Pachtvertrag der Kultkneipe wird nach 17 Jahren nicht verlängert
Letzter Abend im Raketen-Café

Münster -

Bis auf den letzten Platz war das Raketen-Café am Samstag gefüllt. Die Gäste wollten noch einmal die Atmosphäre der Kultkneipe im Hansaviertel genießen, deren Pachtvertrag nach 17 Jahren nicht mehr verlängert wird.

Montag, 25.04.2016, 05:04 Uhr

Tom Naber unternahm im Raketen-Café  seine ersten Schritte als DJ und legte auch am letzten Tag der Kultkneipe dort Platten auf.
Tom Naber unternahm im Raketen-Café seine ersten Schritte als DJ und legte auch am letzten Tag der Kultkneipe dort Platten auf. Foto: kel

„Ich bin froh, heute noch mal aufzulegen. Es fühlt sich an wie beim ersten Mal“, sagt Tom Naber . Der Eventmanager und Experte für Marketing verspürt eine Menge Melancholie, wenn er über sein „Wohnzimmer“, das Raketen-Café, spricht. Hier hat er seine ersten Schritte als DJ gemacht und einst hinter der Theke gestanden, um die Gäste mit frischen Getränken zu versorgen. „Ich bin hier sozialisiert worden und ein Freund des Hauses“, sagt Naber, der vor allem die Musikstile in der „Rakete“ schätzt. Neben Country wurde hier immer viel Rock ’n’ Roll und Musik der 50er- und 60er-Jahre gespielt. „Das wurde sonst nirgendwo aufgelegt“, meint Naber.

Naber ist nicht der Einzige, der die Schließung der kleinen Eckkneipe auf dem Hansaring als tiefe Zäsur betrachtet. Am Samstagabend genossen die Gäste zum letzten Mal die Atmosphäre der bis auf den letzten Platz gefüllten Rakete. Nach 17 Jahren ist Schluss für die Kult-Kneipe: Der Hauseigentümer hatte Wirt Johannes Schmanck im November informiert, den Pachtvertrag nicht mehr verlängern zu wollen. Den genauen Grund weiß Schmanck nicht: „Der Vermieter hat uns komplett im Unklaren gelassen. Die Entscheidung kam ganz plötzlich“, sagt er.

Das Raketen-Café schließt

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  • Foto: Maximilian Keldenich
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Mit der Schließung des Raketen-Cafés geht ein fester Bestandteil des Hansaviertels und ein wichtiger Anlaufpunkt für die alternative Szene verloren. So sieht es auch Martin Gutsch . Der Münsteraner besuchte das Ausgehlokal über zehn Jahre regelmäßig. Für ihn war die Rakete eine Institution mit relativ günstigen Getränken, guter Musik und vielen netten Gästen. Die Kneipe habe das Viertel geprägt, das aus sich heraus gewachsen sei: „Ich glaube, dass sich das Viertel durch die Schließung zum Negativen verändern wird. Die Kommerzialisierung wird wohl nicht mehr aufzuhalten sein“, glaubt Gutsch. Er befürchtet, dass schickere Kneipen in das Viertel einziehen könnten.

Johannes Schmanck betreibt auch das Bohème Boulette und die Watusi-Bar, die aufgrund ihrer Größe einen wesentlich höheren Umsatz haben, meint Schmanck.

„Die Schließung der Rakete könnte erst der Anfang sein“, glaubt Raketen-Café-Betreiber Schmanck. Wenn die Objekte auf dem Hansaring an Investoren veräußert würden, könnte dies das Aus für weitere Nachtlokale bedeuten. „Eine Kneipe ist immer mit Lärmbelästigung verbunden. Wenn sie geschlossen wird, steigt der Wert des Hauses“, erklärt Schmanck.

In seiner Funktion als Ratsherr setzt er sich im übrigen dafür ein, dass Teile des Hansaviertels in die Milieuschutzsatzung aufgenommen werden, um auch eine Veränderung der Einwohnerstruktur im Viertel zu unterbinden.

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