Rodungsaktion im Naturschutzgebiet hat ein Nachspiel
„Das war alles ein bisschen ungeordnet“

Warendorf -

Alles nackt, wo sonst Weidenhaine, Dickicht und Sträucher das Bachufer des Muddenbaches säumten. Hier, wo der Muddenbach in die Ems mündet, kurz vor der Holzbrücke, wurde am Wochenende kräftig geholzt und gerodet. Alles weg, futsch, sauber, wie bei Hempels im Vorgarten zum Feiertag. Doch die Aktion im Naturschutzgebiet wird ein Nachspiel haben.

Dienstag, 06.12.2016, 04:12 Uhr

Rodungsaktion im Naturschutzgebiet: Mit schwerem Gerät wurden Bäume gefällt und anschließend im lodernden Feuer verbrannt. Der Kreis legte gestern die nicht abgestimmten Arbeiten still – doch da war alles schon erledigt.
Rodungsaktion im Naturschutzgebiet: Mit schwerem Gerät wurden Bäume gefällt und anschließend im lodernden Feuer verbrannt. Der Kreis legte gestern die nicht abgestimmten Arbeiten still – doch da war alles schon erledigt. Foto: Edler

Spaziergänger, die am Wochenende die Ems aufwärts in Richtung Brücke zur Herrlichkeit gingen, trauten ihren Augen kaum: Mit schwerem Gerät wurden Bäume gefällt und anschließend im lodernden Feuer verbrannt. Alles nackt, wo sonst Weidenhaine, Dickicht und Sträucher das Bachufer des Muddenbaches säumten. Und das im Naturschutzgebiet . Hier, wo der Bach in die Ems mündet, kurz vor der Holzbrücke, haben offenbar Mitarbeiter des künftigen Eigentümers des Hofes Everwand, der auch Besitzer des Gut Emstals ist, ganze Arbeit geleistet.

Die Rodung wird ein Nachspiel haben. Etliche Hinweise gingen am Montagmorgen sowohl bei der Unteren Landschaftsbehörde als auch beim Umweltamt des Kreises Warendorf ein. Thomas Fromme, Pressesprecher des Kreises, bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Arbeiten weder genehmigt, noch mit den zuständigen Behörden abgestimmt waren. „Es handelt sich hier um eigenmächtiges Handeln.“

Kreisverwaltung intervenierte

Die Folge: Die Arbeiten wurden sofort stillgelegt. Wie schwerwiegend der Verstoß ist und wie hoch der Schaden, vermochte Fromme nicht zu sagen. Es werde aber eine Bestandsaufnahme geben. Der Kreis habe den Verursacher umgehend aufgefordert, Stellung zu nehmen.

DSCN9478
Foto: Joachim Edler

Der Warendorfer Arzt Klaus Schäffer war einer der Spaziergänger: „Mir fiel fast der Kit aus der Brille. Jeder Baum, der gefällt wird, bedarf der Genehmigungspflicht. Hier, wo Hunderte am Tag die Natur an der Ems passieren und genießen, da wird mit brachialer Gewalt rücksichtslos verändert bis zur Unkenntlichkeit – werden Rückzugsräume zerstört.“

Idyllischer, so Schäffer, könne kaum ein Emsort in Warendorf sein – zigfach festgehalten auf Gemälden von Wilhelm Götting und Elly Grützner. „Jetzt, alles weg, futsch, sauber, wie bei Hempels im Vorgarten zum Feiertag.“ Nicht nur Schäffer fragt sich: „Wie kann so eine drastische Veränderung über Nacht laufen, so nah an uns Bürgern und niemand weiß es.“

Die Arbeiten waren nicht mit den zuständigen Behörden abgesprochen.

Thomas Fromme, Sprecher des Kreises Warendorf

Hans Aschenbrenner , Verwalter des über 140 Hektar großen Gut Emstals (Eigentümer Josef Besselmann) und ehemaliger Mitarbeiter des Amtes für Planung und Naturschutz des Kreises Warendorf, nahm Stellung zu den Vorwürfen: „Wir waren davon ausgegangen, dass für Arbeiten auf privatem Grund und Boden keine Genehmigung erforderlich ist und somit alles gesetzeskonform war. Das prüft der Kreis jetzt.“

Der Grund für die Rodung: Man sei dabei, den Hof Everwand sowohl gestalterisch als auch ökologisch herauszuputzen.

DSCN9487

Alles weg: In der Nähe der Brücke zur Herrlichkeit an der Ems haben umfangreiche Rodungsarbeiten ihre Spuren hinterlassen. Foto: Joachim Edler

„Ökologische Aufwertung“

Viele Gehölze seien nur auf den Stock gesetzt worden, die Uferböschung sei gar nicht angefasst worden. Sehr wohl sei aber der Teich ausgekoffert und vom Faulschlamm befreit worden. „Das Gewässer war tot. Da konnte sich kein Lebewesen mehr entwickeln.“

Geplant sei, so Aschenbrenner, etliche tausend Gehölze wieder neu anzupflanzen. Eichen und Buchen im oberen Bereich sowie Erlen, Weiden und Eschen im Uferbereich – Schutzraum für Wild und Vögel. Aschenbrenner spricht von einer „ökologischen Aufwertung“ des gesamten Bereichs – „das war alles ein bisschen ungeordnet“.

Zu den Gerüchten um den Verkauf oder die Verpachtung des Hofes Everwand, auf dessen Grund und Boden die Reitanlagen und Ställe des Reit- und Fahrvereins Warendorf stehen, wollte Aschenbrenner nichts sagen. Nur so viel: Sein Arbeitgeber habe großen Einfluss darauf, den Betrieb über kurz oder lang zu übernehmen – auch mit Blick auf die Heuproduktion auf Gut Emstal.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4481088?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F87%2F3862662%2F4847783%2F4847784%2F
Urteil: «Jagger» und «Louis» sind Miniatur-Bullterrier
Der Bullterrier Jagger Bonsai von Amadis steht vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster.
Nachrichten-Ticker