Hopp und wechselnden Managern eine echte Schwierigkeit. Eine angekündigte Pressekonferenz blieb bis zum Start der WM-Woche aus - am Montag wurde nun die plötzliche Absage verkündet. Es fehle die Zeit. Kann das wirklich noch am Fokus auf den Sport liegen?

Auch die Kollegen, die Hopp von Turnieren kennen, nehmen den Rummel wahr. Der 47 Jahre alte Maik Langendorf, seit Jahren einer der besten Spieler Deutschlands, sieht die Verantwortung für den extremen Druck auf Hopp ganz bei der Öffentlichkeit. «Max hat für das deutsche Darts enorm viel erreicht. Es ist erschreckend zu sehen, wie viel Gebashe nach Niederlagen in den sozialen Netzwerken folgt», sagte Langendorf. Daran seien vor allem die Medien schuld, «die auf Teufel komm raus einen deutschen Darts-Star generieren wollen».

Bei der WM winkt schon in seinem ersten Match ein Duell mit Landsmann Gabriel Clemens, der 2019 kaum schlechter war als Hopp. Für Fachmann Paulke ist klar, wer in diesem deutschen Aufeinandertreffen unter Druck steht: «Gabriel kann völlig entspannt da reingehen, Max wird mehr zeigen wollen, dass er die Nummer eins ist.»

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