Nach Olympia-Aus
Die Leere nach Grozer: Volleyballer vor schweren Zeiten

Das Olympia-Aus bedeutet den Abschied von Georg Grozer aus der Nationalmannschaft. Der Rückzug des XXL-Angreifers setzt einen Umbruch bei den deutschen Volleyballern in Gang.

Sonntag, 12.01.2020, 10:50 Uhr aktualisiert: 12.01.2020, 10:52 Uhr
Hinterlässt bei Deutschlands Volleyballern eine große Lücke: Georg Grozer.
Hinterlässt bei Deutschlands Volleyballern eine große Lücke: Georg Grozer. Foto: Andreas Gora

Berlin (dpa) – Nach dem frustrierenden Abschied von Ausnahmespieler Georg Grozer stehen die deutschen Volleyballer vor schweren Zeiten. Das internationale Karriereende des XXL-Angreifers nach dem Aus in der Olympia-Qualifikation reißt einen Krater ins Nationalteam. #

Das Scheitern so kurz vor dem Sehnsuchtsziel Tokio lässt auch die Zukunft weiterer Führungsfiguren offen. «Für die Nationalmannschaft wird es in Zukunft sehr schwierig. Der Bruch ist sehr groß», sagte Trainer-Legende Stelian Moculescu der Deutschen Presse-Agentur nach dem Olympia-Aus im letzten Qualifikationsturnier.

Grozers lange angekündigter Rücktritt bedeutet das Ende einer Ära. Sein Abschied forciert den Umbruch. «Wir müssen den jüngeren Jungs die Chance geben», sagte Nationaltrainer Andrea Giani über die vage geäußerte Hoffnung, Grozer (35) könne vielleicht doch noch einmal weiter machen. Die Planungen müssen nun schon auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris ausgerichtet werden.

Der Vertrag des Italieners Giani läuft in diesem Jahr aus, er will erstmal mit dem Präsidenten über seine Zukunft reden. Für Kapitän Lukas Kampa (33) ist der weitere Weg nach eigener Aussage «im Moment» noch «komplett offen». Sein hohes Pensum im Nationalteam seit dem Einstieg 2008 werde der Zuspieler aber «so nicht mehr schaffen».

Eine Zeitrechnung ohne Galionsfigur Grozer ist auch für den Verband ein Problem. Der Angreifer stand für Spektakel, Emotion und dringend benötigte Aufmerksamkeit – seine Gattung ist rar. «Man hat gesehen, dass immer wieder Leute kommen, die man gerade nicht auf dem Schirm hat», meinte Kampa zuversichtlich. «Wir haben schon viele junge Wilde dabei, die inzwischen Erfahrung gesammelt haben und die jetzt in die Fußstapfen treten müssen», sagte Außenangreifer Christian Fromm.

Simon Hirsch (27) war schon in der Vergangenheit Grozers Ersatzmann, dürfte künftig deutlich mehr Spielanteile erhalten. Außerdem ruhen auf Ruben Schott (25) oder auch dem für Berlin nicht nominierten Linus Weber (20) in der Offensive Hoffnungen. Im Mittelblock hat Giani mit Tobias Krick (21) und Anton Brehme (20) längst die Zukunft eingeläutet. Julian Zenger (22) war schon vor der Reaktivierung des erfahrenen Markus Steuerwald (30) der Libero Nummer eins.

Grozer blieb nach der Finalniederlage von Berlin gegen hervorragende Franzosen fassungslos zurück. Worte fand er nicht. «Ich hätte ihm einen Abschied mit einer Medaille in Tokio gewünscht», sagte Kampa. «Es ist hart, dass so eine Persönlichkeit geht», befand Fromm. «Es tut mir bloß so leid, dass es mit so einem Spiel enden muss.»

Der «Hammerschorsch», wie Grozer aufgrund seiner Schlagkraft kumpelhaft und zugleich auch etwas ehrfürchtig genannt wurde, hatte schon weit vor dem Turnier seinen Abschied aus der Nationalmannschaft spätestens nach Tokio angekündigt. Kein anderer Spieler hat den deutschen Volleyball so geprägt wie Grozer. Sternstunden wie WM-Bronze 2014 – die zweite deutsche WM-Medaille überhaupt – und EM-Silber 2017 – die erste deutsche EM-Medaille überhaupt – wären ohne ihn nicht möglich gewesen.

In seinem Abschiedsspiel war der ohnehin schon an der rechten Wade angeschlagene Modellathlet im ersten Satz nach dem gerade einmal zweiten Punkt der Partie am Netz unglücklich auf dem Fuß von Mittelblocker Nicolas Le Goff aufgekommen. Trotz lädierten rechten Knies stemmte sich Grozer gegen sein internationales Karriereende - und war wie so oft bester deutscher Angreifer. «Danke, dass er so viele Bälle versenkt hat», sagte Kampa über seinen Kumpel. «Es war mir eine Ehre und eine Freude, ihn so lange begleiten zu dürfen, ihm so lange die Bälle zuspielen zu dürfen.»

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