Weltrekordversuch schlägt fehl
Und es passiert: Nichts!

Greven -

„Warum klappt das ausgerechnet jetzt nicht?“, stellt Lehrerin Karola Bolte die entscheidende Frage. Den ganzen Samstag haben sie vorbereitet, vorher wochenlang geplant, Sponsoren gesucht und geprobt. All das für den Weltrekord: 2116 Tischtennisbälle, platziert in ebenso vielen Mausefallen, hätten mit High­speed und in einer atemberaubenden Kettenreaktion in die Luft gehen sollen – elf Stunden Aufbau für ein paar Augenblicke Glücksgefühle. Diese bleiben – jedenfalls vorerst – aus.

Sonntag, 12.06.2016, 20:06 Uhr

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Um kurz vor neun Uhr am Abend gibt’s kein Zurück mehr. „Sollen wir runterzählen?“, erkundigt sich jemand aus dem Hintergrund. Dann läuft der Countdown: Zehn Sekunden später schwebt der orangefarbene Tischtennisball ins Feld, hoffnungsvolle Augenpaare verfolgen gebannt seine Flugkurve. Sekundenbruchteile danach der Aufprall – und es passiert: Nichts! 2116 Mausefallen bleiben stumm.

Okay, haargenau eine löst aus. Ernüchterung. „Warum klappt das ausgerechnet jetzt nicht?“, stellt Lehrerin Karola Bolte die entscheidende Frage. Den ganzen Samstag haben sie vorbereitet, vorher wochenlang geplant, Sponsoren gesucht und geprobt. All das für den Weltrekord : 2116 Tischtennisbälle, platziert in ebenso vielen Mausefallen, hätten mit High­speed und in einer atemberaubenden Kettenreaktion in die Luft gehen sollen – elf Stunden Aufbau für ein paar Augenblicke Glücksgefühle. Diese bleiben – jedenfalls vorerst – aus.

Doch der kurze Schock, er weicht schnell dem Stolz über eine famose Leistung. Zunächst verhalten, dann immer heftiger wird applaudiert – und von allen Seiten fliegen nun neue Tischtennisbälle. Die lösen dann doch noch die erhoffte und höchst sehenswerte Kettenreaktion aus. Wenn auch anders als gedacht – und wohl auch anders, als es die offiziellen Vorgaben vorsehen. Denn nach dem Experiment, erfunden vom Physik-Professor Heinz Haber , ist es eben nur ein Ball, der die Initialzündung gibt. Das Ende der Guinness-Buch-Träume also? „Wir werden unsere Unterlagen auf jeden Fall trotzdem bei ‚Guinness-World-Records‘ einreichen“, versichern die Schüler unisono.

Und es passiert: Nichts! Weltrekordversuch schlägt fehl

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Notar Günther Döbel und seine Mitarbeiter haben schließlich alles dokumentiert – auch, dass den Schülern im Laufe des Tages ihr Versuchsaufbau zweimal um die Ohren flog. Was natürlich eigentlich nicht gewollt war, gerät zum zweiten kleinen Hoffnungsschimmer: Denn beim zweiten Malheur standen bereits mehr als 1200 Fallen. „Die Geister scheiden sich ein wenig daran, wo genau der bisherige Bestwert liegt“, erklärt Karola Bolte. Ob 1200 und ein paar Zerquetschte somit vielleicht schon reichen könnten? Abwarten heißt es. Doch derart spitzfindige Spekulationen lassen bereits vermuten, worum es bei der ganzen Sache auch geht: Nämlich ums Erlebnis, ums Mitmachen.

„Das sind einfach tolle Schüler“, frohlockt Bolte unabhängig vom Ergebnis. Vor wenigen Wochen noch schrieben die Zehntklässler ihre Abschlussprüfungen, anschließend knieten sie sich ins XXL-Experiment. Das verfolgt ursprünglich natürlich auch einen wissenschaftlichen Zweck: Simuliert wird die Kernspaltung, die in Karola Boltes Physikunterricht Thema war – nicht zuletzt wegen des 30. Tschernobyl-Jahrestages. Ein Atomkern (die Mausefallen) wird mit einem Neutron (der orangene Tischtennisball) beschossen, der Kern zerfällt und setzt weitere Neutronen (die weißen Bälle) frei. „Aber logisch: Heute steht eher der sportliche Ehrgeiz im Mittelpunkt“, lacht Bolte, die über das außerschulische Engagement ihrer Schützlinge nur staunen kann. Und die haben ganz offensichtlich eine coole Paukerin: „Warum eigentlich nicht?“, entgegnete die, als ihr die Schüler vor einigen Wochen ihre Pläne eröffneten. Mit dem Weltrekord klappt es letztlich – voraussichtlich – nicht, aber: Gewinner sind alle Beteiligten trotzdem.

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