Nach der Bombendrohung bei Innosozial
Es bleibt nicht bei verbaler Gewalt

Ahlen -

Die Polizei ermittelt weiter. Der Alltag ist zurück in den Räumen von „Innosozial“. Zu diesem Alltag gehört aber auch Anfeindung und sogar körperliche Gewalt. Deshalb bietet die Geschäftsführung jetzt Workshops zum Umgang mit rechtem Mobbing an.

Donnerstag, 14.07.2016, 01:07 Uhr

Auf dem Parkplatz vor dem Gebäude sollte angeblich die Bombe liegen.
Auf dem Parkplatz vor dem Gebäude sollte angeblich die Bombe liegen. Foto: Jörg Pastoor

Der Hass verlässt die anonymen Untiefen des Internets: Außer der Bombendrohung gegen „Innosozial“ am 27. Juni hat es auch schon einen körperlichen Angriff gegen eine Mitarbeiterin gegeben. Sie sei aus ihrem Auto gezerrt und zusammengetreten worden, berichtet Dietmar Zöller am Mittwoch vor der Presse. Ungeachtet dessen hatte er eingeladen, um klar Stellung zu beziehen: „Wir lassen uns nicht einschüchtern!“

Die konkrete Vorgeschichte zur Räumung des Gebäudes im Zeppelincarree an jedem Montag vor zweieinhalb Wochen? „Es hat etwa zehn Anrufe bei einer Mitarbeiterin gegeben am Sonntag“, so Zöller. Nicht druckreife Beleidigungen und verbale Drohgebärden wie „Wir wissen, wo ihr wohnt“ seien dabei gewesen.

Der Anruf am Montag, in dem ein Mann mit der Explosion ei­ner angeblich auf dem Parkplatz vorm Haus deponierten Bombe gedroht hatte? Zwei Dinge lassen sich dazu sagen: „Man kann nicht beweisen, woher der kam.“ Außerdem sei ein direkter Zusammenhang für die Polizei nicht nachweisbar. Zöller: „Ich halte das allerdings für einen merkwürdigen Zufall.“

Bombendrohung sorgt für Chaos in Ahlen

1/17
  • Foto: Jörg Pastoor
  • Foto: Jörg Pastoor
  • Foto: Jörg Pastoor
  • Foto: Jörg Pastoor
  • Foto: Jörg Pastoor
  • Foto: Jörg Pastoor
  • Foto: Jörg Pastoor
  • Foto: Jörg Pastoor
  • Foto: Jörg Pastoor
  • Foto: Jörg Pastoor
  • Foto: Jörg Pastoor
  • Foto: Jörg Pastoor
  • Foto: Jörg Pastoor
  • Foto: Jörg Pastoor
  • Foto: Jörg Pastoor
  • Foto: Jörg Pastoor
  • Foto: Jörg Pastoor

Ausgelöst hatte die Kaskade wohl ein Artikel über ein Projekt bei „Innosozial“ zur Integration junger Frauen mit Kopftuch. Obwohl es auch ihm persönlich und diesem Projekt nicht darum gehe, Kopftuchträgerinnen besserzustellen, aber auch nicht, es ihnen ausreden zu wollen, habe das offenbar rechts gesinnte Leserschaft motiviert, ihrem Zorn Luft zu machen. Dietmar Zöller sieht solche Angebote für Frauen aber ganz nüchtern als „sozialarbeiterischen, politischen Auftrag“.

Auf sich beruhen lassen wollte er die Geschehnisse insgesamt aber nicht, auch wenn alle rund 60 Ende Juni betroffenen der insgesamt über 200 Mitarbeiter den Schrecken ganz gut verarbeitet haben. „Wir haben für die Mitarbeiter und deren Sicherheit eine Verantwortung.“ Deshalb habe er nach Beratung mit der „Mobilen Beratungsstelle gegen Rechts“ und dem Polizeikommissariat Vorbeugung ein internes Fortbildungsangebot abgesprochen, das Techniken zum Umgang mit rechtem Mobbing vermitteln soll.

Zur Arbeit der Polizei hat Dietmar Zöller eine zwiegespaltene Meinung. Am Tag der Evakuierung habe sie sehr schnell und konzen­triert gearbeitet. „Aber bei der Ermittlung hätte ich mehr etwas mehr Einsatz gewünscht.“

Zöller hat jetzt eine Stellungnahme an Partnerorganisationen und Politik geschickt. Darin betont er, dass er „die kritische Debatte über Probleme mit der Integration und der Flüchtlingsfrage für richtig und wichtig“ hält, aber feindliche Haltungen ablehne. Zu spüren bekommen haben er und Mitstreiter das schon bei den ersten Veranstaltungen von „Ahlen zeigt Flagge", wo die Polizei rechte Störer fernhalten musste. Zöller: „Wer bedroht und diskriminiert, hat Respekt und Toleranz für unterschiedliche Meinungen verloren.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4160514?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F87%2F3862662%2F4847783%2F4847789%2F
Nachrichten-Ticker