Redakteurin schlüpft in die Rolle des Nikolaus-Begleiters
"Jetzt kann der Ruprecht nicht mehr knutschen"

Warendorf -

So ein Ruprecht ist auch nur ein Mensch und deshalb vor Erkältungen nicht gefeit. Mit Husten und Heiserkeit kommt der Helfer des Nikolaus‘ noch zurecht. Schließlich übernimmt er keine Sprech-, sondern lediglich eine Sack tragende Rolle. Richtig übel aber ist eine laufende Nase. Putzen geht nicht.

Dienstag, 06.12.2016, 15:12 Uhr

Im dritten Jahr ist unsere Redakteurin Joke Brocker am Montagabend mit großem Vergnügen in die Rolle des Ruprecht geschlüpft. Weniger vergnüglich war das Abschminken.
Im dritten Jahr ist unsere Redakteurin Joke Brocker am Montagabend mit großem Vergnügen in die Rolle des Ruprecht geschlüpft. Weniger vergnüglich war das Abschminken. Foto: Cengiz Sentürk

Auch nicht mit von Witzbolden empfohlenen schwarzen Taschentüchern. Schon ein verstohlenes Tupfen der Nase würde das Werk der Maskenbildnerin zerstören. Während die Ankleidedamen 35 Nikolausen, die dem 1947 gegründeten Nikolaus-Collegium der Stiftsstadt Warendorf angehören, ins Ornat helfen, werden am Vorabend des Nikolaustages in der Maske wie am Fließband die Ruprechte geschminkt.

Das Nikolaus-Collegium

Das Nikolaus-Collegium der Stifts-Stadt Freckenhorst besucht seit dem Jahr 1947 jeweils am 5. Dezember alle zwei- bis achtjährigen Freckenhorster Kinder und Gastkinder, unabhängig davon, welcher Nationalität oder Konfession sie angehören. Neben 35 „Nikolausen“ (das Collegium würde – anders als der Duden – niemals von „Nikoläusen“ sprechen) und 35 Ru­prechten sind fast ebenso viele Mitglieder der Freckenhorster Nachbargemeinschaften in die Vorbereitung des Nikolaus-Abends involviert.

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Ohren, Haaransatz und Lippen inklusive. „Jetzt kann der Ruprecht nicht mehr knutschen“, lästert ein Fotograf, und die Maskenbildnerin droht dem breit grinsenden Ruprecht: „Jede Lachfalte bleibt weiß.“ Ruprecht stellt das Lachen ein, trainiert stattdessen eine rustikale Variante des Naseputzens: das Hochziehen.

Jetzt kann der Ruprecht nicht mehr knutschen.

Fotograf

Dieses soll sich, schon kurz nachdem die Nikolaus- und Ruprecht-Gespanne vom Primas des Nikolaus-Collegium in ihre Diözesen entsandt worden sind, beim ersten von zwölf Hausbesuchen bewähren.

Das Schniefen bekommt der Nikolaus, der mit Zweitnamen Ludger heißt, gar nicht mit. Er parliert mit Lea (9) und Luca (7) über Schule und Fußball. Von der vierjährigen Mia lässt er sich in die Hand versprechen, dass sie nächstes Jahr für ihn singen wird. Ganz bestimmt.

Im gemütlichen Zuhause von Louis (5) und Liam (2) schwebt der Assistent des Nikolaus‘ in Nöten, als der heilige Mann dem Adventskranz gefährlich nahe kommt. Nicht auszudenken, wenn das Gewand des Nikolaus, die „Albe“, Feuer finge. Auf die lange weihnachtliche Geschichte, die der Nikolaus nun vorliest, leicht stockend, weil er seine Lesebrille nicht dabei hat, die bei dem ewigen Rein und Raus ohnehin nur beschlüge, hat Liam gar keine Lust. Er tollt auf Mamas Schoß herum und ist froh, als der Besuch die mitgebrachten Süßigkeiten überreicht und verschwindet.

Vor Davids Haustür dann eine Panne. Als der Fünfjährige öffnet, lassen Nikolaus und Ruprecht gerade ein Päckchen im Sack verschwinden, das Davids Mutter vor die Tür gelegt hatte. Der Knirps scheint das schon vergessen zu haben, als er den Besuchern beweist, dass er nicht nur bis 30, sondern sogar bis 90 zählen kann.

Kalle (7) und Frida (3), die vor allem den Ruprecht argwöhnisch beobachtet, halten für den Nikolaus eine Tüte selbst gebackener Plätzchen bereit. Während Nikolaus und Ruprecht sich im Wohnzimmer aufwärmen, wartet auf einem Hof in einer Freckenhorster Bauerschaft noch eine musikalische Familie auf den Besuch. Und eine echte Herausforderung in Form von Apfelringen, die der achtjährige Jaron mit seiner neuen Maschine aus dem Adventskalender produziert und mit denen der Ruprecht den Nikolaus zu füttern versucht.

Apfelringe und Vollbärte vertragen sich nicht. Vielleicht sollte sich der Nikolaus vom Christkind einen Rasierapparat wünschen? Und der Ruprecht, auch am Nikolaustag noch nicht porentief rein, wünscht sich eine Abschminkdame.

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