Erpressungen in Reckenfeld und Emsdetten
Überfälle „in alter Westernmanier“

Reckenfeld/Saerbeck -

Wegen drei gemeinschaftlichen schweren räuberischen Erpressungen in Reckenfeld und Emsdetten sowie gefährlicher Körperverletzung, Erwerbs von Drogen in zehn Fällen und zweifacher Abgabe von Marihuana an Minderjährige im Jahr 2014 verurteilte das Jugendschöffengericht am Montag einen 22-jährigen Angeklagten aus Saerbeck zu zwei Jahren mit Bewährung.

Dienstag, 05.07.2016, 21:07 Uhr

Erpressungen in Reckenfeld und Emsdetten : Überfälle „in alter Westernmanier“
 Das Jugendschöffengericht verurteilte einen 22-jährigen Angeklagten aus Saerbeck. (Symbolbild) Foto: BilderBox.com

„Eigentlich gehört der Angeklagte für die Taten ins Gefängnis. In alter Westernmanier wie Wegelagerer nichts ahnende Fahrradfahrer zu überfallen“, empörte sich der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Aber die Verurteilung nach Jugendstrafrecht ermöglichte noch eben eine Bewährung.

Zum einen, weil die Taten zwei Jahre zurückliegen, seitdem nichts mehr vorgefallen ist und der Angeklagte auch nicht vorbestraft war, zum anderen, weil es eine exzessive Lebensphase war mit Alkohol und Drogen , Arbeits- und Wohnungslosigkeit.

Der Angeklagte selbst hatte in einer anderen Verhandlung über seine damalige Lebensart gesagt: „Wir waren zugeballert mit Drogen und Alkohol“. Wegen des übermäßigen Drogenkonsums wurde die letzte Verhandlung ausgesetzt für ein Gutachten, das die Schuldfähigkeit und eine möglicherweise Zwangsunterbringung in einer Suchtanstalt klären sollte.

Doch nichts davon stellte der Gutachter fest, wie der Richter aus den Akten verlas. Weder eine Schuldunfähigkeit noch eine Schuldminderung kamen für die Taten in Betracht. Die Stimmen, die der Angeklagte gehört haben will, seien nicht glaubhaft, so der Psychiater in seiner Begutachtung.

Laut Anklage soll der Beschuldigte mit Komplizen Mitte Juli 2014 am Bahnhof in Reckenfeld im Gebüsch einem 15-jährigen Fahrradfahrer maskiert aufgelauert, ihn mit einem Baseballschläger bedroht haben, während der Komplize den Jugendlichen mit einer Schreckschusspistole bedrohte und ihn ausraubte.

Der völlig verängstigte Jugendliche gab Handy, Kopfhörer und sieben Euro Bargeld heraus. Am nächsten Tag überfielen der Angeklagte und seine Kollegen in Emsdetten (wieder maskiert und mit Baseballschläger und Pistole ausgestattet) Fahrradfahrer, die aber letztlich flüchten konnten. Kurz darauf lagen die Maskierten am Grünring in Emsdetten im Gebüsch auf der Lauer und schockierten zwei Fahrradfahrer (nachts um halb zwei), indem sie aus dem Gebüsch heraussprangen und die Herausgabe von Geld und Wertgegenständen verlangten. Die Radler konnten entkommen. Der Angeklagte stellte sich danach selbst der Polizei und entschuldigte sich.

Außerdem soll er im August 2014 in Emsdetten in der Wohnung eines Bekannten eine Person erst bewusstlos geschlagen und dann ausgeraubt. Dazu sagte der 22-Jährige: „Ich habe ihm das Handy weggenommen, weil er seinen Vater anrufen wollte. Das waren Drogen- und Alkoholfreunde. Ich habe zuerst mit der Klobürste drauf gehauen, dann ein Buch nach ihm geworfen und ihn geschlagen und getreten“. Wörtlich im Anschluss: „Aber wir kamen alle gut miteinander aus“. Das damalige Opfer landete auf der Intensivstation. Der Mann erlitt schwere Prellungen und eine Gehirnerschütterung. Übel nimmt er dem Angeklagten, „dass er mir die 150 Euro für das Handy noch nicht wiedergegeben hat“. Grundsätzlich seien sie aber Freunde gewesen, das sei richtig.

Den Drogenerwerb bestätigte der Angeklagte, auch die Abgabe von zwei Gramm Marihuana an eine 16-Jährige, ebenso wie den Joint, den er im Stadtpark rund gehen ließ, darunter auch an eine 15-Jährige, deren Alter er kannte, wie er einräumte.

Zur Auflage machte das Gericht ihm eine Drogen- und Psychotherapie sowie 60 Sozialstunden. Seine Sozialprognose sei jetzt günstig, wie die Jugendgerichtshilfe sagte. Er habe für seine Lebensgefährtin und sein Kind Verantwortung übernommen. Der Pistolenräuber hingegen musste ins Gefängnis, wie zu erfahren war.

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