B-Side-Initiative und Ruderverein sollen sich Speicher-Gebäude teilen
Kapital für Kreative

Münster -

Das B-Side-Projekt im Hafen nimmt konkrete Formen an. Ruderverein und Kreative wollen sich künftig den ehemaligen Hill-Speicher in der Nähe der Hafen-Käserei teilen. Was sich Anfang des Jahres wie eine Sponti-Idee anhörte, soll im Herbst im Rat beschlossen werden. „Wir sind gut aufgestellt“, sagt Johannes Haug von der B-Side-Initiative.

Montag, 15.08.2016, 19:16 Uhr aktualisiert: 16.08.2016, 16:42 Uhr
Der B-Side-Speicher im Mittelhafen soll saniert werden. Ruderer und Kreative wollen sich den Raum teilen.
Der B-Side-Speicher im Mittelhafen soll saniert werden. Ruderer und Kreative wollen sich den Raum teilen. Foto: Günter Bennig

Der frisch examinierte Jurist kam eher durch Zufall zur B-Side-Gruppe: „Ich sollte nur die Vereinssatzung überfliegen.“ Derzeit steckt er voll in dem Projekt, für dessen Realisierung am Ende mehrere Millionen Euro nötig sind.

Nach den bisherigen Absprachen soll der Ruderverein rund 1500 Quadratmeter im Erdgeschoss des Speichers erhalten. „Für den Verein“, sagt Haug (30), „sind kühle Lagerräume für die Boote wichtig.“ 2500 Quadratmeter blieben dann für Arbeitsräume und Ateliers übrig. Die Raumabsprachen hätten, so Haug, „sehr gut geklappt“.

Der Speicher befindet sich im Besitz der Stadtwerke. Nach den Vorstellungen der Initiative würde man ihn in Erbpacht übernehmen. Wie teuer die Sanierung werden würde, könne derzeit nur geschätzt werden, sagt Haug, „irgendetwas zwischen drei und fünf Millionen Euro.“

Wer den Umbau durchführen könnte, ist noch offen. Gespräche wurden unter anderem mit dem Immobilienentwickler Josef Kuhr geführt, der ursprünglich das Projekt mit dem Ruderverein durchführen wollte. Dabei ging es um die Schaffung von Büroimmobilien in der begehrten Hafenlage. Johannes Haug, der aus dem schwäbischen Nürtingen stammt, ist seit fünf Jahren bekennender Münsteraner.

„Die Stadt hat ein religiöses Zentrum, ein politisches, ein wirtschaftliches“, sagt er, „das macht eine Stadt aus.“ Aber es müsse auch Raum geben, wo sich Kreative entwickeln können, nicht in der Peripherie, sondern sehr zentral.

Er denkt dabei an Kreative, wie sie schon einmal Heimat auf dem Osmo-Gelände hatten. Designer, Schneiderinnen, ein Musik-Label. Leute, die noch in der Entwicklung sind. Daher sollen die Mieten in den Ateliers auch nicht über neun Euro pro Quadratmeter kosten.

Für die geplante Millionen-Sanierung will man jetzt formelle Vorbereitungen ergreifen. Haug: „Erst einmal müssen wir eine GmbH gründen.“ Diese Rechtsform sei nötig, um Grundkapital einzusammeln. Mindestens zehn, maximal 30 Prozent der für die Sanierung geplanten Kreditsumme müsse die Initiative aufbringen. Man hoffe auf engagierte Bürger, die ihr Geld in dem Kulturprojekt anlegen. Das Kapital werde zu 1,5 Prozent verzinst. „Mehr“, so Haug, „dürfen wir nicht geben.“

Projekt B-Side: Der Ruderverein steht in den Startlöchern

„Der Ruderverein hofft, dass sich der Rat im Herbst entscheidet“, sagt Vereinschef Dirk Bernsmann. Seit fünf Jahren arbeiten die Ruderer daran, neue Räume für Boot und Vereinsräume zu finden. Ursprünglich hatte der Verein vor, mit dem Bauträger Josef Kuhr den Hillspeicher zu entwickeln. Kuhr wollte dort neben den Räumen für den Verein Gewerbefläche schaffen. Dieses Projekt war gestorben, als die B-Side-Initiative mit einem eigenen Konzept antrat. Dabei haben sich die finanziellen Bedingungen für den Ruderverein seit zwei Jahren nicht geändert. Er braucht 2,2 Millionen Euro, die Hälfte davon sind durch städtische Sportfördermittel gesichert, über drei Jahre gestreckt. Die Frage ist für Dirk Bensmann nun, ob die B-Side-Initiative ihre Finanzierung hinbekomme. Wenn nicht, gäbe es in seinen Augen die geplante Alternative: „Kuhr steht an weiter unserer Seite.“

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Die Werbung für diese Direktkredit-Aktion soll Anfang September beginnen. Haug glaub fest, dass diese ungewöhnliche Aktion funktioniert, zumal es auch anderswo Vorbilder gibt: „Und wenn wir bei unseren Verwandten Geld einwerben, dann möchten wir denen auch in 20 Jahren noch begegnen können.“

Zur B-Side-Initiative gehört derzeit nach eigenen Angaben ein Stamm von 30 Aktiven und bis zu 80 Unterstützern.

Mitte September wird es am Hansaring in allen Kneipen ein Kulturevent zur Unterstützung des B-Side-Projekts geben. Mit Lesungen, Aktivitäten und Musik.

Zum Thema

Über die Finanzierung des B-Side-Projektes informiert die Initiative bei einer Veranstaltung am 5. September um 19 Uhr im „Nebenan" an der Warendorfer Straße 45 (neben dem Cinema). Dabei soll über die Möglichkeit des Direktkredits aufgeklärt werden, mit dem sich interessierte Bürger an der B-Side beteiligen können.

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