Das Café „Roestbar sechs“ steht in Uganda
Hilfe von Bohne zu Bohne

Münster -

Die Roestbar-Inhaber Sandra Götting und Mario Joka helfen der Initiative „Lichtstrahl Uganda“. Vor knapp zwei Jahren eröffneten sie in Gulu die „Roestbar sechs“, die sich möglicherweise schon in diesem Jahr selbst trägt. Der Erlös fließt in die Initiative der Münsteranerin Heike Rath.

Dienstag, 24.01.2017, 09:01 Uhr

Das Team 
Das Team  Foto: Sandra Götting

Sandra Götting und Mario Joka sind zurück aus Uganda . Ihre Reise war kein Spaziergang – und doch sind die Inhaber der Café-Kette Roestbar in Münster mehr als glücklich. Glück­lich, dass ihr jüngster Spross ihrer Kaffeeleidenschaft, die „Roestbar sechs“ in Gulu , so gut läuft, glücklich über den tollen Empfang und darüber, dass sie auf diesem direkten Weg helfen können.

Glücklich sind die Münsteraner aber auch, sagen sie, dass sie jetzt ein Stück ihres unternehmerischen Erfolges zurückgeben können. Aus ihrer ersten Idee ist ein dauerhaftes Engagement in einem Ursprungsland geworden, aus dem Kaffeebohnen kommen, die in der ­Roestbar vertrieben werden. Hilfe also von Bohne zu Bohne.

Die beiden Inhaber der münsterischen Kaffeerösterei und der fünf Cafés in dieser Stadt sind entschlossen, weiter in Gulu in Uganda zu helfen. Seit drei Jahren unterstützt das Ehepaar den Verein „Lichtstrahl Uganda“ von Initiatorin Heike Rath. Viele Euro sind bereits überwiesen worden für ein komplettes Kaffeehaus, für eine Latrinenanlage, eine Espressomaschine wie sie in den münsterischen Roestbars steht, für die Solarversorgung, für einen Zaun um das Areal von „Lichtstrahl Uganda“ sowie das monatliche Gehalt eines Wachmannes. „Wir als Roestbar-Familie sind stolz, ein Teil davon zu sein“, freut sich Mario Joka.

Die „Roestbar sechs“ steht in Gulu in Uganda.

Die „Roestbar sechs“ steht in Gulu in Uganda. Foto: Sandra Götting

Vor drei Jahren, als die ­Roestbar in Münster ihr Zehnjähriges feierte, stellte Sandra Götting ein Schwein auf. Damit kam die Idee ins Rollen. Kurz zuvor war sie zufällig auf Lichtstrahl-Initiatorin Heike Rath gestoßen. Der Verein der Krankenschwester aus Münster steht für eine medizinische Grundversorgung in Gulu mit einer Medizinstation, einem Schulungsbereich, einer Entbindungsstation und einem Vorschulkindergarten. Anfang Februar soll zudem eine Schule eröffnet werden.

Zum ersten Mal seit ihrer Selbstständigkeit verbrachten Sandra Götting und Mario Joka jetzt den Jahreswechsel nicht in Münster. Mit weiteren Sponsoren flog das Paar nach Uganda. In vier schweren Koffern hatten die Münsteraner aber nur wenig Persönliches, dafür jede Menge Desinfektionslösungen, Gummibärchen und Technik für das Café. Mario Joka wollte mit Leiter Felix die Maschinen vor Ort warten, Sandra Götting die Mitarbeiter vor Ort schulen.

Mit Riesentrubel wurden die Gäste in Afrika empfangen. In Gulu selbst sei es staubig, laut und hektisch, erzählt Sandra Götting. Aber schon zehn Minuten außerhalb, in der Lichtstrahl-Oase, herrsche absolute Ruhe. Dort, wo Heike Rath seit sieben Jahren hilft. Mindestens vier Mal pro Jahr reist sie nach Uganda. Als die „große Blonde“ werde sie in Gulu bezeichnet, erzählt Sandra Götting. Wenn Heike Rath Mitarbeiter bittet, pünktlich zu einer bestimmten Zeit zu kommen, füge sie immer „german time“ hinzu.

Für Sandra Götting und Mario Joka war die Reise kein Ferienausflug. „Das geht so ans Herz“, beschreibt Sandra Götting ihr Zusammentreffen mit Patenkind Sandra. Mario Joka lernte sein Patenkind Mario zum ersten Mal persönlich kennen. Beide Kinder besuchen den Vorschulkindergarten auf dem Lichtstrahl-Areal.

Mario Joka und sein Patenkind Mario

Mario Joka und sein Patenkind Mario Foto: Sandra Götting

Die Münsteraner sind ergriffen von der Reise, brachten viele Pläne für Gulu mit zurück. Heike Rath kann weiter auf die Roestbar-Unterstützung setzen. Ihre Hilfe zur Selbsthilfe möchten die Inhaber des münsterischen Unternehmens in Gulu weiter ankurbeln.

Ihr „Lightray ­Roestbar Coffee Shop“, der erst 2015 in Betrieb genommen wurde, habe sich zu einem Treffpunkt entwickelt. Viele Ärzte und Mitarbeiter eines nahe gelegenen Krankenhauses kommen beispielsweise als Gäste. Das Café ist Anlaufstelle, Kommunikationszentrale, Arbeitsplatz, Einnahmequelle und ein Ort der Hoffnung geworden. In diesem Jahr, freut sich Mario Joka, wird sich der Betrieb in Gulu zum ersten Mal selbst tragen. Das Geld, das im Café verdient wird, soll zurück in die Lichtstrahl-Arbeit fließen, sagt der Roestbar-Chef.

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Auch dank der Arbeit von Café-Leiter Felix. „Unser Kollege in Gulu musste sich aber direkt nach der gemeinsamen Wartung der Espressomaschine mit Malariafieber behandeln lassen“, berichtet Joka. „Ein solches Erlebnis prägt unsere Wahrnehmung der Situation vor Ort.“ Felix gehe es inzwischen wieder besser, aber die unausweichliche Gefahr durch Krankheiten sei immer da.

Aufgaben für Lichtstrahl Uganda gibt es reichlich. Beispielsweise ermöglicht die Initiative über 400 Kindern den Besuch der Vorschule. In der Entbindungsstation fühlten sich die Mütter sicher. Sandra Götting und Mario Joka beschreiben Heike Rath nicht nur als fachlich versiert, sondern auch als menschlich, extrem gut organisiert und visionär. Darum hätten sie bei ihr auch offene Türen eingerannt mit der Idee, zusätzlich zum Kaffeehaus vielleicht noch Gästezimmer einzurichten.

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