Zweiter SS-Wachmann im Visier
Anklage ermittelt gegen Wuppertaler

Dortmund -

Neben einem 92 Jahre alten Mann aus dem Kreis Borken, gegen den der Dortmunder Oberstaatsanwalt Andreas Brendel wegen Beihilfe zum Mord im KZ Stutthof ermittelt, hat die NRW-Schwerpunktstaatsanwaltschaft für NS-Verbrechen nun auch einen Gleichaltrigen aus dem Raum Wuppertal im Visier.

Montag, 23.01.2017, 05:01 Uhr

Das Lager Stutthof bei Danzig war ein NS-Konzentrations-, aber kein Vernichtungslager. Das macht die Ermittlungen der Anklage nicht unbedingt einfacher.
Das Lager Stutthof bei Danzig war ein NS-Konzentrations-, aber kein Vernichtungslager. Das macht die Ermittlungen der Anklage nicht unbedingt einfacher. Foto: dpa

Auch er war während des Zweiten Weltkriegs im Konzentrationslager bei Danzig als Wachmann eingesetzt, auch ihm wirft die Anklage Beihilfe zum Mord vor.

Der ehemalige SS-Mann sei den Ermittlungen zufolge in der Endphase des Lagers aktiv gewesen, als in Stutthof viele Menschen vergast worden seien, sagte Brendel in Dortmund .

Beide Beschuldigten bestätigen, was nicht zu leugnen ist: ihren Einsatz in Stutthof, beteuern darüber hinaus aber, bei Tötungen von Insassen nicht dabei gewesen zu sein und auch nichts davon mitbekommen zu haben.

Im letzten Kriegsjahr sind nach Angaben der Ermittler viele Ghettos im Osten aufgelöst und Juden in Vernichtungslager wie Au­schwitz oder Konzentrationslager wie Stutthof gebracht worden. In Stutthof, das nie „Vernichtungslager“ war, seien erst zum Ende des Krieges auch Menschen vergast worden. Brendel prüft jetzt in beiden Fällen, ob ehemalige Lagerinsassen gehört werden können. „Dass es noch lebende Zeugen gibt, wissen wir“, hatte er vor einiger Zeit gegenüber unserer Zeitung gesagt.

Die Ermittler gehen nicht davon aus, dass die Wachleute direkt an Morden beteiligt waren. Sie seien aber Teil der Mordmaschinerie gewesen. In zwei Auschwitz-Verfahren kam es bereits in den vergangenen Jahren zu Verurteilungen wegen Beihilfe zum Mord. Jahrzehntelang wurde Mordbeihilfe in NS-Fällen kaum verfolgt, erst 2011 änderte sich die Rechtsauffassung: Im sogenannten Demjanjuk-Verfahren entschieden die Richter am Landgericht in München erstmals, dass KZ-Wachleuten kein individueller Mord nachgewiesen werden muss, um sie wegen Beihilfe zum Mord zu verurteilten.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4579013?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F87%2F3862662%2F4847779%2F4847782%2F
Nachrichten-Ticker