Klinikclowns
Die Verbündeten der Kinder

Münster -

Behutsam ziehen Pippo und Konrad über die Herzstation der Uniklinik. Vorsichtig klopfen sie an Türen, pusten in Luftballons oder machen Musik. Aber immer sorgen sie für ein kleines bisschen Chaos.Die beiden Klinikclowns beweisen jeden Tag auf Neue, dass Lachen die beste Medizin ist.

Mittwoch, 01.03.2017, 16:03 Uhr

Klinikclowns : Die Verbündeten der Kinder
Seifenblasen im Krankenhaus: Maja (5) lässt sich von den Clowns Pippo (l.) und Konrad verzaubern. Foto: Julia Kunze

Maja ist fünf und hat schon mehr mitgemacht als viele Große. Das Mädchen liegt auf der Herzstation der Uniklinik Münster und sieht aus, als würde es am liebsten in den Bildschirm hineinkriechen, in dem eine Kinderserie flimmert. Nebendran sitzt ihre Mutter und spielt mit ihrem Handy. Die Stimmung ist schwer wie Blei.

Die Clowns heitern die kleine Maja auf

Bis Pippo und Konrad an die Tür klopfen. Die beiden Klinikclowns fragen Maja nach ihrem Lieblingstier, um es auf einen Luftballon zu malen. Mutter wie Tochter schauen fragend, sprechen kein Deutsch. Sie kommen aus Polen.

Da nimmt Pippo eine Hand voll Luftballons aus Konrads Beutel und schmeißt sie in die Luft. Konrad mimt den Strengen und sammelt alle wieder auf. Pippo hilft eifrig dabei, und als die beiden fertig sind, greift Pippo beherzt in den Beutel und wirft wieder eine große Ladung Luftballons hinaus. Maja lächelt, Konrad guckt genervt. Die Aktion wiederholt sich einige Male.

Klinikclowns

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  • Klinikclowns unterstützen in der Uniklinik schwer kranke Kinder.

    Foto: Julia Kunze
  • Die kleine Radislava ...

    Foto: Julia Kunze
  • ... vergisst den Schmerz, ...

    Foto: Julia Kunze
  • ... wenn die Klinikclowns ...

    Foto: Julia Kunze
  • ... mit ihr Späße treiben.

    Foto: Julia Kunze
  • Quatsch für alle: Auch die Älteren freuen sich über die schrägen Gesangseinlagen von Clown Pippo.

    Foto: Julia Kunze
  • Clown Pippo alias Gerry Sheridan (links) und Clown Konrad alias Michael Westermeier.

    Foto: Julia Kunze
  • Emil kichert über das selbstgedichtete „Schokoladenlied“ der Clowns.

    Foto: Julia Kunze
  • Seifenblasen im Krankenhaus: Die fünfjährige Maja lässt sich von den Clowns Pippo (links) und Konrad verzaubern.

    Foto: Julia Kunze
  • Die Clowns mit Ballons und Musik

    Foto: Julia Kunze

Jedes Mal nach dem Aufräumen halten Mutter und Tochter die Luft an – wird nun Schluss sein? Nein, Pippo wirft die Ballons wieder und wieder. So lange, bis Maja und ihre Mutter sich den Bauch vor Lachen halten.

Chaos gegen Krank sein

„Es ist einfach so schön, alles auf den Kopf zu stellen, den Erwartungen nicht zu entsprechen, ein bisschen Chaos reinbringen“, erzählt Clown Pippo alias Gerry Sheridan . „Das bricht diese ganze Ernsthaftigkeit vom Krankenhaus und Krank sein auf.“ Die beiden beweisen: Lachen ist die beste Medizin.

Doch mit lauten Zirkusclowns haben die Klinikclowns wenig gemeinsam: Sie poltern nicht in die Zimmer, sondern klopfen vorher an. Sie sind Meister der Improvisation, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. So beziehen sie alle mit ein.

Schokoladenlied von Clown Pippo

Das findet auch Cathrin Denning , Leonards Mutter, der mit einer schweren neurologischen Erkrankung lebt. „Das ist nicht nur total wichtig für die Kinder, sondern auch für mich. Mir ist hier oft nicht nach Lachen zumute. Außerdem ist es eine schöne Abwechslung, denn man muss viel warten hier und es ist oft langweilig.“

Von Langweile ist im Vierer-Jungenszimmer nichts mehr zu spüren. Clown Konrad wirft einen Luftballon durch die Gegend. Dafür bietet Emil Clown Pippo Schokolade an. Der stimmt spontan ein „Schokoladenlied“ an. „Wir lieben alle Schokolade!“ und spielt dazu auf seiner Gitarre. Die hat Gerry Sheridan immer dabei. Der Brite startete beim Straßentheater und war 1993 einer der ersten Klinikclowns in Münster. Mittlerweile sind sie zu sechst und gehen einmal die Woche über die Stationen.

Wir gehören eben nicht zum Personal und nicht zur Familie, wir sind Clowns.

Michael Westermeier alias Clown Konrad

Die Eltern entlasten

Doch der Alltag als Klinikclown ist nicht immer nur von Spaß und Lachen geprägt, erzählt Clown Konrad: „Um Weihnachten herum waren wir bei einem arabischen Kind. Da wurde uns vorher gesagt: Das wird in den nächsten Tagen sterben. So eine Information ist schon hart. Die Familie war natürlich sehr betrübt. Wir sind dann trotzdem reingegangen und haben geguckt, was geht. Und irgendwann haben wir mit dem Vater und dem Kind munter Luftballon gespielt.“

Es sei Teil ihres Jobs, die Eltern zu entlasten, einen Teil der Schwere zu nehmen. „Es ist schrecklich, wenn du weißt, dass ein Kind stirbt. Und trotzdem ist es manchmal schön, wenn das aufbricht und ein anderer Wind weht.“

Es ist einfach so schön, alles auf den Kopf zu stellen, den Erwartungen nicht zu entsprechen, ein bisschen Chaos reinbringen.

Clown Pippo alias Gerry Sheridan

Ärzte unterstützen die Clowns

Solche Momente gebe es sehr oft. Feinfühlig müssen die Clowns sein, denn was sie in jedem Raum erwartet, was passieren wird, das wissen sie nie, sagt Clown Konrad: „Es ist nie abgesprochen und es kann auch in die Hose gehen. Es kann nicht immer perfekt sein. Aber manchmal ist so gut, dass wir nachher denken: Wow, was war das denn?“ Und Clown Pippo ergänzt: „Dann reiten wir wie auf Wellen in diesem Moment.“

„Die meisten Ärzte unterstützen uns total, die kennen uns“, sagt Michael Westermeier alias Clown Konrad. „Für die sind wir Kollegen. Die wissen, dass das den Kindern gut tut, von daher sind die auf unserer Seite.“ Die Clowns fühlen sich aber an erster Stelle als Verbündete der Kinder, ergänzt Konrad: „Wir gehören eben nicht zum Personal und nicht zur Familie, wir sind Clowns.“

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