Räumung der JVA
Auszug aus der Haftanstalt

Münster -

Über Nacht hat sich die Situation an der Gartenstraße verändert: Das Gefängnis ist (fast) leer. Eine Reportage.

Donnerstag, 07.07.2016, 19:07 Uhr

Das alte Gebäude der JVA stand am Donnerstag im Mittelpunkt eines echten Krimis. Der Direktor Carsten Heim musste unentwegt Interviews geben, derweil Aushänge über die bevorstehende Räumung informierten und im Stundentakt die Busse mit den Häftlingen abfuhren.
Das alte Gebäude der JVA stand am Donnerstag im Mittelpunkt eines echten Krimis. Der Direktor Carsten Heim musste unentwegt Interviews geben, derweil Aushänge über die bevorstehende Räumung informierten und im Stundentakt die Busse mit den Häftlingen abfuhren. Foto: Matthias Ahlke

Gewiss, es gibt größere Probleme an diesem Tag. Aber für den Coerder Rechtsanwalt Miguel Lück ist es ein echtes Problem: Drei seiner Mandaten sitzen in Untersuchungshaft in der JVA Münster . Jetzt steht er bei strahlendem Sonnenschein vor der verschlossenen Gefängnistür an der Gartenstraße und weiß nicht, wo er seine Mandanten künftig antreffen kann.

„Zwei bis drei Mandantenbesuche im Monat sind üblich“, so der Rechtsanwalt. „Vielleicht muss ich dafür künftig nach Bielefeld oder Dortmund fahren.“ Mit ernster Mine schickt er hinterher: „Ich kenne Kollegen, die betreuen 20 Mandaten in der JVA Münster.“

In der Tat: An dem Tag, an dem das münsterische Gefängnis geräumt werden muss und praktisch im Stundentakt Busladungen mit Häftlingen Münster verlassen, erscheint Lücks Problem wie eine Petitesse.

Und doch zeigt sich hier exemplarisch, welche grundlegenden Umwälzungen auf die Betroffenen zukommen.

Das Gefängnis in Münster wird geräumt

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  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert. Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert.

    Foto: kb
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert. Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert. Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Carsten Heim, Leiter der JVA Münster, wird interviewt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert. Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert.

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    Foto: Matthias Ahlke
  • Carsten Heim, Leiter der Justizvollzugsanstalt Münster

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  • Foto: Jürgen Peperhowe
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  • Foto: Jürgen Peperhowe
  • Foto: Jürgen Peperhowe

Dazu gehört auch die junge Frau aus Rheine, die an diesem Morgen ihren Mann besuchen möchte – und es nicht darf. Überall auf dem Vorplatz weisen Plakate darauf hin, dass Gefangenenbesuche wegen der Räumung nicht mehr möglich sind. „Ich habe davon nichts gewusst“, sagt sie sichtlich schockiert. Eine Justizbeamtin, die sie anspricht, kann ihr auch nicht weiterhelfen. „Es kommt uns vor wie ein Aprilscherz“, sagt die Frau in Uniform. Auch sie ist spürbar verunsichert. Die Angst der einen um ihren Mann und die Angst der anderen um ihren Arbeitsplatz verbinden sich.

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Hintergrund:  Wird das alte Gefängnis doch abgerissen?

Das komplette Interview mit Minister Kutschaty lesen Sie  hier .

Liveticker  zur Räumung am Donnerstagvormittag

Hintergrund:  JVA Münster muss innerhalb von 48 Stunden geräumt werden  

Kommentar:   Hausgemachtes Trauerspiel

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Unterdessen gibt der JVA-Direktor Carsten Heim auf der anderen Seite des Gebäudekomplexes ein Interview nach dem anderen. Dort am Stühmerweg fahren die Busse ein und aus, dort stehen die Journalisten und Kameraleute, die sich diesen historischen Moment nicht entgehen lassen möchten: Ein ganzer Knast wird innerhalb von 48 Stunden geräumt. Heim ist seit 5.30 Uhr im Dauereinsatz. Seinen Äußerungen ist anzumerken, wie surreal das Ganze auf ihn wirkt.

Dazu passt auch der Paketbote, der vorn am Tor vorfährt und gar nicht weiß, dass sein Paket möglicherweise das letzte ist, das an die Adresse Gartenstraße 26 zugestellt wird. Dazu passt auch das dunkle Auto mit Düsseldorfer Kennzeichen, aus dem ein Mann steigt, der beim ersten Anblick eines Journalisten ruft: „Ich sage nichts! Wenden sie sich an unsere Pressestelle.“

Der Friseur nebenan in Samy‘s Hair Beauty Salon ist unterdessen so sehr beschäftigt, dass er noch gar nichts mitbekommen hat: „Wie – das Gefängnis wird geräumt?“ Viele Angehörige von Gefangenen kommen bei ihm vorbei, „meist zum Geldwechseln“. Und viele JVA-Bedienstete lassen sich bei ihm die Haare schneiden. Er wird sich umstellen müssen . . .  

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