Blattläuse
Wird es eng, wachsen Flügel

Münsterland -

In den vergangenen Tagen sind sie wirklich überall. Ob beim Entspannen im Gartenstuhl oder bei einer ausgedehnten Fahrradtour durch Wiesen und Felder. Überall wo es grün ist, da dauert es nicht lange und man ist übersät von kleinen grünen Krabbeltierchen. Sie sitzen auf Hose und T-Shirt und bleiben in den Haaren hängen.

Sonntag, 12.06.2016, 20:06 Uhr

Geflügelte Blattläuse landen nicht immer nur auf Pflanzen, sondern gern auch auf Radfahrern und Spaziergängern.
Geflügelte Blattläuse landen nicht immer nur auf Pflanzen, sondern gern auch auf Radfahrern und Spaziergängern. Foto: dpa

Sie sehen aus wie kleine Fliegen. Tatsächlich sind es geflügelte Blattläuse , die auf der Suche nach neuen Nahrungsquellen durch die Luft reisen – ohne Rücksicht auf Radfahrer und Spazier­gänger.

„Blattläuse ernähren sich vom zuckerhaltigen Pflanzensaft, den sie aus den Blattadern saugen“, erklärt Herbert Voigt , technischer Leiter des Botanischen Gartens in Münster . Wenn im Frühling und Frühsommer die Pflanzen wachsen und austreiben, dann gebe es auch für die Blattläuse ­Nahrung im Überfluss.

Wenn die Population an einer Pflanze zu groß wird, ge­bären sie geflügelte Nachkommen.

Herbert Voigt

Das begünstige eine rasante Ausbreitung der kleinen Insekten. „Wenn die Läuse-Population an einer Pflanze zu groß wird, oder die Läuse ihre Feinde erkennen, dann gebären sie ab der nächsten Generation geflügelte Nachkommen”, erklärt Voigt. Auf der Suche nach neuen Futterquellen legen die Läuse dann kurze Strecken fliegend zurück. „In der Regel gibt es einen Frühjahrsflug zwischen Mai und Juni, und dann ist erstmal Ruhe”, sagt Dr. Thomas Döring , der an der Humboldt-Universität in Berlin das Verhalten von Blattläusen erforscht.

Die größten Flugkünstler seien die geflügelten Blattläuse nicht. Wenn beim Radfahren mal wieder ein ­ganzer Schwung der kleinen Tierchen eingesammelt wird, dann ist das eher ­Zufall. „Die Läuse haben überhaupt nicht die Kraft einen Radfahrer gezielt anzufliegen”, meint Herbert ­Voigt. Sitzt jemand aber ruhig im Garten und trägt auch noch ein gelbes T-Shirt, dann sei es durchaus wahrscheinlich, dass diese Farbe die Blattläuse anziehe, erklärt Dr. Thomas Döring. Die Ergebnisse seiner Forschung sind vor allem für die Landwirtschaft interessant. Dort können Blattläuse großen Schaden anrichten.

Auch im eigenen Garten sind die Insekten oft ein ­Ärgernis. Um sie wieder los­zuwerden, ist es „sinnvoll eine natürliche Vielfalt im Garten zu gewährleisten”, empfiehlt Voigt. Denn ­Blattläuse haben natürliche Fressfeinde (siehe Infokasten). Es gibt darüber hinaus zahl reiche Hausmittel, die die Tier­chen vertreiben sollen, wie das Einsprühen mit Seifenlauge oder Brennesselsud. Dr. Marianne Klug, von der Landwirtschaftskammer NRW, rät aber dringend von solchen Mitteln ab. Die Wirksamkeit von Hausmitteln sei fraglich – und die Pflanze könne geschädigt werden.

Sobald die Blattläuse weniger Nahrung finden, vermehren sie sich langsamer. Und die Weibchen legen Eier, in denen die Nachkommen auch kalte Winter überleben können. In einem milden Winter können auch die Tiere selbst überleben, Das ist auch der Grund, warum es in diesem Jahr besonders viele Blattläuse gibt.

Blattläuse im Garten  –  was hilft?

Es gibt einige Möglichkeiten die lästigen Läuse auf natürlichem Weg loszuwerden.

► Natürliche Feinde:

Eine natürliche Artenvielfalt im heimischen Garten unterstützt die Fressfeinde der Läuse: Dazu gehören Marienkäfer und deren Larven, Flor- und Schwebefliegen und einige Vogel­arten. Gibt es viele Läuse, vermehren sich auch die Marienkäfer. Allerdings langsamer als die Läuse. Soll es schneller gehen, kann der Gartenbesitzer einige Nützlinge sogar kaufen. Marienkäfer- oder Florfliegenlarven sind umwelt- und pflanzenschonend, aber auch nicht ganz günstig. 30 Marienkäferlarven (7-Punkt) kosten rund 15 Euro, 150 Florfliegenlarven sind für rund 17 Euro erhältlich.

► Läuse abspülen:

Schneller geht es, wenn die Läuse mit einem Handschuh einfach von den betroffenen Pflanzen abstreift oder sie mit einem Wasserstrahl von der Pflanze abspült werden. Einmal am Boden, schaffen sie es nicht wieder nach oben. Topfpflanzen können alternativ, mit abgedeckter Erde, für einige Stunden kopfüber in Wasser getaucht werden. Das schadet den Läusen, der Pflanze aber nicht.

Hilft all das nicht, dann gibt es Pflanzenschutz­mittel, mit Wirkstoffen die sich in den bekannten Hausmitteln finden. Sie sind meist deutlich schonender für Pflanzen und Nützlinge, wovon auch Bienen profitieren.

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