Start der Highlight-Wochen
Skispringer suchen in Oberstdorf WM-Form

Vor der Vierschanzentournee wird Karl Geiger in Oberstdorf als Mitfavorit gehypt. Beim nun anstehenden Skifliegen hat das DSV-Team keine großen Sieg-Anwärter. Seit dem Neujahrsspringen geht es bergab.

Donnerstag, 31.01.2019, 17:44 Uhr aktualisiert: 31.01.2019, 17:48 Uhr
Die deutschen Skispringer um Richard Freitag suchen nach ihrer Form.
Die deutschen Skispringer um Richard Freitag suchen nach ihrer Form. Foto: Daniel Karmann

Oberstdorf (dpa) - Rund einen Monat nach dem hoffnungsvollen Vierschanzentournee-Start kehren die deutschen Skispringer mit jeder Menge Problemen, nur einem Athleten in Top-Verfassung und im Wissen um das Ende der Amtszeit von Bundestrainer Werner Schuster nach Oberstdorf zurück.

Der Ort ist derselbe, doch die Ausgangslage eine ganz andere: Es sei wichtig, «dass die WM-Mannschaft hier die Kurve kriegt», sagte Schuster vor herrlicher Alpenkulisse wenige Minuten bevor er öffentlich ankündigte, seinen nach der Saison auslaufenden Vertrag aus familiären Gründen nicht zu verlängern.

Er sprach von «einigen Patienten» in seinem Team und davon, sich «daheim bestmöglich präsentieren» zu wollen. Podestplatzierungen oder gar mögliche Siegen nannte der Österreicher nicht als Ziel. Kein Wunder: Die Formkurven seiner Adler geben keinen Anlass zu großem Optimismus.

Der nach seinem Sieg in Engelberg vor der Tournee hoch gehandelte Karl Geiger schied am vergangenen Wochenende im japanischen Sapporo zweimal schon nach dem ersten Durchgang aus. Der Tournee-Zweite Markus Eisenbichler, der sich Ende Dezember auf der Schattenbergschanze in Oberstdorf nur dem späteren japanischen Gesamtsieger Ryoyu Kobayashi geschlagen geben musste, hadert zunehmend mit seinen Sprüngen. Und die einstigen Erfolgsgaranten Andreas Wellinger, Richard Freitag und Severin Freund können ihre früheren Leistungen schon länger nicht mehr abrufen.

Für die Formsuche bleibt ihnen immer weniger Zeit. Die drei Wettkämpfe am Freitag, Samstag und Sonntag (ARD und Eurosport) sind der Auftakt in die Highlight-Wochen mit einem weiteren Heimspiel in Willingen und dem Höhepunkt ab dem 20. Februar: der WM in Seefeld.

Als einziger DSV-Springer hielt zuletzt Stephan Leyhe konstant vorne mit und sprang regelmäßig in die Top Ten. Auf einen Platz auf dem Podium warten er und die anderen Deutschen im Einzel allerdings seit dem Neujahrsspringen von Garmisch-Partenkirchen, als Eisenbichler erneut Zweiter wurde. Achter, Neunter, Siebter - so lauteten Leyhes Ergebnisse zuletzt. «Ich bin richtig heiß aufs Skifliegen», sagte der ansonsten so zurückhaltende Hesse.

Während es für ihn gut läuft, kommt Freund einfach nicht in Tritt. Der Weltmeister von 2015 war nach zwei Kreuzbandrissen Ende November in den Weltcup zurückgekehrt, konnte dort allerdings nicht mithalten. Nach der ersten Tournee-Hälfte verabschiedete er sich in den zweitklassigen Continental Cup, feilt dort an seiner Performance. «Die Wahrscheinlichkeit sinkt von Wochenende zu Wochenende, dass es für diese WM reicht», sagte Schuster.

Sorgen um seine Seefeld-Teilnahme muss sich Andreas Wellinger wohl nicht machen. Zusammen mit Leyhe, Geiger und Eisenbichler dürfte er gesetzt sein. Und doch: Gesamtrang 16 und schon lange kein Platz unter den besten zehn sind nicht der Anspruch des Olympiasiegers von Pyeongchang, der sich «kontinuierlich ranarbeiten» will. Bundestrainer Schuster sah in Japan mit den Rängen 13 und 17 zuletzt immerhin einen «Aufwärtstrend» beim 23-Jährigen.

Einen solchen will auch Richard Freitag zeigen. Der Sachse ließ Sapporo aus und kehrt nun ins Team zurück. Wie es auf der Heini-Klopfer-Skiflugschanze gehen kann, zeigte er im vergangenen Jahr, als er bei der Skiflug-WM Bronze gewann.

Seine Teamkollegen bewiesen noch vor zwei Wochen, dass sie es keinesfalls verlernt haben. Trotz des folgenschweren Sturzes von David Siegel, der für den Rest der Saison ausfällt, gewann das DSV-Quartett, zu dem auch Geiger, Eisenbichler und Leyhe gehörten, im polnischen Zakopane dank teils überragender Sprünge den Mannschafts-Wettkampf. Nur ein kurzfristiger Ausreißer nach oben? Es gäbe schlechtere Orte als Oberstdorf, um diese These zu widerlegen.

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