Tierdoku
Münsteraner filmt „Wildes Ruhrgebiet“

Münster -

Wenn der mit zahlreichen Preisen dekorierte Tierfilmer Christian Baumeister von sei­nen Arbeitseinsätzen erzählt, klingt das immer nach purem Abenteuer. Schließlich haben ihn die Arbeiten für seine Filme schon an die entlegensten Orte der Erde geführt. Für seine neueste Produktion brauchte der Münsteraner allerdings keine lange Anreise.

Samstag, 03.12.2016, 10:00 Uhr aktualisiert: 04.12.2016, 19:03 Uhr
Industrie und Natur: Filmemacher Christian Baumeister sind im Ruhrgebiet reizvolle Aufnahmen dieser spannenden Symbiose gelungen.
Industrie und Natur: Filmemacher Christian Baumeister sind im Ruhrgebiet reizvolle Aufnahmen dieser spannenden Symbiose gelungen. Foto: Christian Baumeister

Mit dem Helikopter über Kamtschatkas rauchenden Vulkanschloten, an ei­nem dünnen Seil inmitten der tosenden Wasserfälle von Iguacu, Auge in Auge mit den größten Grizzlys der Erde: Wenn Tierfilmer Christian Baumeister von sei­nen Arbeitseinsätzen erzählt, klingt das immer nach purem Abenteuer. Die Arbeiten für seine Filme haben ihn und sein Team schon an die entlegensten Orte der Erde geführt – stets spektakuläre Kulissen für atemberaubende Natur- und Tieraufnahmen, für die der 44-jährige Münsteraner schon zahlreiche Preise bekommen hat.

Für seine neueste Produktion „Wildes Ruhrgebiet “ (WDR, 13. Dezember, 2015 Uhr) brauchte es keine lange Anreise. Ein Jahr lang drehte der gebürtige Nottulner quasi in der Nachbarschaft an prominenten Orten wie der Zeche Zollverein in Essen oder dem Landschaftspark Duisburg-Nord.

„Die Tiere hier sind viel kleiner“

Einfacher waren die Dreharbeiten hier auf heimischem Terrain aber nicht: „Die Tiere hier sind viel kleiner und damit viel schwieriger zu filmen, Spannung zu erzeugen ist eine viel größere Herausforderung“, berichtet der Tierfilmer. Und: Die Ar­beitseinsätze im Ruhrgebiet gestalteten sich auch nicht minder spannend.

Christian Baumeister in einem Heißluftballon über das Revier.

Christian Baumeister in einem Heißluftballon über das Revier. Foto: Christian Baumeister

So beobachtete Baumeister zum Beispiel in der Hattinger Hütte von einem Hochofen aus auf 50 bis 60 Meter Höhe ein Wanderfalken-Nest auf einem ge­gen­über­lie­genden Fabrikturm. „Ein jun­ger Wanderfalke hat doch glatt seinen Jungfernflug auf meinem Ärmel beendet. Wir haben uns beide in dem Moment verdutzt angeschaut. Er war mir so nah, filmen konnte ich das nicht“, schmunzelt er.

Die Ästhetik des Ruhrgebiets

Beeindruckend: der Landschaftspark Duisburg-Nord.

Beeindruckend: der Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Christian Baumeister

Das Ruhrgebiet ästhetisch zeigen – das war Baumeisters Ziel. Zu diesem Zweck überflog er zum Beispiel nachts im Gasballon mit einer lichtstarken Kamera das gesamte Ruhrgebiet und machte wunderschöne Nachtaufnahmen von der glitzernden Metropole mit ihren beeindruckenden Industrieruinen.

Für den Tierfilmer „sehr reizvolle Kulissen“, in denen er in seinem Film die verschiedensten Tiere auftreten lässt: Ein Fuchs zieht seine Jungen in einer alten Fabrikhalle groß, und ein Steinmarder jagt Mäuse in einer stillgelegten Gießerei. Selbst dem Igel, der heutzutage in den aufgeräumten Vorstadtgärten kaum noch Unterschlupf findet, bietet ausgedienter Bergbauschrott ideale Plätze zum Verstecken und für die Aufzucht der Jungen.

Im Landschaftspark Duisburg-Nord finden sich unzählige Schlupfwinkel für den Rotfuchs.

Im Landschaftspark Duisburg-Nord finden sich unzählige Schlupfwinkel für den Rotfuchs. Foto: Light and Shadow GmbH

Die Natur erobert sich das Revier zurück

„Die unglaubliche Regenerationskraft der Natur zeigt sich im Ruhrgebiet ganz deutlich“, so Baumeister. Davon erzählt sein Film in einfühlsamen Bildern immer wieder. Denn mit dem Rückgang der Industrie begann ein neues Kapitel im Ruhrgebiet: Pflanzen und Tiere erobern Stück für Stück zurück, was für immer verloren schien. Heute wirkt die Landschaft an der Ruhr wie ein kleines Paradies.

Obwohl Christian Baumeister seine Kindheit und Jugend in Nottuln verbracht hat, war das von der Baumbergegemeinde gar nicht weit entfernte Ruhrgebiet Neuland für ihn. „Das war auch für mich eine richtige Entdeckungsreise“, sagt er.

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