Doping in Russland
Wada-Chefermittler: Werden «alle 298 Fälle ausermitteln»

Frankfurt/Main (dpa) - Von rund verdächtigen 300 Dopingfällen aus dem Moskauer Kontrolllabor wurden nach Angaben von Wada-Chefermittler Günter Younger «145 von Löschungen oder Manipulationen beeinträchtigt». Dies sagte der deutsche Experte in einem Interview der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Mittwoch, 29.01.2020, 04:02 Uhr aktualisiert: 29.01.2020, 05:05 Uhr
Günter Younger ist der Chefermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur.
Günter Younger ist der Chefermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur. Foto: Valentin Flauraud

«Wir konnten feststellen, welche Datei gelöscht worden ist und wann. Aber wir können sie nicht in jedem Fall wiederherstellen. Manche Daten sind forensisch gelöscht», sagte Younger .

Die Wada hatte den russischen Sport wegen der Manipulation von Daten aus dem Moskauer Labor für vier Jahre ausgeschlossen und unter anderem einen Olympia-Bann für die russische Mannschaft ausgesprochen. Die russische Antidoping-Agentur legte dagegen Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof Cas ein, sie rechnet mit einem Urteil im April oder Mai. Erst vor einer Woche hatte die Wada das Testlabor in Moskau erneut vorübergehend geschlossen.

Younger war mit seinem Team von Mai bis November «nur damit beschäftigt festzustellen, welche Dateien verändert, gelöscht oder hinzugefügt wurden. Zum Teil sind die Aktionen rückdatiert worden», sagte der erfahrene Ermittler. «Dafür wurde die gesamte Datenbank auf ein Datum eingestellt, das vier Jahre zurückliegt, dann hat man gelöscht», berichtete Younger und versicherte: «Wir werden aber alle 298 Fälle ausermitteln.»

Einen Komplett-Bann russischer Athleten von Olympischen Spielen hält er trotz der gravierenden Ausmaße von Doping und Manipulationen nicht für richtig. «Ich bin gegen eine Pauschalbestrafung», betonte Younger. «Wenn Sie schauen, wer das aufgedeckt hat, stellen Sie fest: Das waren weder Europäer noch Amerikaner noch wir bei der Wada. Das waren russische Athleten, Trainer und Offizielle, die es satt hatten, weiter von dem System manipuliert zu werden.» Diese würden bei einem kompletten Ausschluss bestraft. Und: «Warum sollten in Zukunft Whistleblower eines Doping-Systems zu uns kommen, wenn sie dafür nachher auch bestraft werden?»

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