Neues Entsorgungskonzept
Sortieren und verbrennen

Münster -

Münsters Restmüll wird erst sortiert und dann verbrannt. Der überwiegende Anteil wird zur Energieerzeugung in die Niederlande gebracht.

Samstag, 14.01.2017, 14:01 Uhr

Die Müllsortieranlage in Coerde verarbeitet im Jahr rund 57 000 Tonnen Restmüll im Jahr. Bis zu 40 000 Tonnen davon werden anschließend verbrannt.
Die Müllsortieranlage in Coerde verarbeitet im Jahr rund 57 000 Tonnen Restmüll im Jahr. Bis zu 40 000 Tonnen davon werden anschließend verbrannt. Foto: Matthias Ahlke

Die Pressemitteilung der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM) kommt so harmlos daher: Die Twence Holding mit Sitz im niederländischen Hengelo „verarbeitet Sortierreste aus Münster“.

Bei dem Verarbeiten handelt es um ein Verbrennen, die „Reste“ bringen immerhin 30 000 bis 40 000 Tonnen pro Jahr auf die Waage. Man kann es auch anders ausdrücken: Weit mehr als die Hälfte des in Münster anfallenden Restmülls wird seit Beginn des Jahres in den Niederlanden verbrannt.

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Für AWM-Chef Patrick Hasenkamp bedeutet dieser Umstand „keinesfalls ein Scheitern, sondern eine Weiterentwicklung des münsterische Abfallentsorgungskonzeptes“.

Der Stellenwert der Energieerzeugung in der Entsorgungswirtschaft habe sich „grundlegend geändert“, die „reine Müllverbrennung“ früherer Tage existiere nicht mehr.

Verwerten statt Verbrennen

Rückblende: Anfang der 1990 Jahre gab es in Münster eine heftige Debatte über den geplanten Bau einer Müllverbrennungsanlage in Münster. Damals trat ein Gesetz in Kraft, wonach Abfälle nicht mehr unbehandelt deponiert werden dürfen, deshalb standen die Kommunen unter Druck.

Unter dem Motto „Verwerten statt Verbrennen“ wurde in Münster ein alternatives Konzept erarbeitet, das dann in den Bau der Restmüllaufbereitungsanlage in Coerde mündete. Das Konzept: Wiederverwertbare Stoffe wie Metalle wurden aus dem Abfall gefischt, der überwiegende Rest kam in die Vergärungsanlage und danach als vorbehandelter Abfall auf die Deponie.

Die Endstation Deponie steht jetzt aber nicht mehr zur Verfügung, die Vergärungsanlage soll für Bioabfälle genutzt werden, weswegen die AWM bereits im vergangenen Jahr dazu übergegangen ist, den Großteil dessen, was die Aufbereitungsanlage ausspuckt, verbrennen zu lassen.

Zunächst war Oberhausen das Ziel, jetzt nach einer Neuausschreibung kam das wirtschaftlichste Angebot aus Hengelo.

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