Heim-Weltcup in Obersdorf
Viel Arbeit für nordische Skisportler

Begeistert von den Fans und der Strecke, nicht zufrieden mit der Leistung auf der Sprungschanze. Die deutschen Kombinierer wissen nach dem Heim-Weltcup in Obersdorf, woran sie noch arbeiten müssen. Der Langlauf-Teamchef setzt vor der WM auf eine besondere Maßnahme.

Sonntag, 26.01.2020, 15:49 Uhr aktualisiert: 26.01.2020, 15:52 Uhr
Kombinierer Fabian Riessle beim Langlauf.
Kombinierer Fabian Riessle beim Langlauf. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Oberstdorf (dpa) - Der frenetische Fan-Jubel ließ die Vorfreude der Nordischen Kombinierer und Langläufer auf die Heim-WM vor prächtigem Alpenpanorama noch einmal steigen.

«Es hat wirklich Spaß gemacht, es war eine wirklich geile Stimmung», sagte Fabian Rießle nach einer starken Langlaufleistung und seinem fünften Platz in der Kombination in Oberstdorf. Teamkollege Vinzenz Geiger sprach von «maximaler» Vorfreude. Nach Rang zwei im Mannschafts-Wettkampf vom Vortag zeigte der Abschlusstag des «Nordic Weekend» allerdings auch noch einmal deutlich, woran es in den Nordischen Sportarten im deutschen Team noch hapert. Bis zur Weltmeisterschaft in rund 13 Monaten ist noch viel zu tun.

«Die Heim-WM ist eine Riesenmotivation, aber es ist auch noch ein langer Weg bis dahin», sagte Geiger. Läuferisch sind er und viele seiner Teamkollegen schon top. Um den überragenden Norweger Jarl Magnus Riiber, der auch am Sonntag gewann, jedoch dauerhaft anzugreifen, muss sich nicht zuletzt Geiger selbst auf der Skisprungschanze deutlich steigern: Am Sonntag ging der 22-Jährige mit 2:46 Minuten Rückstand auf die Spitze erst als 31. auf die Langlauf-Strecke - ins Ziel lief er auf Platz 18 und war damit hinter Rießle und Manuel Faißt auf Rang neun der drittbeste Deutsche.

Die anspruchsvollen Laufstrecken, die Kombinierer und Spezialisten respektvoll «WM-würdig» nannten, kommen Geiger, Johannes Rydzek und Co. entgegen. Viele Trainingssprünge - auch auf der Heim-Schanze - sollen die Lücke zur Weltspitze bei der Schanzen-Performance schließen. «Wir müssen im Springen neue Reize und einen neuen Zugang finden», sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch.

Neue Zugänge hat auch Teamchef Peter Schlickenrieder bei den Langläufern gefunden. Der 49 Jahre alte Outdoor-Enthusiast hat mit seinem Team einen WM-Plan ausgearbeitet und setzt besondere Motivations-Reize: Als Einstimmung auf das große Ziel, will er mit seiner Mannschaft mit dem Rennrad von einem Lehrgang in Leipzig nach Oberstdorf fahren - auf dem kürzesten Weg sind das mehr als 600 Kilometer. «Radlfahren macht man im Team. Das Teamgefühl brauchen wir für die WM auch», begründet Schlickenrieder die Maßnahme.

Zusätzlichen Ansporn geben seiner Mannschaft immer wieder kleinere Erfolgserlebnisse im Weltcup. Im Skiathlon kämpfte sich Katharina Hennig auf Rang zehn, die Männer überzeugten mit drei Top-15-Resultaten und genossen sichtlich die Anfeuerungsrufe der Fans. «Für die Mannschaft ist es wichtig, dass wir immer wieder solche Highlights setzen können», sagte Andreas Katz nach Rang zwölf.

Im Sprint scheiterten Laura Gimmler und Richard Leupold als beste Deutsche jeweils im Viertelfinale. «Ich denke, dass jeder weiß, wo er seine Baustellen hat», sagte Katz und Gimmler stellte nach ihrem Viertelfinal-Aus im Sprint fest: «Was wäre schon eine perfekte Generalprobe? Nächstes Jahr muss es laufen!»

Auch für die Organisatoren war der Weltcup ein Testlauf für das Groß-Event im sportbegeisterten Allgäu ab dem 23. Februar 2021. «Es fügt sich hier alles sehr cool in die Landschaft ein», sagte Lokalmatador Rydzek über die runderneuerte Langlauf-Anlage. «Das Stadion ist wirklich gelungen», meinte der Doppel-Olympiasieger in der Kombination von Pyeongchang. «Wenn man bis nächstes Jahr noch ein paar Kleinigkeiten abschließt, sind wir auf jeden Fall bereit!» - Die Fans werden hoffen, dass das auch für das Sportliche gilt.

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