Unfallflucht
Nur ein Zettel reicht nicht

Nottuln -

Ein kleiner Titsch beim Ausparken – und schon hat der Wagen des Parkplatznachbarn einen Kratzer oder eine Beule. Was jetzt? Dableiben oder abhauen? Fahrerflucht – das ist kein Kavaliersdelikt, sagt die Polizei.

Mittwoch, 10.08.2016, 13:08 Uhr

Schadensaufnahme: Auch auf den ersten Blick kleinere Schäden können am Ende ganz schön teuer werden. Auch deshalb ist eine Unfallflucht kein Kavaliersdelikt.
Schadensaufnahme: Auch auf den ersten Blick kleinere Schäden können am Ende ganz schön teuer werden. Auch deshalb ist eine Unfallflucht kein Kavaliersdelikt. Foto: Colourbox

Auffällig ist es schon: Innerhalb von vier Tagen haben sich drei Fälle von Fahrerflucht auf dem Nottulner Gemeindegebiet ereignet, die aktenkundig wurden und über die die Polizei in ihren Pressemitteilungen berichtet hat. Zweimal war Appelhülsen der Ort des Geschehens – am Samstag auf der Lindenstraße , am Montag auf der Weseler Straße –, einmal war es Nottuln – am Freitag auf der Oststraße. Ist die Zahl der Unfallfluchten gestiegen?

„Nein“, sagt Ralf Storcks von der Pressestelle der Kreispolizeibehörde in Coesfeld. „Fahrerfluchten haben wir täglich im Kreisgebiet.“ Und das ist ärgerlich für die Geschädigten. Denn der angerichtete Schaden ist oft kein Pappenstiel. So zieht beispielsweise der Unfall auf der Lindenstraße geschätzte Reparaturkosten von 4500 Euro nach sich. Selbst wenn die Versicherung den Schaden übernimmt, höhergestuft wird der Geschädigte danach allemal.

Wie sollte man sich verhalten, wenn man einen Unfall verursacht hat? Der typische Fall: Auf dem Parkplatz des Supermarktes titscht man beim Ein- oder Ausparken den Kotflügel eines anderen Autos an. Man steigt aus, sieht, was man angerichtet hat – und dann? Das Beste ist, man macht den Halter des beschädigten Fahrzeugs ausfindig, tauscht Personalien und Fahrzeugdaten aus und regelt das Problem. Traut der Geschädigte dem Braten und dem Verursacher trotzdem nicht, wird die Polizei dazugerufen. Damit wird für den Unfallverursacher per se ein Verwarnungsgeld fällig. „Unfall ist Unfall und muss geahndet werden“, erklärt der Polizeipressesprecher.

Das ist der einfachste Fall. Was aber wenn der Geschädigte nicht anzutreffen und nicht sofort ausfindig zu machen ist? „Stundenlang zu warten kann niemandem zugemutet werden“, sagt Storcks. Das Gesetz spricht von einer „angemessenen Wartezeit“. Ein dehnbarer Begriff. Etwa 40 Minuten seien angemessen, sagt Storcks. Und dann? Dann muss man die Polizei einschalten. „Einen Zettel zu schreiben und unter den Scheibenwischer zu klemmen, das reicht nicht.“ Denn der Zettel kann viel zu leicht entfernt, vom Winde verweht oder durch Regen unleserlich gemacht werden.

Also stattdessen: Das Handy nehmen und die Polizei anrufen. „Die Kollegen kommen dann in der Regel auch schnell raus und nehmen den Unfall auf.“ Die Alternative ist, bei einer Polizeistation vorbeizufahren und dort den Unfall anzuzeigen. Dass die Beamten dann noch mit einem zum Unfallort fahren wollen, um sich den Schaden anzuschauen, damit muss man rechnen.

Wie umständlich auch immer das alles sei. „Verkehrsunfallflucht ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Verkehrsvergehen“, sagt die Polizei. Der Gesetzgeber hat entsprechend empfindliche Strafen für das „Unerlaubte Entfernen vom Unfallort“ vorgesehen. Ermittelt die Polizei den Unfallverursacher, drohen diesem neben einem Strafverfahren der Führerscheinentzug, eine Geldstrafe, Punkte im Verkehrszentralregister in Flensburg.

Und ungesehen davonkommen? Da sollte man sich nicht zu sicher sein. Der Polizei gelingt im Durchschnitt ungefähr in der Hälfte aller Fälle deren Aufklärung . . .

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