Heinrich Ellerkamp sammelt Schrott für den guten Zweck
Durstig nach leeren Partyfässchen

Alstätte -

Heinrich Ellerkamp greift mit beiden Händen einmal tief in den Container und schaufelt Kronkorken und metallene Deckel heraus. Daneben liegen etliche Konservenbüchsen. All das und noch viel mehr macht der Alstätter zu Geld – für den guten Zweck. 12.050 Euro konnten der 74-Jährige und seine Frau Mathilde so in den vergangenen gut fünf Jahren schon spenden.

Dienstag, 03.01.2017, 06:01 Uhr

Schrott sammelt Heinrich Ellerkamp, um damit soziale Projekte zu unterstützen.
Schrott sammelt Heinrich Ellerkamp, um damit soziale Projekte zu unterstützen. Foto: Rupert Joemann

Es fing 2011 ganz klein nur mit Kronkorken an. Heinrich Ellerkamp las in den Westfälischen Nachrichten einen Artikel über einen Kronkorken-Sammler aus Eggerode. „Das wollten wir auch versuchen“, nennt Heinrich Ellerkamp die Beweggründe. Der Anfang war gar nicht so leicht.

Doch Heinrich Ellerkamp ließ nicht locker. Sein Ziel: Möglichst viele Sammelstellen sollen Schrott für den guten Zweck annehmen. Denn nur so hätten die Menschen die Möglichkeit, ortsnah ihren Schrott abzugeben und das erhöhe die Schrottmenge insgesamt, so Ellerkamp. Zudem landet auch weniger verwertbarer Schrott in den Müllverbrennungsanlagen. „Wir müssen mehr Reklame machen. Der Einzelne kann das gar nicht“, sagt der enthusiastische Sammler. Er weiß, dass es immer weniger Annahmestellen gibt. Diesem Trend will er mit einem guten Beispiel entgegenwirken.

Eines Tages fuhr einmal eine Frau aus Gütersloh bei Ellerkamps am Kolpingweg 1 vor, den ganzen Wagen voller Schrott. „Da passte keine Maus mehr rein“, erzählt er schmunzelnd. Er sagt aber auch schon mal weiter entfernten Anrufern ab, weil die Anreise und die Schrottmenge in keinem vernünftigen Verhältnis stünden. Deshalb setzt er sich für Sammelstellen ein.

Töpfe, Pfannen, Autobatterien

Der 74-Jährige selbst ist fast jeden Tag mit seinem Auto und dem Anhänger unterwegs. Mittlerweile steht sogar ein eigener Container vor der Haustür. Den stellt Heinz Blickmann kostenlos zur Verfügung. Der Alstätter Unternehmer sorgt auch für den An- und Abtransport. Früher klingelten die Leute regelmäßig an der Tür, heute werfen sie den Schrott einfach in den Container.

„Keiner will mehr das Kleinzeug verwerten“, sagt Heinrich Ellerkamp mit Blick auf die Kronkorken. Ellerkamp nimmt alles an. „Zink, Kupfer, Messing, Aluminium und VA-Stahl sowie sämtliche Elektrosachen“, betont der Alstätter. Auch alte Töpfe und Pfannen sammelt er im Container. Sogar Autobatterien macht der Rentner, der vor der Rente zuletzt 30 Jahre bei Hülsta arbeitete, noch zu Geld.

„Schrott wird gehandelt wie Öl und Kohle“, sagt Ellerkamp. Es gelten Tagespreise. In 2015 habe er teilweise nur vier, fünf Cent pro Kilogramm erhalten. Es gab Zeiten, da wurden 14 Cent bezahlt. Je feiner vorsortiert ist, umso mehr Geld kriegt Ellerkamp. Für Kronkorken und Schrott hat er zuletzt zwölf Cent pro Kilo erhalten. Für Elektroschrott 21 Cent und für VA-Schrott immerhin 70 Cent.

Nächstes Ziel: 35.000 Plastikverschlüsse 

Bei einer Firma durfte sich Ellerkamp einmal 1,2 Tonnen Schrott abholen. „Beim Sortieren hat mein Enkel geholfen“, sagt der 74-Jährige. Aus Wüllen konnte er sich von einer Baustelle alte Kupferleitungen abholen. Die hat er in mühevoller Kleinarbeit saubergemacht und verkauft. Die dort investierten Stunden will er lieber nicht in einen Stundenlohn umrechnen. „Das muss man sich gefallen lassen“, sagt Ellerkamp lapidar. Es geht ihm um die gute Sache.

An einer Containerseite stapeln sich Fünf-Liter-Fässchen. Die Alstätter wissen, wo sie die Partyreste sinnvoll entsorgen können. Pro Container sind so im Schnitt 110 bis 115 Fässchen dabei. „Die haben zwar viel Volumen, aber wenig Gewicht.“ Doch auch Kleinvieh macht Mist, auch wenn er lieber einen Heizungskörper oder eine Waschmaschine verkauft.

Heinrich Ellerkamp hat sich ein weiteres Projekt auf die Fahne geschrieben: Er will mit seiner Frau 35.000 Plastikverschlüsse von Flaschen sammeln. „Dafür gibt es einen ausgebildeten Blindenhund.“

Der Alstätter hebt einen mit Plastikverschlüssen prall gefüllten Sack hoch. Einige Tausend dürfte er schon zusammenhaben.

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