Wintersport
Durststrecke der deutschen Herren hält an - Kramer bedrängt Niemann

Sotschi (dpa) - Die deutschen Eisschnelllauf-Herren müssen weiter auf die erste WM-Einzelmedaille seit 13 Jahren warten. Samuel Schwarz erkämpfte als Sechster über 1000 Meter seine beste WM-Platzierung.

Freitag, 22.03.2013, 16:03 Uhr

Das Gesicht von Schwarz zierte ein dickes Lila-Veilchen. «Nein, nein - daran hat es nicht gelegen», meinte der Berliner vorsichtig schmunzelnd bei der Eisschnelllauf-WM in Sotschi . Die Herpes-Infektion unter dem Auge habe ihn überhaupt nicht behindert, unterstrich er mit Nachdruck.

Anschließend schaffte über 5000 Meter nur Patrick Beckert den erhofften Sprung in die Top Ten. In 6:27,27 Minuten kam der Bruder von Olympiasiegerin Stephanie Beckert auf den neunten Platz. Hingegen konnte der Inzeller Moritz Geisreiter wegen Magen-Darm-Problemen nicht an seine besten Saison-Ergebnisse anknüpfen und wurde Elfter.   

«Es ist bitter - so wie immer, wenn man knapp am Podest vorbei läuft», meinte Samuel Schwarz zur besten WM-Platzierung seiner Karriere. «Ich bin nicht wirklich glücklich, aber ich darf auch nicht unzufrieden sein», schilderte er die gemischten Gefühle über seine Zeit (1:09,72 Minuten) - exakt 42 Hundertstelsekunden fehlten zum Sprung aufs Podium.

Während der Weltcupsieger von Harbin seine Zugehörigkeit zur Weltelite unterstrich, haderte der Chemnitzer Nico Ihle nach Platz 15 mit den äußeren Umständen. «Erst die Verzögerung wegen der Probleme an der Messanlage, dann macht Mark Tuitert einen Fehlstart, und schließlich stürzt er in der Kurve. Da dachte ich nur: Mist, jetzt hast Du keinen Gegner mehr», berichtete der Sachse.

Beide Sprinter hatten darauf gebrannt, endlich die lange WM-Durststrecke deutscher Männer zu beenden. Im Jahr 2000 hatte der Chemnitzer Frank Dittrich in Nagano mit Bronze über 10 000 Meter die bislang letzte Männermedaille auf einer Einzelstrecke gewonnen, danach folgte nur noch 2008 einmal Team-Bronze.Der Titel über 1000 Meter ging vor nur wenigen Hundert Zuschauern in der gähnend leeren Adler-Arena sensationell an den Kasachen Denis Kusin. In 1:09,14 Minuten holte der Weltcup-Neunte trotz langer Verletzungspause in dieser Saison wie aus heiterem Himmel das erste WM-Gold für sein Heimatland im Eisschnelllauf .

Hingegen dominierte der überragende Sven Kramer die 5000 Meter wie er wollte und erkämpfte in 6:14,41 Minuten seinen 18. WM-Titel. Damit ist der Olympiasieger aus den Niederlanden Rekordweltmeisterin Gunda Niemann-Stirnemann bis auf einen Titel nahe gekommen und könnte schon am Samstag mit einer weiteren Goldmedaille über 10 000 Meter mit der Erfurterin in der WM-Hierarchie gleichziehen.

Seine TVM-Team-Kollegin Ireen Wüst landete ebenso souverän ihren zweiten Sieg in Sotschi. Die Niederländerin gewann nach den 3000 Metern am Vortag auch den Titel über 1500 Meter und machte ihr Titel-Dutzend bei Weltmeisterschaften voll. In 1:55,38 Minuten war die Top-Favoritin von keiner Konkurrentin zu gefährden und holte sich mit fast drei Sekunden Vorsprung die insgesamt 23. WM-Medaille (12/8/3) ihrer Erfolgs-Karriere.

Monique Angermüller erreichte in 1:59,14 Minuten mit Platz zehn auf den Punkt ihr Ziel. «Ich bin total happy. Damit bin ich im Olympia-Jahr in der A-Kader-Förderung. Da fällt mir ein Stein ab», gestand die 29 Jahre alte Berlinerin. An die einstigen Erfolge deutscher Läuferinnen können die Damen seit einiger Zeit nicht mehr anknüpfen. Sechsmal hatte zwischen 1998 und 2009 allein Anni Friesinger den WM-Titel auf der früheren Paradestrecke geholt.

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