Selfies in Ankara machten ihn verdächtig
Münsteraner in der Türkei verhaftet

Münster -

Sechs Tage verbringt der Münsteraner Olaf Götze in türkischer Haft. Weil er in Ankara Selfies geschossen hat.

Dienstag, 17.05.2016, 20:05 Uhr

Olaf Götze spielt ein persisches Instrument.
Olaf Götze spielt ein persisches Instrument. Foto: Götze

Olaf Götze ist ein Politikum geworden. Sechs Tage saß der Münsteraner in der Türkei in Haft. Und das, weil er ein Selfie in Ankara geschossen hat. Wie das ARD-Politikmagazin "Report-Mainz" am Dienstagabend berichtet, sollen seit Anfang 2015 bereits rund 20 deutsche Touristen kurzfristig festgesetzt und abgeschoben worden sein.

Götze, früher im AStA der Uni, Linken-Kreisverbandssprecher und im Aufsichtsrat der Wohn- und Stadtbau tätig, widmet sich seit drei Jahren der persischen Kultur. Ein halbes Jahr hat er in Teheran die persische Sprache gelernt. Auf dem Rückweg von seinem Studienaufenthalt machte er zum ersten Mal Halt in der Türkei.

Selfie vor einer Polizeistation

„Ich habe da einen Bekannten getroffen, und gemeinsam haben wir uns die Stadt angesehen“, sagt er. Das war bereits am 24. März. Wie viele Touristen, zückten die beiden ihre Handys und schossen Selfies – auch vor einer Polizeistation.

In der von mehreren Bomben-Anschlägen gebeutelten türkischen Hauptstadt erregte das allerdings Aufsehen. „Polizisten in Zivil haben uns direkt mit auf das Gelände genommen“, schildert Götze. Die Handys der beiden Männer wurden inspiziert. Unter anderem hatten sie auch ein Bild von der Stelle gemacht, wo vor einigen Monaten offenbar ein IS-Anhänger einen Selbstmordanschlag begangen hatte.

Münsteraner landet in Einzelzelle

Götze wurde in eine Einzelzelle verfrachtet, mit Sofa und Fernseher. Nur einmal durfte er nach eigenen Angaben den Bekannten anrufen, bei dem er wohnte. Mehrere Male wurde er von Antiterror-Experten befragt.

Sechs Tage lang, bis zu seiner Abschiebung im selbst gebuchten Billigflieger zum Flughafen Münster/Osnabrück, hatte er keinen Kontakt zur deutschen Botschaft , obwohl diese nach Darstellung des Report-Berichts von Götzes Bekannten informiert worden sei.

Große Panne?

Laut Report Mainz kritisiert der Bundestagsabgeordnete Jan van Aken (Linke): „Es darf nicht passieren, dass jemand ohne konsularische Hilfe sechs Tage im Knast sitzt.“ Der außenpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, Omid Nouripour, spricht von einer „großen Panne“.

Zwei Wochen habe er gebraucht, sagt Götze, bis er nach der Rückkehr den Schock verdaut habe. Sein Handy mit den Bildern ist immer noch in der Türkei.

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