Stefanie Driehorst – 20 Jahr in der Pianobar
„Zu viel Bier im Piano“

Münster -

Alles klagt über die Kneipenkultur, Stefanie Driehorst nicht. Sie führt das Piano an der Frauenstraße seit 20 Jahren. Und es brummt.

Donnerstag, 01.09.2016, 11:09 Uhr

Stefanie Driehorst am Zapfhahn im Piano (l.). Kleine Fotos:
Stefanie Driehorst am Zapfhahn im Piano (l.). Kleine Fotos: Foto: Günter Benning

Kneipen gehen ein . Traditionen gehen den Bach runter. Nur Stefanie Driehorst steht ziemlich gut gelaunt am Zapfhahn in der Frauenstraße . Draußen steht „Das Piano“ an der Wand, drinnen steht das Piano in der Ecke. „Aber es tut‘s nicht mehr“, sagt die Wirtin, „da ist zu viel Bier reingeflossen.“

Am heutigen 1. September feiert Driehorst (51) ihr 20-jähriges Piano-Jubiläum. Dabei fing alles mit einer mittelschweren Pleite an. Als Studentin hatte sie schon in der kleinen Kneipe an der Frauenstraße, gegenüber der KSG, gearbeitet, die ganz früher mal „Der Bettelstudent“ hieß. Peter Heppner führte die Pianobar . Studis konnten dort unter anderem billig essen. Das Bier floss, sagen Zeitzeugen, reichlich.

Viel los in der Pianobar

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  • Karaoke in der Pianobar.

    Foto: Piano
  • Paddys Day in der Pianobar.

    Foto: Piano
  • Stefanie Driehorst hat das Piano vor 20 Jahren übernommen.

    Foto: Günter Benning
  • Stefanie Driehorst hat das Piano vor 20 Jahren übernommen.

    Foto: Günter Benning

Dann fiel die agile Kellnerin durch die mündliche Prüfung im Fach Jura. Ein Schicksal, das ihren Lebensweg ändern sollte. „Kurz entschlossen“, sagt sie, „habe ich gehandelt.“ Ihr Chef wollte die Bar sowieso gerade aufgeben, Stefanie Driehorst griff zu und pachtete das Piano.

20 Jahre – hat sie das jemals bereut? Nein, sagt sie, nur als sie die erste Stromrechnung sah, wollte sie gleich wieder hinschmeißen. „Die Kühlung verbraucht so viel“, sagt sie und zählt auf, was alles gekühlt werden muss: sieben Biersorten vom Fass. Dazu Guinness und Kilkenny.

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So urig wie eh und je

Gebräu aus Irland , nebst dem ebenfalls landestypischen Bulmers Cider, gehört quasi zur Corporate Identity des Pianos. Jeden Dienstag ist Irische Nacht, jeden Samstag Karaoke, zwei, drei Mal im Monat Live-Musik. „Irish Folk schafft Urlaubsstimmung“, sagt die Wirtin.

Vor zehn Jahren hat Stefanie Driehorst das „Piano“ gekauft, auch als Absicherung für später. Die Kneipe ist so urig wie eh und je, maximal 100 Leute passen rein, dann drängelt es sich aber auch.

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Bei Konzerten wird ihr altes Klavier ans Fenster gerückt, damit man sein Bier abstellen kann. Schon viele Folkbands haben neben dem Piano im Schaufenster debütiert. Zum Beispiel „The Drunken Owls“, drei evangelische Theologiestudenten vom Breul. Oder jene Newcomer-Band, die überhaupt erst zwölf Stücke spielen konnte: „Die haben dann mal längere Pausen gemacht“, sagt Driehorst.

Essen vom Italiener

Was ist das Rezept für 20 Jahre Piano? Ständiger Wechsel. Früher, sagt die Wirtin, wurde im Piano bis zum Abwinken Skat und Doppelkopf gespielt. Knobeln an der Theke war Standard. Diese Lustbarkeiten altwestfälischer Kneipenkultur sind verschwunden.

Dafür läuft die Karaoke-Nacht wie am Schnürchen. Vor allem Frauen und Chöre schallern gerne mit.

Stefanie Driehorst hat auch gerne Junggesellen-Abschiede zu Gast, die in manchen anderen Kneipen Hausverbot haben: „Die meisten benehmen sich doch anständig“, sagt sie.

Im Piano gab es schon Frühstück, Buletten und Mettwürste. Die Zeit hat das überholt. Nun bringt der Italiener vom La Locanda das Essen auf Bestellung. Eine Win-Win-Kooperation.

Zum ersten Mal nach Irland

Heute wird um 19 Uhr geöffnet. In der Woche ist um drei Uhr Schluss, Freitag und Samstag um fünf, sonntags und montags ist das Piano zu. „Das Gros der Leute kommt so um 22 Uhr“, sagt Driehorst, „und meine Familie weiß, dass man mich morgens vor elf Uhr nicht anruft.“

Am Tresen hängen viele bunte Zettel: alles Reservierungen. Eine Fachschaft hat schon einen Tisch für die Erstsemester-Begrüßung gebucht – im Oktober.

Stefanie Driehorst wird übrigens im nächsten Jahr mit ihrem Partner Holger Holtmann nach Irland fahren. Zum ersten Mal. „Lieben“, sagt sie, „kann man die Insel ja auch, wenn man noch nicht da war“.

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