Wegen Corona-Krise
Hanfmann: «Denken nach, Tennis zu verlassen»

Die Corona-Zwangspause bringt schlechter platzierte Tennisprofis in Schwierigkeiten. Auch der Karlsruher Yannick Hanfmann macht sich Gedanken über seine Zukunft. Über die Möglichkeiten für Hilfsfonds wird emotional diskutiert.

Mittwoch, 06.05.2020, 13:24 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 13:28 Uhr
Macht sich Gedanken über seine sportliche Zukunft: Tennisprofi Yannick Hanfmann.
Macht sich Gedanken über seine sportliche Zukunft: Tennisprofi Yannick Hanfmann. Foto: Thomas Frey

Höhr-Grenzhausen (dpa) - Gegen Rekordchampion Rafael Nadal hat Yannick Hanfmann keine Chance. Glatt in drei Sätzen verliert der Qualifikant seine Erstrundenpartie bei den French Open .

Es ist Ende Mai 2019, Hanfmann kassiert für sein Ausscheiden in Paris 46.000 Euro. Ein Jahr später bleibt Hanfmann in der Corona-Krise nichts anderes übrig, als ein inoffizielles Event im rheinland-pfälzischen Höhr-Grenzhausen zu spielen. Er gewinnt es. Er habe damit 700 Euro und eine kleine Antrittsprämie verdient, erzählte der Tennisprofi.

«Eine Dauerlösung ist es nicht. Da kommt man nicht so weit mit. Da mache ich mir schon ein bisschen Sorgen», sagte Hanfmann. Ab Donnerstag spielt er auch den zweiten Teil der kleinen Serie unter Ausschluss des Publikums und mit strengen Hygieneregeln mit. Immerhin bietet es schlechter platzierten Tennisprofis die Möglichkeit, «dass man ein bisschen über die Runden kommen kann».

Hanfmann selbst findet seine finanzielle Situation in der Corona-Zwangspause noch «in Ordnung». Noch. «Wenn der Lockout noch das ganze Jahr andauert, dann würde ich mir auf jeden Fall auch Gedanken machen», sagte der Weltranglisten-143. aus Karlsruhe. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass das auf ihn zukommt. Nicht wenige haben die internationale Saison für 2020 bereits abgeschrieben. Mindestens bis zum 13. Juli ruht die Tour auf jeden Fall.

«Da ist schon die Frage, wie sehr so ein Jahr auf lange Sicht auch wehtun kann», sagte der 28-Jährige. «So richtig absichern für die Jahre danach kann man in diesem Jahr mit Sicherheit gar nicht.» Auch generell sei es schwierig, etwas für die Zukunft zurückzulegen.

Weiter hinten platzierten Tennisprofis macht die Coronavirus-Krise zu schaffen. Auch Boris Becker sorgt sich um die Spieler, die nicht zu den «Top Ten, den Top 50 und vielleicht den Top 75 Männern und Frauen» gehören, wie er in einem Interview auf laureus.com sagte. Tennisspieler haben kein monatliches Grundeinkommen. Sie sind Alleinunternehmer, die Reisen und Trainer selbst bezahlen. Hanfmann sieht besonders die Profis ab den Positionen 150 bis 200 betroffen.

Hilfen sind angekündigt. Mehr als sechs Millionen Dollar habe man zusammengetragen, teilten die Tour-Organisatoren ATP und WTA, der Weltverband ITF und die Veranstalter der vier Grand-Slam-Turniere am Dienstag mit. Das Geld soll unter rund 800 Profis verteilt werden.

«Ich glaube, dass die Investitionen in die eigene Karriere in Gefahr sind», fürchtet Hanfmann. Viele würden sich keinen eigenen Trainer oder Physiotherapeuten mehr leisten können, wenn sie wieder zu Turnieren reisen dürfen. Der Unterschied zu den Topspielern, die mit mehreren Betreuern und Trainern reisen, wird noch größer. «Es wird ein Kreislauf in Gang gesetzt. Und viele werden auf der Strecke bleiben», meinte Davis-Cup-Spieler Jan-Lennard Struff.

Die großen Unterschiede in den Preisgeldern sind seit langem ein Thema auf der Tennis-Tour. «Der Abfall ist zu hoch. Die Preisgelder sind so strukturiert, dass es extreme Unterschiede gibt, ob man Top 80, Top 100 steht - oder eben drüber», bemängelte Hanfmann.

Die Top 100, so offenbar ein Vorschlag des Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic, sollten in der Krise andere Spieler unterstützen. «Viele von ihnen denken darüber nach, das Tennis zu verlassen, weil sie finanziell ganz einfach nicht überleben können», zitierte die französische Sportzeitung «L'Equipe» kürzlich aus einem Brief von Djokovic. Ziel sei es, den Spielern auf den Weltranglistenplätzen 250 bis 700 jeweils 10.000 Dollar zukommen zu lassen.

Der österreichische Australian-Open-Finalist Dominic Thiem äußerte Skepsis - und steckte dafür wiederum Kritik ein, etwa von Tennis-Paradiesvogel Dustin Brown. Er habe 2004 zu Beginn seiner Karriere in einem Camper von Woche zu Woche gelebt, erinnerte der Niedersachse. Wenn er die erste Runde verloren habe, habe er 117,50 US-Dollar abzüglich der Steuern verdient. Wenn die Corona-Krise damals passiert wäre, «hätte es mich meine Karriere gekostet», schrieb Brown auf Twitter. Dann hätte er mit seinem Sieg in Wimbledon über Topstar Nadal nie Berühmtheit erlangt. In dieser Woche spielt auch der 35-jährige Brown wieder in Höhr-Grenzhausen.

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