Corona-Krise
Zukunft der 3. Liga: Ein Votum und viele offene Fragen

Die Hälfte der 20 Drittligisten hat sich für eine Fortsetzung der Saison ausgesprochen. Der DFB erhofft sich mehr Ruhe, macht aber selbst weitere Baustellen auf. Etwa mit der Millionen-Spende der DFL.

Dienstag, 28.04.2020, 13:12 Uhr aktualisiert: 28.04.2020, 13:14 Uhr
In der 3. Liga wurde mit einer knappen Mehrheit für die Fortsetzung der Saison gestimmt.
In der 3. Liga wurde mit einer knappen Mehrheit für die Fortsetzung der Saison gestimmt. Foto: Michael Deines

Leipzig (dpa) - Eine Abkehr vom Dauer-Zoff ist bei den Fußball-Drittligisten auch nach dem Votum für eine Fortsetzung der Saison nicht erkennbar.

Zwar feierte DFB-Vizepräsident Peter Frymuth das Ergebnis vom Montagabend als «mehrheitliche Meinung». Doch nachdem sich gerade einmal 10 der 20 Clubs für eine Weiterführung der Spielzeit über den 30. Juni hinaus ausgesprochen haben, bleiben mehr Fragen als Antworten. Eindeutig ist zunächst die Abhängigkeit von der Politik. Das stellt auch der Deutsche Fußball-Bund klar.

Nur wenn die «behördlichen Verfügungsgrundlagen und politischen Genehmigungen» es erlauben, soll der Ball wieder rollen. In einem offenbar den Idealfall widerspiegelnden Szenario, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, würde die Liga ihren Betrieb am 16. Mai mit dem 28. Spieltag wieder aufnehmen. Nach fünf englischen Wochen wäre der letzte Spieltag am Wochenende 20./21. Juni vorgesehen, dann würde die Relegation folgen.

Dazu müssten zunächst die Kontaktbeschränkungen gelockert und Mannschaftstraining ermöglicht werden. Derzeit befinden sich nur zwölf Drittligisten im Kleingruppen-Training ohne Kontakte. «Ein Unding», schimpfte Trainer Claus-Dieter Wollitz vom 1. FC Magdeburg in der «Volksstimme» und fügte an: «Die Wettbewerbsverzerrung hat schon längst begonnen. Es ist bitter, dass die Drittligavereine in der Corona-Krise so unsolidarisch sind.» Acht Vereine haben keine Sondergenehmigung erhalten oder sie womöglich gar nicht beantragt.

Offen ist, wie viel Mannschaftstraining vor einem Neustart gewährt werden soll. Auf der Videokonferenz am Montag wurde darüber heftig diskutiert - ohne Ergebnis. Während einige Clubs für zwei bis drei Wochen plädierten, sprachen sich andere für weniger aus. Hauptsache, es geht schnell wieder los.

Das Meinungsbild an sich birgt auch einige Überraschungen. So stimmte Tabellenführer Duisburg für einen Abbruch, obwohl man eigentlich weiterspielen will. Es geht um Details. Denn der MSV verlangte die klare Regelung, dass die Saison nur mit Auf- und Absteigern fortgesetzt werden solle. Offenbar gibt es Planspiele, den Abstieg trotz Fortführung auszusetzen. «Sollte gespielt werden, darf das nicht zu einer sportlichen Wettbewerbsverzerrung führen», sagte MSV-Geschäftsführer Ivica Grlic.

Zudem votierte der Chemnitzer FC für eine Fortsetzung, war aber kürzlich noch einer der Clubs, die unbedingt abbrechen wollten. Der Club begründete dies mit neuen Fakten wie dem Gesundheitskonzept. «Wenn die Politik und die Gesundheitsexperten dieses genehmigen, sind wir verpflichtet, am Spielbetrieb teilzunehmen. Andernfalls müssten wir mit enormen wirtschaftlichen Konsequenzen leben», sagte Vorstandsvorsitzende Romy Polster. Nach dpa-Informationen erfolgte der Meinungsumschwung aber auch auf Betreiben von Insolvenzverwalter Klaus Siemon.

Zudem ist die Solidaritätszahlung von 7,5 Millionen Euro eine weitere Baustelle, die der DFB selbst aufgemacht hat. DFL-Boss Christian Seifert hatte vergangene Woche betont, dass die Hilfe für die Drittligisten und Frauen-Bundesligisten nicht an Bedingungen geknüpft sei. Nun stellte sich heraus, dass wohl lediglich die Überweisung von der DFL an den DFB bedingungslos ist. Der DFB will die Gelder für Corona-Tests zweckgebunden einsetzen. Der Rest soll anteilig nach jedem durchgeführten Spieltag erfolgen. Welcher Schlüssel angewendet wird oder was im Fall eines unfreiwilligen Abbruchs geschieht, ließ der DFB offen.

Ebenso ungeklärt ist, ob alle Clubs in ihren Stadien Geisterspiele austragen dürfen. Das muss die Politik entscheiden. Dem Halleschen FC wurde dies bereits vom Oberbürgermeister untersagt, da das Konzept nicht umsetzbar und finanzierbar sei. Beim Konzept der medizinischen Rahmenbedingungen hat sich der DFB an der DFL orientiert. Unterschiede liegen zum Beispiel in der Personenzahl im Innen- und Außenbereich der Stadien. Für die 3. Liga sind 210 Personen pro Spiel vorgesehen.

Im nächsten Schritt befasst sich der Ligaausschuss mit dem von den Clubs abgegebenen Meinungsbild. Eine Beschlussfassung zur Fortsetzung der Saison für Präsidium oder Vorstand dürfte in dieser Woche jedoch nicht mehr vorliegen. Zumal erst weitere Schritte der Politik abgewartet werden sollen.

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