Pflanzen-Versuchsfelder in Merfeld
Stiftung Warentest für Bauern

Dülmen -

Tobaks beste Jahre sind wahrscheinlich bald vorbei. Jahrelang war er einer der Platzhirsche auf den Feldern in NRW: stärker, zäher und gesünder als seine Konkurrenten. Doch das war einmal. 

Dienstag, 16.08.2016, 01:08 Uhr

Heinrich Brockerhoff und Ludger Laurenz (von links) begutachten im Frühjahr auf einem Testfeld in Merfeld bei Dülmen die Entwicklung ver­schiedener Getreidesorten.
Heinrich Brockerhoff und Ludger Laurenz (von links) begutachten im Frühjahr auf einem Testfeld in Merfeld bei Dülmen die Entwicklung ver­schiedener Getreidesorten. Foto: Jürgen Peperhowe

„Benchmark“, „Porthus“ und „RGT Reform“ machen ihm das Feld streitig. Tobak schwächelt überall dort, wo vorher Mais gewachsen ist. Und Felder, auf denen im vergangenen Jahr Mais angebaut wurde, sind zahlreich im Münsterland. Darum sagt Heinrich Brockerhoff : „Tobak ist dann bald aus dem Anbau raus.“

Brockerhoff und sein Kollege Ludger Laurenz von der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe sind zuständig unter anderem für die Prüfung von Getreidesorten. Sie stehen auf einem Versuchsfeld in Merfeld bei Dülmen, um zu prüfen, wie sich die neuesten Züchtungen machen. Das, was um sie herum wächst, hat schon eine erbarmungslose Selektion hinter sich. Bis es eine Getreidesorte auf ein Versuchsfeld schafft, vergehen locker sieben bis zehn Jahre .

Auf der Klaviatur richtig spielen

„Wir sehen uns als Stiftung Warentest für Landwirte“, sagen Brockerhoff und Laurenz. Sie empfehlen Bauern, welche Sorten sie anbauen sollen oder nicht. Dabei gibt es nicht die eine Sorte. Es gibt die widerstandsfähigen, dafür aber nicht so ertrag­reichen, die, die früher reifen, die, die besser mit Hitze klarkommen. „Auf jedem Hof gibt es unterschiedliche Bedingungen“, sagen sie. „Die Kunst der Bauern besteht darin, auf der Klaviatur richtig zu spielen“.

Wie der Brotweizen nach Deutschland kam

Bis in die 70er Jahre hinein wurde Weizen für das Backen von Brot aus Nordamerika oder Russland nach Europa exportiert. Damals wuchs in Europa so gut wie kein Weizen, der dafür geeignet gewesen wäre. Erst als Züchter anfingen, Sorten aus Amerika mit heimischen zu kreuzen, schufen sie die Voraussetzung dafür, dass jetzt auch hier Weizen etwa fürs Toastbrot wächst. Das Saatgut einfach aus Amerika zu importieren, hätte nicht gereicht, weil die Pflanzen das europäische Klima nicht mochten. Mittler­weile ist Deutschland einer der größten Exporteure von Backweizen in Europa.

...

Die beiden Berater wollen das Risiko der Bauern minimieren und ihre Erträge maximieren. Dazu gehört, den Landwirten zum Anbau mehrerer Sorten zu raten, so dass in einem besonders ­heißen Sommer nicht die komplette Ernte, sondern nur einen Teil treffen kann. „So trifft es die Bauern nie tödlich“, sagen die beiden.

Dreijährige Prüfungsphase für jede Sorte

Eine Sorte darf erst dann verkauft werden, wenn es in einem Land der Euro­päischen Union zugelassen worden ist. Jede Sorte hat eine dreijährige Prüfungs­phase durch das Bundes­sortenamt hinter sich, bevor sie auf den Markt kommt. Vorher haben Unternehmen schon jahrelang gezüchtet, bis sie überhaupt Kandidaten finden, die es zum Bundessorten­amt schaffen.

Damit sie auf den Markt kommt, muss der Züchter nachweisen, dass sie Vorteile gegenüber bestehenden Sorten hat: „Sie muss besser sein“, sagt Brockerhoff. Sobald eine neue Sorte nur ein oder zwei Prozent mehr Ertrag bringt, kann ein Bauer den Ertrag steigern, ohne ein Fass Gülle ausgebracht oder Extra-Dünger bezahlt zu ­haben. „Nur durch Nach­denken“, sagt Laurenz.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4233046?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F87%2F3862662%2F4847783%2F4847788%2F
Jetzt stinkt der lila See auch noch
Mal wieder lila: die Promenaden-Gräfte an der Kleimannstraße im Kreuzviertel.
Nachrichten-Ticker