Kneipe ist jetzt Wohnung
WG mit eigener Kegelbahn

Münster -

An der Grevener Straße befindet sich die wohl ungewöhnlichste WG Münsters. Früher waren die Räumlichkeiten mal eine Kneipe. Die Kegelbahn im Keller funktioniert immer noch.

Donnerstag, 21.07.2016, 14:07 Uhr

200 Quadratmeter groß ist die WG von Stefan Klein und seinen Mitbewohnern.
200 Quadratmeter groß ist die WG von Stefan Klein und seinen Mitbewohnern. Foto: kal

In der Kneipe , die früher „Haus Hanrath“ hieß, sieht es aus, als seien die Gäste mal eben kurz zum Rauchen vor die Tür gegangen. In der Spüle liegt ein Bierglas, auf der Theke ein Päckchen mit Bierdeckeln, der Kühlschrank ist mit Getränken gefüllt.

Doch es steht niemand mit Zigarette vor der Tür. Sie lässt sich nicht einmal öffnen. Seit Jahren schon gehen hier keine Gäste mehr ein und aus. Denn „Haus Hanrath“ ist keine Kneipe mehr, sondern eine WG – mit Schankraum und Kegelbahn im Keller.

WG mit eigener Kegelbahn

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  • In einer ehemaligen Kneipe an der Grevener Straße ist jetzt eine WG mit 200 Quadratmetern eingerichtet. Für Kickertisch...

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  • ...und Dartscheibe ist also genug Platz.

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  • Sogar eine Kegelbahn gehört zu der ungewöhnlichen Wohngemeinschaft.

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  • Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

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  • Die WG spielt noch regelmäßig auf der Bahn.

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  • Auf der Schiefertafel stehen noch die Spielergebnisse von früher.

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  • In dem alten Schankraum wird gefrühstückt.

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  • Bier fließt hier nicht mehr. Die Zapfhähne sind abgeklemmt worden.

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  • Geraucht werden darf nur draußen.

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  • „Zu meiner Einweihungsparty kamen 85 Leute, das verlief sich“, sagt Stefan Klein. 

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  • Richtig eng sei es nur einmal geworden, vor ein paar Jahren, „da waren 340 Leute hier“. Mit den Nachbarn gab es trotzdem nie Ärger.

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  • Je 490 Euro kostet ein Zimmer in der ungewöhnlichen WG.

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3 Zimmer, Küche, Kegelbahn

Hausbesuch an der Grevener Straße . Stefan Klein öffnet die Tür, bittet in jenen Raum, der mal die Gaststube war. Kaum etwas hat sich hier geändert, seit der letzte Kneipenbetreiber aufgab und die Gaststätte zu Münsters vermutlich ungewöhnlichster Wohngemeinschaft wurde.

Überall stehen noch die alten, rustikalen Holzmöbel, an der Wand hängen historische Emaille-Schilder, die für Bier-Marken werben. „Die Zapfhähne“, sagt Stefan, „sind allerdings abgeklemmt worden.“

Der 28-Jährige arbeitet als technischer Zeichner in Münster und wohnt hier seit 1. April. Sein Mitbewohner Daniel Meyer zog bereits vor drei Jahren ein, das dritte Zimmer steht gerade leer, die beiden suchen einen neuen Mitbewohner. Wer in der 200 Quadratmeter großen Kneipen-WG wohnen will, muss tief in die Tasche greifen. 490 Euro kostet eines der drei Zimmer, die zwischen 13 und 20 Quadratmeter groß sind. „Aber wer hat schon eine Kegelbahn im Keller?“, fragt Stefan. Von den riesigen Gemeinschaftsräumen ganz zu schweigen.

WG-Party mit 340 Leuten

„Zu meiner Einweihungsparty kamen 85 Leute, das verlief sich“, sagt Stefan. Richtig eng sei es nur einmal geworden, vor ein paar Jahren, „da waren 340 Leute hier“. Jetzt wird jedes zweite Wochenende gefeiert, 20, 30 Leute seien dann da. „Die Nachbarn haben sich bislang nicht beschwert, die Wände sind dick.“ Rauchen ist übrigens verboten, „wir haben schließlich einen Garten“.

Und eine Kegelbahn. Unten, im Keller, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Auf einer Schiefertafel stehen noch die letzten Spielergebnisse von damals, als hier unten regelmäßig die Kugeln rollten, irgendwann vor 2010 muss das gewesen sein. Oranges Lampenlicht fällt auf einen Tisch, die Stühle stehen in Reih und Glied. Durch eine Glasscheibe fällt der Blick auf eine Bahn im Bestzustand. „Wir müssen regelmäßig spielen, damit sie nicht einrostet“, erzählt Stefan Klein. Schlechter steht es um die zweite Bahn, sie dient als Abstellraum und manchmal, wenn Besuch von auswärts kommt, auch als Schlafzimmer. Aber nur manchmal, denn hier unten riecht es ziemlich muffig.

Frühstück im Schankraum

Der Rundgang führt zurück in den Schankraum. „Hier frühstücken wir jeden Morgen“, berichtet Stefan. In der Ecke steht ein großer Fernseher, an der Wand hängt das Jugendschutzgesetz von 1957, hinter der Theke steht ein Karton mit Bierdeckeln. „Gefühlte sieben Millionen Stück liegen hier rum“, sagt Stefan.

Richtig gemütlich ist es hier, zwischen all den alten Sitzhockern und Eichentischen, unter der mit weißen und grünen Stoffbahnen abgehängten Decke. Hat er schon mal überlegt, die Kneipe in eigener Regie wieder zu öffnen? „Naja“, sagt Stefan, „ob sich das lohnt?“

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