Was der Musikcampus für die Kulturdebatte bedeutet
Licht und Schatten

Die Idee eines Musikcampus als Gemeinschaftsprojekt von Uni und Stadt ist in der Welt. Was bedeutet das für die bisherige Kulturdebatte? Hier einige Anmerkungen.

Sonntag, 11.09.2016, 10:09 Uhr

Hier soll der Musikcampus entstehen.
Hier soll der Musikcampus entstehen. Foto: Oliver Werner

► Alle bisherigen Überlegungen zum Thema Konzert- und Kongresshalle wurden vornehmlich von Architekten und Städteplanern vorangetrieben. Beim Musikcampus rücken aber mit der räumlichen Zusammenfassung von städtischer Musikschule und Musikhochschule die Nutzer in den Vordergrund. Das ist ein neuer Ansatz.

► Bei den bisherigen Planungen hatte immer die Stadt beziehungsweise ein Kreis kulturinteressierter Münsteraner den Hut auf. Gleichwohl wollten alle „irgendwie“ die Uni dabeihaben, denn ein Kongressbetrieb ohne Uni ist undenkbar. Jetzt aber hat sich die Uni selbst den Hut aufgesetzt. Auch das ist neu – und erhöht die Chancen der Umsetzung.

► Gemessen am Prinzipalmarkt verfügt ein Neubau an der Hittorfstraße über eine Randlage. Gemessen an den Uni-Standorten in der Stadt liegt die Hittorfstraße schon eher im Zentrum. Urbanität indes, das gehört auch zur Wahrheit, sieht leider anders aus.

► Für den Konzertbetrieb in Münster ist das Sinfonieorchester der wichtigste Player. Es ist also die Frage zu klären, ob auch das Sinfonieorchester auf dem Musikcampus und in der neu zu schaffenden Konzerthalle seine Spielstätte bekommen soll. Sollten Orchester, Musikhochschule und Musikschule unter einem Dach arbeiten, vielleicht sogar noch ergänzt um die Musikpädagogen, wäre es eine Einrichtung von bundesweiter Strahlkraft – unabhängig vom Standort.

►  Die öffentliche „Platzierung“ des Konzeptes Musikcampus durch Uni und Stadt in dieser Woche war – vorsichtig ausgedrückt – sehr unglücklich. Speziell die Spitze der Stadt Münster hat jetzt ein Klärungsproblem. Sie gibt der Uni einerseits das Signal, die städtischen Musikschule könne an die Hittorfstraße umziehen. Sie prüft andererseits aber auch den Umzug zum Parkplatz Hörster­straße. Das zeugt nicht von klugem Management.

► Was noch schwerer wiegt: In unterschiedlichen Gruppen und im Zusammenhang mit unterschiedlichen Projekten haben zahlreiche Münsteraner in den vergangenen Monaten daran gearbeitet, die Planungen für eine Konzert- und Kongresshalle neu zu beleben. Mit der neuen, von Uni und Stadt ins Spiel gebrachten Variante ist deren Engagement zum Teil gegenstandslos geworden. Da sich darunter auch wichtige Multiplikatoren befinden, stellt sich die Frage, wie viel Enttäuschung zurückbleibt. Ein Spiel nach dem Motto „Jeder gegen jeden“ wäre fatal.

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