Hafen bei Rheine
Von Spelle nach Dubai

Spelle -

Weizen oder Windturbinen: Von einem Hafen hinter Rheine werden Güter in die ganze Welt verschifft. Die Anlage sieht zwar klein aus, aber pro Jahr werden hier umgerechnet mehr als 30.000 Lkw-Ladungen umgeladen. Für manch größeren Transport müssen auch schon mal Straßen gesperrt werden.

Sonntag, 27.03.2016, 13:03 Uhr

Hafen mit Weitblick: Im Stichhafen wird Weizen aus einem Binnenschiff entladen.
Hafen mit Weitblick: Im Stichhafen wird Weizen aus einem Binnenschiff entladen. Foto: Jürgen Peperhowe

Im Hafen von Spelle-Venhaus weht eine leichte Brise Weizenkörner über den Boden. Zwischen Silos und Industriebauten, die entlang des Hafens in den Himmel ragen, liegt ein Schüttgutfrachter im Wasser des Dortmund-Ems-Kanals. Vom Deck des Binnenschiffes, das lose Ware transportiert, schaufelt ein Bagger die Körner in einen großen Trichter, der an Land in den Boden eingelassen ist. Unterirdisch wird die Saat so direkt in die Kornmühle geleitet. Das Löschen, also das Entladen, dauert bei 1000 Tonnen Schüttgut rund acht Stunden. Stefan Sändker, Geschäftsführer der Hafen Spelle-Venhaus GmbH, ist sich sicher: „Das Brot, das ich morgens beim Bäcker im Ort kaufe, ist aus dem hier gemahlenen Weizen “. Aber erst einmal freuen sich einige Tauben über die daneben gefallenen Körner.

„Mineralöle, Baustoffe, Futtermittel, Nahrungsmittel, Bauteile für Windkrafträder und Siloanlagen“, zählt Sändker auf, womit die meisten Binnenschiffe am Hafen festmachen. Annähernd 600 Schiffe werden im Hafen von Spelle-Venhaus pro Jahr be- und entladen. Jedes Schiff fasst gut 1000 Tonnen, soviel wie auf 54 Lastwagen passt.

Zu Besuch im Kanal-Hafen von Spelle-Venhaus

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  • Der Dortmund-Ems-Kanal ist mit seinen 223 Kilometern Länge das Rückgrat der westdeutschen Wasserstraßen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Aus 40 Metern Höhe sieht man den Stich- und den Parallelhafen von Spelle-Venhaus besondes gut. Ein Binnenschiff liefert gerade Weizen an die Kornmühle.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ein Bagger wird in an Bord gehievt, um die Reste des Weizens aus dem Schiffsbauch zu holen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Aus dem Tank-Binnenschiff "Lena" wird geladenes Schweröl abgepumpt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stefan Sändker (l.), der Geschäftsführer der Hafen Spelle-Venhaus GmbH, und sein Mitarbeiter Daniel Thien sitzen am neuen Anleger.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Bauteile für Windkraftanlagen warten auf ihren Weitertransport.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Viele der Windturbinen werden über Brake nach Dubai verschifft.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Besonders stolz ist Sändker auf den Ausbau des Hafens in den vergangenen Jahren. Rund 28 Millionen Euro hat es gekostet, den Hafen, der größer ist als 70 Fußballfelder, für die Zukunft fit zu machen. So wurden fast 40 neue Arbeitsstellen geschaffen. Damit Güterzüge in Zukunft direkt in den Hafen fahren können, wurden 4,2 Kilometer Gleise verlegt und an das Schienennetz angeschlossen. „Wir sind noch nicht am Ende der Modernisierung. Im nächsten Schritt soll der Stichhafen erweitert werden“, gibt Sändker Einblick in die zukünftige Planung.

Dass sich die Investitionen gelohnt haben, sieht man schon heute: An mindestens einem der zwölf Liegeplätzen ist immer ein Binnenschiff vertäut. Jede Firma, die den Hafen benutzt, hat zugewiesene Liegeplätze für ihre Schiffe, „so können sie ihre Lieferungen selbstständig planen“, erläutert Daniel Thien , ein Mitarbeiter Sändkers.

Auf den ersten Blick sieht das neu erschlossene Gebiet noch nach Baustelle aus. Der Benzin-Geruch verrät aber, dass die Kaianlage bereits genutzt wird. Die „Lena“ pumpt ihr geladenes Schweröl in Tankwagen.

Ebenso stehen im neuen Hafenteil Windturbinen, so groß wie Wohnmobile, zum Verladen bereit. Durch die Lage am Dortmund-Ems-Kanal , der das östliche Ruhrgebiet mit dem Seehafen in Emden verbindet, ist Spelle-Venhaus mit der ganzen Welt verbunden. „Viele der Windturbinen drehen sich später in den Arabischen Emiraten, denn sie werden von hier über Brake nach Dubai verschifft“, erzählt Thien.

Die Windturbinen sind aber nicht die einzigen großen Güter, die im Hafen von Spelle-Venhaus verladen werden. Am Mittwoch nach den Osterfeiertagen wird ein 270 Tonnen schweres Getriebe angeliefert. Für den Transport zum Hafen werden in der Nacht extra die Straßen abgesperrt. Thien erklärt: „Teils muss die Luft aus den Lkw-Reifen abgelassen werden, damit das Getriebe unter der Brücke durchpasst. Da bleiben nur sieben Zentimeter zwischen Oberkante und Brücke. Das ist eine Präzisionsleistung der Lastwagenfahrer.“

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