Diskussion "Bettensteuer"
Abzocke im Dienste der Haushaltssanierung

Münster -

Seit 1. Juli gibt es in Münster eine Bettensteuer. Eine Million Euro soll sie jedes Jahr in die Stadtkasse spülen. Bei den betroffenen Betrieben stößt sie jedoch auf Kritik. Zu Recht? Dieser Frage haben sich zwei unserer Redakteure gestellt.

Samstag, 19.11.2016, 12:11 Uhr

Diskussion "Bettensteuer" : Abzocke im Dienste der Haushaltssanierung
Foto: dpa

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Pro: Steuer ist nicht neu

Ein Kommentar von Martin Kalitschke

Natürlich ist die Bettensteuer ein Instrument, das aus Verzweiflung geboren wurde. Münsters Haushalt ist am Boden, jeder Euro wird benötigt. Keine Frage: Das ist Abzocke im Dienste der Haushaltssanierung.

Dennoch ist die Reaktion der münsterischen Hoteliers überzogen. Wer im Internet Auslandsreisen bucht, ist es längst gewöhnt, auf den Übernachtungspreis ein paar Pfund oder Dollar draufzuzahlen. Das ist nicht schön, aber auch kein Drama – man bucht dann halt eine Kategorie günstiger, und schon hat man die Mehrkosten wieder raus.

Nun will das Stadthotel sogar gegen die Steuer klagen – ein Haus, das vom 19. auf den 20. November laut Internet 122 Euro für das günstigste Zimmer verlangt, womit 5,49 Euro Bettensteuer fällig werden. Kaum jemand wird wegen fünf Euro eine Reise stornieren – oder woanders hinreisen, obwohl er eigentlich nach Münster wollte. Die Hoteliers haben es vielmehr selbst in der Hand, die Steuer auszutricksen: indem sie die Zimmerpreise um den Bettensteuerbetrag absenken. Martin Kalitschke

Contra: Reine Abzocke

Ein Kommentar von Gabriele Hillmoth

Die Stadt kassiert bei den Touristen ab, die in einem Hotel in Münster übernachten. Die Bettensteuer macht es möglich, dass die Übernachtungskosten jeweils um 4,5 Prozent steigen. Nur der erhoffte Steuersegen für den städtischen Haushalt ist bis heute ausgeblieben. Im Gegenteil, die Bürokratie erfordert auch auf Seiten der Stadt erhöhten Personaleinsatz. Den Betrieben wird zusätzliche Bürokratie zugemutet. Noch viel schlimmer aber ist der gewaltige Imageschaden für ganz Münster. Die „Abzocke“ wirft kein gutes Licht auf die Stadt, die darum wirklich gut beraten wäre, die Steuer schnellstmöglich wieder abzuschaffen. Das wäre die beste Werbung für den Städtetourismus und der richtige Schritt mit Blick auf die vielen internationalen Gäste, die 2017 zur Skulpturenausstellung in Münster erwartet werden. Außerdem könnte sich die Stadt die juristische Auseinandersetzung sparen. Denn was andere Kommunen geschafft haben, sollte auch in Münster möglich sein: eine Streichung der Bettensteuer.

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