174 Stundenkilometer sind trauriger Rekord
Füchtorfer Blitzsäule überführt täglich über 100 Temposünder

Füchtorf -

Mit roter Farbe wurden in der Nacht zu Samstag die Blitzlichtfenster der Radaranlage an der B 475 in Füchtorf besprüht. Damit ist die Anlage zwar kurzfristig außer Gefecht gesetzt, soll aber schon bald wieder einsatzbereit sein.

Dienstag, 03.01.2017, 14:01 Uhr

Die Blitzlichtfenster wurden mit roter Farbe besprüht, so dass die Anlage derzeit außer Betrieb ist.
Die Blitzlichtfenster wurden mit roter Farbe besprüht, so dass die Anlage derzeit außer Betrieb ist. Foto: Ulrich Lieber

Und das aus gutem Grund, denn der Kreuzungsbereich in Höhe von Stockmeyer ist schon seit vielen Jahren ein Unfallschwerpunkt. „Die Stelle wurde regelmäßig von der Unfallkommission bereist. Das ist eine dramatische Ecke, und der Blitzer ist sehr konsequent“, bemerkte Bürgermeister Josef Uphoff bereits bei der Installation der Blitzsäule .

Eine Nachfrage beim Kreis unterfüttert diese Aussage mit aktuellen Zahlen. „In der Zeit von 2010 bis 2015 gab es an dieser Stelle 17 Unfälle, davon waren sieben Unfälle mit Verletzten, einer mit Todesfolge“, erklärt Thomas Fromme , Pressesprecher des Kreises. Ein Todesfall, fünf Schwer- und 19 Leichtverletzte sind eine erschreckende Bilanz.

Über 130 Stundenkilometer keine Seltenheit

Die Ursachen für fast alle Unfälle waren eine viel zu hohe Geschwindigkeit. Dass an dieser Stelle viel zu schnell gefahren wird, zeigen die bislang gemachten Erfahrungen. Seit Mitte Oktober steht die Blitzsäule , und sie ist permanent im Einsatz. „Es wurden schon viele Fotos gemacht“, berichtet Fromme. Jeden Tag würden über 100 Autofahrer geblitzt, die die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h überschreiten. Das größte Problem sind dabei die wirklichen Raser, denn überraschenderweise sind es nicht nur die „kleinen“ Überschreitungen, die Sorge bereiten. „Es sind sehr viele, die deutlich zu schnell sind. Über 120 oder 130 Stundenkilometer ist keine Seltenheit“, sagt Fromme.

An der B475 nahe Fürchtorf steht die Blitzsäule im Kreuzungsbereich in Höhe von Stockmeyer.

An der B475 nahe Fürchtorf steht die Blitzsäule im Kreuzungsbereich in Höhe von Stockmeyer. Foto: Irmler

Leider gebe es auch einen absoluten Rekordhalter, der hier mit satten 174 km/h erwischt worden ist. Das kostet laut Bußgeldkatalog 600 Euro Strafe und drei Monate Führerscheinentzug sowie zwei Punkte in der Flensburger Kartei. Für Thomas Fromme eindeutig zu wenig. „Wir sind in Deutschland noch human. In anderen Ländern sind die Strafen deutlich höher.“ In Österreich kostet es beispielsweise bis zu 2180 Euro, in der Schweiz reicht es, wenn man 30 km/h zu schnell ist, und der Lappen ist für drei Monate weg.

Geschwindigkeitsniveau weiterhin zu hoch

Das primäre Ziel der Blitzanlage ist nicht die Generierung von Bußgeldern, sondern die Erhöhung der Sicherheit. „Auf Dauer soll die Anlage dazu führen, dass dort langsam gefahren wird“, sagt Thomas Fromme. Doch noch hat diese erzieherische Maßnahme nicht wirklich gefruchtet, oder die Blitzsäule hat sich noch nicht ausreichend rumgesprochen. „Leider ist das Geschwindigkeitsniveau immer noch hoch.“

Vergehen im Straßenverkehr und ihre Konsequenzen

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  • Täglich verstoßen Tausende Deutsche gegen Regeln im Straßenverkehr. Über die Konsequenzen ihres Verhaltens und die möglichen Folgen denken die wenigsten nach.

    Im folgenden sind häufige Vergehen im Straßenverkehr und ihre rechtlichen Folgen aufgelistet.

    Foto: Patrick Seeger
  • Alkohol am Steuer ahndet die Polizei besonders hart.

    Verstoß gegen die Promillegrenze (0,5 bis 1,1 Promille):

    ...beim 1. Mal: 500 Euro Bußgeld mit zwei Punkten in Flensburg und einem einmonatigen Fahrverbot.

    ...beim 2. Mal: 1000 Euro Bußgeld mit zwei Punkten in Flensburg und einem dreimonatigen Fahrverbot.

    ...beim 3. Mal: 1500 Euro Bußgeld mit zwei Punkten in Flensburg und einem dreimonatigen Fahrverbot.

    Ab 1,1 Promille drohen einkommensabhängige Geldstrafen, evtl. sogar Gefängnisstrafen, drei Punkte in Flensburg und ein Entzug des Führerscheins.

    Foto: Eili Deck
  • Sollte es zu einer Gefährdung des Verkehrs unter Alkoholeinfluss kommen und eine Polizeistreife bemerkt dies, kann es schon ab einer geringen Promillezahl zu drei Punkten in Flensburg und oftmals zu einem Entzug des Führerscheins mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe kommen.

    Foto: dpa/Sven Hoppe
  • Immer häufiger erwischt die Polizei Fahrer mit einem Handy am Ohr.

    Wenn man als Fahrer eines Autos mit einem Handy am Steuer angehalten wird, wird ein Bußgeld von 60 Euro fällig. Zusätzlich erhählt man einen Punkt.

    Foto: Holger Hollemann
  • Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit innerorts:

    Ab 21 bis 25 km/h über der Höchstbeschwindigkeit: 80 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.

    Ab 26 bis 30 km/h über der Höchstgeschwindigkeit: 100 Euro Bußgeld mit einem Punkt und sofern man der Polizei oftmals auffällt sogar noch einen Monat Fahrverbot.

    Ab 31 bis 40 km/h über der Höchstgeschwindigkeit: 160 Euro Bußgeld mit zwei Punkten und einem einmonatigen Fahrverbot.

    Foto: colourbox.de
  • Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit außerorts:

    Ab 21 bis 25 km/h über der Höchstbeschwindigkeit: 70 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.

    Ab 26 bis 30 km/h über der Höchstgeschwindigkeit: 80 Euro Bußgeld mit einem Punkt und sofern man der Polizei oftmals auffällt sogar noch einen Monat Fahrverbot.

    Ab 70 km/h über der Höchgeschwindigkeit: 600 Euro Bußgeld mit zwei Punkten und einem dreimonatigen Fahrverbot.

    Foto: Marius Becker
  • Im Straßenverkehr kommt es oftmals zu erheblichen Unfällen, weil die Sicherheitsabstände nicht beachtet wurden.

    Bei einem Abstand von weniger als 3/10 des halben Tachowertes werden schon 160 Euro Bußgeld fällig. Zusätzlich gibt es noch zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot.

    Foto: Polizei Münster
  • Strafen beim überfahren von roten Ampeln:

    Eine Ampel bei "Rot" zu überfahren kostet schon 90 Euro und einen Punkt.

    Sollte man wissentlich eine Ampel bei "Rot" überfahren und andere Verkehrsteilnehmer gefährden, droht eine saftige Geldstrafe von 200 Euro, 2 Punkte und in extremen Fällen auch ein Führerscheinentzug oder Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren.

    Foto: colourbox.de
  • Bei einer Sachbeschädigung an einem anderen Auto sollte man sofort die Polizei anrufen und den Unfall melden.

    Ansonsten drohen dem Verursacher drei Punkte wegen Fahrerflucht.

    Der häufig verwendete Zettel mit Namen und Anschrift schützt somit nicht vor einer Anklage.

    Foto: jans

Kontraproduktiv ist da natürlich die Aktion der Vandalen, die die Anlage beschädigt haben. „Dafür haben wir überhaupt kein Verständnis, da kann man nur den Kopf schütteln“, erklärt Fromme. Ob es ein erwischter Temposünder war, der seinen Frust abbauen wollte, ist noch unklar. „Wir haben Strafanzeige erstellt“, sagt Fromme. Überhaupt könne er nicht nachvollziehen, dass so viele Autofahrer dort zu schnell seien. „Es gib Hinweisschilder, dass dort eine Radarkontrolle ist und dass es sich um einen Unfallschwerpunkt handelt.“

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