Keine Krebszellen mehr beim Jungen aus Sibirien
Iwan der Glückliche

Münster/Tjumen -

Iwan ist krebskrank und in der Uniklinik Münster wegen eines Tumors in seinem Kopf behandelt worden. Das war möglich, weil die Leser unserer Zeitung über 94.000 Euro gespendet haben. Wie geht es Iwan heute? Wir haben ihn getroffen.

Donnerstag, 27.10.2016, 06:00 Uhr aktualisiert: 27.10.2016, 08:36 Uhr
Iwan und seine Mutter Mascha spielen in ihrem Zimmer im Familienhaus der Uniklinik Münster „Pharao“. Die beiden sind froh über gute Nachrichten.
Iwan und seine Mutter Mascha spielen in ihrem Zimmer im Familienhaus der Uniklinik Münster „Pharao“. Die beiden sind froh über gute Nachrichten. Foto: Gunnar A. Pier

Manchmal schleicht sich Mascha Sapoznikova an ein Fenster, von dem aus sie ihren Sohn Iwan in der Schule beobachten kann. „Dann kann ich sehen, wie er sich meldet“, sagt sie und lacht. Sie hat dafür einen guten Grund. Bis vor wenigen Monaten sah es aus so, als ob Iwan nie mehr eine Schule besuchen würde.

Iwan ist krebskrank und in der Uniklinik Münster wegen eines Tumors in seinem Kopf behandelt worden. Das war möglich, weil die Leser unserer Zeitung über 94.000 Euro gespendet haben. An diesem Donnerstag fährt der Junge mit seiner Mutter wieder nach Hause – mit einer guten Nachricht in der Tasche: Drei Monate nach dem Ende der Behandlung sind keine neuen Krebszellen in Iwans Körper nachweisbar. Das hat eine Routinekontrolle in Münster ergeben.

Iwan Maloshchuk aus Sibirien

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  • Iwan mit seiner Familie im Januar 2016.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Foto: UKM
  • Iwan in seiner Heimatstadt Tjumen.

    Foto: Privat
  • Iwan mit seiner Mutter im Oktober 2016 in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Iwan mit seiner Mutter im Oktober 2016 in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Iwan in seiner Heimatstadt Tjumen.

    Foto: Privat
  • Unbeschwerte TAge in Tjumen.

    Foto: Privat
  • Iwan im Januar 2016

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Foto: UKM
  • Iwan in seiner Heimatstadt Tjumen.

    Foto: Privat
  • Iwan mit seiner Mutter im Oktober 2016 in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Iwan mit seiner Mutter im Oktober 2016 in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Iwan und seine Familie im Januar 2016.

    Foto: UKM
  • Iwan mit seiner Mutter im Oktober 2016 in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Iwan in seiner Heimatstadt Tjumen.

    Foto: Privat
  • Iwan mit seiner Mutter im Oktober 2016 in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Iwan in seiner Heimatstadt Tjumen.

    Foto: Privat

Bei einer ähnlichen Kon­trolle vor einem Jahr war in Iwans Kopf ein Tumor entdeckt worden. Eine notwendige OP mit Chemotherapie und Bestrahlungen kostete 160.000 Euro. Damals hatten seine Eltern keine Vorstellung, wie sie seine Behandlung bezahlen sollten. Russische Stiftungen fanden sich nicht, die der Familie weiterhalfen. Damals hatte die Familie lediglich 35 000 Euro zusammenbekommen.

Die Angst und Verzweiflung von damals sind verschwunden. Iwan singt, seine Mutter lacht viel. Iwan hat sich auf Münster gefreut, weil er seinen Freund Alexej aus Weißrussland treffen konnte. Er humpelt zwar, weil in seiner Hüfte eine Entzündung ist. Aber das ist für die Familie im Vergleich zu den Sorgen vom vergangenen Herbst ein Klacks.

Nur die 20-stündige Reise nervt. Die aber ist nötig, weil die Ärzte in Münster ihren Patienten persönlich sehen möchten und ihnen MRT-Bilder und weitere Untersuchungsergebnisse aus Russland nicht reichen. Immerhin: Bei den Kosten helfen staatliche Stellen. Die Spenden sind nur für die medizinische Behandlung gewesen.

Die Behandlung von Iwan: Was bisher geschah

Im Januar 2014 entdecken Ärzte an Iwans Wirbelsäule einen Tumor. Zwar läuft die OP in seiner Heimatstadt gut. Aber die Nachsorge lässt zu wünschen übrig. Und die nötige Physiotherapie kam zu spät, sodass Iwan im Sommer darauf fast gelähmt war. Er hatte Schmerzen und litt unter Angstzuständen.

Iwan kommt mit dem Geld einer Wohltätigkeitsorganisation nach Münster, wo ihn die Ärzte mit einer Chemo- und Stammzellentherapie, Bestrahlungen, Physiotherapie und Psychotherapie wieder fit machen.
Der Junge wird als gesund entlassen. Die Familie kehrte zurück nach Russland – und das größer als auf dem Hinweg: Ende 2014 kam in Münster Iwans Schwester Veronika zur Welt.

Herbst 2015: Kurz nach der Einschulung in Tjumen bekommt Iwan wieder Schmerzen. Bei einer anschließenden Routinekontrolle in der Uniklinik Münster entdeckten die Ärzte wieder einen Tumor – dieses Mal im Kopf. Seine Eltern haben keine Vorstellung, wie sie seine Behandlung bezahlen sollen. Russische Stiftungen finden sich nicht, die der Familie weiterhelfen könnten. Die neue Therapie kostet 160 000 Euro. 35 000 hat die Familie zusammenbekommen, sodass Iwan zumindest schon mal operiert worden ist.

Aber Reste des Tumors konnten die Ärzte nicht entfernen. Darum sind eine weitere Chemotherapie sowie Bestrahlungen notwendig. Wenn seine Eltern nicht bald 125.000 Euro zusammenkratzen, dann wird er nicht mehr lange leben. 125 000 Euro? Wie soll das gehen? Iwans Vater Michail Maloshchuk ist Elektriker, seine Mutter Mascha ist Buchhalterin in einer Apotheke. Die beiden können nicht mehr arbeiten, weil sie in Münster bei ihren Kindern sind.

Mehr zur Thema

Spenden: Mehr als 90.000 Euro spendeten Leser unserer Zeitung für die Behandlung von Iwan .

Rückkehr: Im Juli 2016 kehrte Iwan nach seiner Behandlung in Münster heim. Bericht: hier .

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Am 20. Januar 2016 berichtet unsere Zeitung über Iwan.
Nach einer Woche haben die Spender bereits 50 000 Euro für Iwan gespendet. 636 Spender haben Geld überwiesen. „Das ist der Wahnsinn“, meinte Malteser-Sprecher Kai Vogelmann über die Anteilnahme „für einen wildfremden Jungen im Januar“, einen Monat nach Weihnachten. Iwans Eltern sind tief beeindruckt. „Wir sind sehr berührt von der Anteilnahme für unseren Sohn. Wir sind dafür sehr dankbar“, sagen sie.

Am 1. Februar 2016 haben sich mittlerweile 985 Spenderinnen und Spendern beteiligt. Die Summe liegt bei 90 293,16 Euro. Iwans Familie ist davon komplett überrumpelt: „Ich hätte nicht erwartet, dass die deutsche Bevölkerung so auf die Artikel reagieren würde, dass in solch kurzer Zeit die Summe zusammenkommen würde, mit der wir die Behandlung fortführen können und uns keine Gedanken mehr über die finanziellen Schwierigkeiten machen müssen“, sagt Iwans Mutter. Der Rest wird durch russische und deutsche Stiftungen gedeckt. Damit kann die Behandlung des krebskranken Jungen im Februar wie geplant weitergehen.

5. Februar 2016: Die Spendenaktion ist abgeschlossen. Vom 21. Januar bis zum 4. Februar spenden 1053 Personen 94 338,16 Euro. Es gibt 16 vierstellige Spenden, davon zwei in Höhe von 5000 Euro, eine in Höhe von 2000 Euro und 13 Spenden in Höhe von 1000 Euro. Die Durchschnittsspende liegt bei 89 Euro. „Das ist ein extrem hoher Wert für eine solche Spendenaktion“, sagte Kai Vogelmann, Sprecher der Malteser.

Im März berichtet die russische Zeitung „Die russische Orthodoxie und die Welt“ über die Hilfsbereitschaft. Unter der Rubrik „Barmherzigkeit“ berichtete das Blatt über Iwans Schicksal.

Am 18. Juli 2016 machen sich Iwan und seine Familie wieder auf den Weg nach Hause. Bei dem Jungen sind keine Tumorzellen mehr nachweisbar Seine Ärztin sagt, dass der Junge gut auf die Chemotherapie und die Bestrahlungen reagiert hat. „Wir können keine Tumorzellen mehr nachweisen“, sagt die Professorin Claudia Rössig aus der Kinderonkologie der Uniklinik Münster.

Íwan habe die „sehr intensive Therapie akzeptabel vertragen“, die Infektionen, die wegen des geschwächten Abwehrsystems oft mit solchen Krankheiten einhergehen, habe er „gut überstanden“. Zu Hause hat der Junge noch Kopfschmerzen. Aber er geht schon wieder zwei bis drei Stunden pro Tag zur Schule, Sein Freund kommt ihn ab und zu besuchen.

Mitte Oktober kommt der Siebenjährige mit seiner Mutter wieder zu einem Kontrolltermin nach Münster. Diesmal gibt es nur gute Nachrichten. „Es ist alles in Ordnung“, sagt Mascha. Iwan humpelt noch, trägt ein Korsett. Möglicherweise muss er noch mal operiert werden, weil die Behandlung eine Bandscheibe zerstört hat.
Am 27. Oktober 2016 fliegt Iwan wieder nach Hause.

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