Badminton
Der geschmeidige Herr Axelsen ist der Schreck der Asiaten

Kopenhagen -

Die Asiasten fürchten ihn, die Kollegen bewundern ihn, die Zuschauer fühlen sich bestens unterhalten. Viktor Axelsen ist aktuell mindestens der beste europäische Badminton-Spieler. Fürs Publikum hat er immer einen Trick im Gepäck.

Montag, 11.03.2019, 22:15 Uhr aktualisiert: 11.03.2019, 22:21 Uhr
Er wurde Zweiter bei den All England Open: der dänische Ex-Weltmeister Viktor Axelsen.
Er wurde Zweiter bei den All England Open: der dänische Ex-Weltmeister Viktor Axelsen. Foto: flo

Badminton ist eine Sportart, bei der, je nach Teilnehmerfeld, 32 Spieler einem Federball hinterher­jagen – und am Ende gewinnt immer ein Asiate. Präziser: gewann. Seit ein paar Jahren lehrt ein Däne Chinesen, Japaner und Co. das Fürchten. Viktor Axelsen , ein in jeder Hinsicht bemerkenswerter Mann.

Dass Skandinavier die Badminton-Weltmacht China ärgern, hat Tradition. Peter Rasmussen fällt einem ein, der Weltmeister von 1997. 20 Jahre später, in Glasgow, tat es Axelsen seinem Landsmann gleich. An guten Tagen ist das Spiel des 25-Jährigen eine Offenbarung. Mit an Arroganz grenzender Lässigkeit verteilt der Schlaks die Bälle. Ihm gegenüberzustehen, muss seinen Gegnern wie eine Strafe vorkommen. Gerade auf dem Kontinent. Der zweifache Europameister schlägt seine Kontrahenten nicht bloß, bisweilen demütigt er sie. Er returniert Bälle hinterm Rücken durch die Beine nicht etwa, weil es dafür eine Notwendigkeit gäbe, sondern: Weil er’s kann. Mit einem Mangel an Respekt habe das nichts zu tun, erklärte Axelsen dieser Zeitung am Rande der Team-EM in Kopenhagen (die die Gastgeber, wie immer, gewannen). Es gehe darum, gerade vor eigenem Publikum, die Leute zu unterhalten. Ein Raunen geht durch die Halle, wann immer Axelsen einen dieser Axelsen-Momente auspackt. Schläge, die man auch mit inten­sivem Training nicht hin­bekommt. „Most naturally gifted“ nennt der Engländer das – von der Natur mit einer außergewöhnlichen Begabung bedacht.

Vergangene Woche war der Däne bei den All England Open im Einsatz. Es ist nach Olympia, wo er 2016 Bronze holte, sowie der WM der älteste, prestigeträchtigste Wettbewerb überhaupt. Und der einzige, bei dem Axelsen lange Zeit nicht ­reüssierte. Stets war bei dem mit 1 000 000 US-Dollar dotierten Turnier im Viertel­finale Feierabend. Diesmal lief es deutlich besser, erst im Finale stoppte der amtierende Weltmeister seinen Vorgänger nach drei hart umkämpften Durchgängen. Fast müßig zu erwähnen, dass Axelsen ab dem Halbfinale in sämtlichen fünf Disziplinen der einzige Nicht-Asiate war.

In der Heimat lieben sie ihren Superstar, der es in ­Sachen Popularität mit Mikkel Hansen (Handball) oder Kevin Magnussen (Formel 1) aufnehmen kann. Nur mit dem nationalen Verband gibt es dann und wann Zoff. Vor der Heim-EM stritten Funktionäre und Nationalteam um Markenrechte. Ein Boykott stand im Raum, die Spielergewerkschaft mischte mit. Die Spielergewerkschaft. Im Badminton. So viel zum Stellenwert dieser Sportart in Dänemark.

Man habe, so Axelsen, „eine Lösung gefunden, bei der beide Seiten das Gesicht wahren“. Man darf darauf wetten, dass nicht er es war, der klein beigegeben hat. Es würde nicht passen zu dem Mann, der auch außerhalb des Courts durch eine enorme Geschmeidigkeit besticht. In China, wo ihm auf den großen Turnieren Zehntausende zujubeln, parliert er in der Landesprache mit Fans und Medien. Mandarin habe er gelernt, um „das Hirn zu schulen“, so der ehemalige Weltranglistenerste. Mag sein. Seinem Marktwert in Asien dürfte es freilich auch nicht geschadet haben.

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