Saerbecker programmiert App „Pioplay“
Noten lernen mit dem Smartphone

Saerbeck -

An der Wand hängen Gitarren, auf dem Tisch steht ein Mac-Computer, und schon ist der Arbeitsplatz von Thomas Lehmkühler trefflich beschrieben. Hier, im Vorraum seines Studios, verdient der Saerbecker sein Geld. Mit Musik – und mit der Programmierung von Musik-Apps fürs Smartphone.

Montag, 14.03.2016, 13:03 Uhr

Thomas Lehmkühler in seinem Saerbecker Studio: Hier produziert er Musik, hier programmierte er auch seine App „Pioplay“ (kleines Bild).
Thomas Lehmkühler in seinem Saerbecker Studio: Hier produziert er Musik, hier programmierte er auch seine App „Pioplay“ (kleines Bild). Foto: Gunnar A. Pier

Das Reich von Thomas Lehmkühler verbirgt sich in einer unscheinbaren Wohnsiedlung. Hinter dem Haus, wo man eine heimelige Gartenlaube vermuten würde, produziert er eigene Songs, im vergangenen Jahr veröffentlichte er gar sein eigenes Album „Was du liebst“ . „Ich schreibe leidenschaftlich gerne Songs“, erklärt er. Doch er stellt sein Hinterhof-Studio auch anderen zur Verfügung, produziert Aufnahmen von Amateurbands und Privatleuten, die ihrer Freundin ein Ständchen schenken wollen. Haupteinnahmequelle ist Instrumentenunterricht: Lehmkühler lehrt Klavier, Schlagzeug, Gitarre. „Ich bin sein zehn Jahren selbstständig.“ Er ist Profi-Musiker.

Zu einem eher ungewöhnliche Standbein kam er vor einigen Jahren, wie könnte es anders sein, durch Zufälle. Für seine Nichte schrieb Lehmkühler das Lied „Willkommen, Laura“. Das kam im Freundeskreis so gut an, dass es Nachfragen hagelte: Kannste sowas auch für unser Kind produzieren?

Thomas Lehmkühler entwickelt App zum Noten lernen

Die erste App

Der findige Saerbecker dachte drüber nach – und programmierte seine erste App. Dieses kleine Programm können sich Smartphone-Nutzer auf ihr Telefon herunterladen und damit ein „Willkommen“-Lied mit einem Namen nach Wunsch erzeugen. 200 Namen hat Lehmkühler vorproduziert. Wenn exotischere Wünsche kamen, setzte er sich hin und bastelte das eigens fertig. 7,99 Euro kostet so ein Song – er verdiente das erste Geld damit.

Die App "Pioplay".

Die App "Pioplay". Foto: Gunnar A. Pier

Seit gut zwei Monaten ist seine neueste App in den Online-Läden von Google und Apple : „Pioplay“, ein Spiel zum Notenlernen. „Ich bin eigentlich gar nicht so in Noten verliebt und unterrichte gerne ohne“, gesteht der Musiklehrer. Aber ganz ohne geht es eben nicht. Viele Schüler aber haben Schwierigkeiten, auf den sechs Notenlinien das C vom G zu unterscheiden.

Schüler haben mit entwickelt

„Pioplay“ soll dabei helfen. Fast fünf Jahre lang hat Lehmkühler immer wieder dran gearbeitet und das Feedback seiner Schüler berücksichtigt, die testen durften. Die Idee ist einfach: Auf den Notenlinien erscheint eine Note, und der Nutzer muss die passende virtuelle Klaviertaste drücken. Trifft er den richtigen Ton, sorgt ein freundliches Jingle für die Belohnung. Dafür gibt‘s Punkte, es lockt das Weiterkommen ins nächste Level, das schwieriger ist.

Im Vorraum seines Studios entwickelte Lehmkühler seine App.

Im Vorraum seines Studios entwickelte Lehmkühler seine App. Foto: Gunnar A. Pier

Die Punkte werden in eine Rangliste eingetragen. „Das ist der Clou“, findet Lehmkühler. Denn so können sich alle Spieler von „Pioplay“ vergleichen. Wieder der Belohnungs-Effekt, der Schüler dazu bringt, besser werden zu wollen – und so wie nebenbei die Noten zu lernen.

Ein Geschäftsmodell?

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1,99 Euro kostet die App. Ein Geschäftsmodell? Reich kann Lehmkühler damit nicht werden: Etwa ein Dritten bleibt bei Google und Apple, dann werden Steuern abgezogen. Außerdem verlangen die Online-Stores eine Grundgebühr. „Noch zahle ich drauf“, sagt er. Ihn treibt die Leidenschaft an, nicht der Profit.

Aber er hofft, dass sich die Geschäfte entwickeln. Die Vermarktung macht ihm noch Sorgen. „Das habe ich ja nicht gelernt. Und ich habe immer schon das nächste Projekt im Kopf.“ Trotzdem läuft er sich warm für Kooperationen mit Musiklehrern. Und in der Zwischenzeit unterrichtet er eben weiter. Klavier, Schlagzeug und Gitarre.

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