JVA in Münster zwangsgeräumt
Nur 48 Stunden

Münster -

Am Donnerstag lief alles nach Plan, bis Freitagmittag soll die Evakuierung der Justizvollzugsanstalt in Münster abgeschlossen sein. Mit großem logistischem Aufwand haben dann fast 500 Strafgefangenen ihren Zellenort gewechselt.

Freitag, 08.07.2016, 06:07 Uhr

In Bussen verlassen die meisten Gefangenen das münsterische Gefängnis. 20 Fahrten werden nötig sein. Die Frist endet heute Mittag.
In Bussen verlassen die meisten Gefangenen das münsterische Gefängnis. 20 Fahrten werden nötig sein. Die Frist endet heute Mittag. Foto: Jürgen Peperhowe

Wie räumt man einen Knast im Hauruckverfahren? Carsten Heim , der Leiter der JVA in Münster , weiß das auch nicht so genau. Sein Problem ist: Er muss es umsetzen. Und hat dafür nur zwei Tage Zeit.

Wie berichtet, hatte der Bau- und Liegenschafts­betrieb (BLB) des Landes dem altersschwachen Knast am Mittwoch die Rote Karte gezeigt, indem es das Mietverhältnis mit dem NRW-Justizministerium Knall auf Fall kündigte. Der Grund: Ein Sicherheitsproblem: „Ein aktuelles Gutachten sieht eine hohe Wahrscheinlichkeit für ein spontanes Versagen der Statik“, begründete ein BLB-Sprecher den Schritt.

Das reicht, um eine bislang einmalige Aktion anzuleiern: Die Evakuierung eines Gefängnisses mit 509 Häftlingen innerhalb von 48 Stunden.

Das Gefängnis in Münster wird geräumt

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  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert. Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert.

    Foto: kb
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert. Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert. Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Carsten Heim, Leiter der JVA Münster, wird interviewt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert. Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert.

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  • Am Donnerstagmorgen hat die Räumung der Justizvollzugsanstalt in Münster begonnen. Sie soll bis Freitagmittag beendet sein. Die Gefangenen werden mit Bussen abtransportiert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Carsten Heim, Leiter der Justizvollzugsanstalt Münster

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  • Foto: Jürgen Peperhowe
  • Foto: Jürgen Peperhowe
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  • Foto: Jürgen Peperhowe
  • Foto: Jürgen Peperhowe

Während Heim gestern Morgen vor dem Neben­eingang des roten Backsteinbaus steht und zu erklären versucht, was nur schwer zu erklären ist, rollt hinter ihm i mmer mal wieder ein weiß-blauer Gefängnis-Bus durch die Si cherheitsschleuse.

„20 Fahrten werden wir benötigen, um alle Häftlinge in andere Gefängnisse zu bringen“, sagt der Chef, da fährt gerade Bus Nummer 5 durch das graue Tor. 34 Häftlinge bleiben in Münster, alle anderen müssen auf die Schnelle packen: Jeder Gefangene darf zehn Kilo Gepäck mitnehmen.

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Hintergrund:   Wird das alte Gefängnis doch abgerissen?

Das komplette Interview mit Minister Kutschaty lesen Sie  hier .

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Hintergrund:  JVA Münster muss innerhalb von 48 Stunden geräumt werden  

Kommentar: Hausgemachtes Trauerspiel

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Bis heute müssen die 475 Insassen in anderen Anstalten unterkommen sein. Wer wohin kommt, regelt das Justizministerium in Düsseldorf. Fest steht: 40 Häftlinge werden in die im Oktober geschlossene Außenstelle der JVA Münster in Coesfeld gebracht. Auch in Mönchengladbach wird ein bereits geräumter Knast kurzfristig reaktiviert.

Sicher ist: Platz für die Gefangenen aus Münster ist in den anderen JVAs des Landes vorhanden. Ohne das geräumte Gefängnis in Münster stehen in NRW rund 16.000 Plätze zur Verfügung, von denen derzeit rund 15.000 belegt sind. Justiz­minister Thomas Kutschaty betont: Auf Haftverschonung wegen Platzmangels müsse niemand hoffen.

Wer aber trägt eigentlich die Verantwortung für dieses Holterdiepolter in Münster? Den Schwarzen Peter hat das BLB. Dessen Argument: Ein frisches Gutachten habe nachgewiesen, dass bei Erschütterungen durch Unwetter oder Schwerlast-Transporte die Statik des Uralt-Knastes gefährdet sei. Aber wusste das die Behörde erst seit Mittwoch? Und wenn die Einsturzgefahr derart akut ist – „Warum haben wir dann 48 Stunden Zeit für die Räumung?“, fragt Heim.

Vonseiten der Opposition hagelte es harsche Vorwürfe ge­gen Justizminister Thomas Kutschaty: Er habe dem Verfall des münsterischen Gefängnisses seit Jahren tatenlos zugesehen, kritisierte der CDU-Rechtsexperte Jens Kamieth. Trotz früher Ankündigung eines Neubaus trete die Planung auf der Stelle. „Kutschaty betrachtet den bevorstehenden Zusammenbruch des JVA-Gebäudes in Münster offensichtlich als eine Naturkatastrophe.“ Die CDU forderte vom Minister eine Erklärung in der nächsten Sitzung des Rechtsausschusses: Der tagt allerdings erst nach der Sommerpause am 7. September.

Der Landesvorsitzende des Bundes der Vollzugsbeamten, Peter Brock, sieht die Schuld beim BLB . Der habe nicht nur bei der erfolglosen Standortsuche „eine unrühmliche Rolle gespielt“.

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