Knöllchen in Holland
Parksünder müssen weiterhin rätseln

Gronau/Enschede -

Deutsche Falschparker haben im vergangenen Jahr allein in Enschede 219 000 Euro in die Stadtkasse gespült. Der Grund: Die Deutschen begreifen nicht, wie sie die Zahlung der Knöllchen abwickeln müssen (WN berichteten ausführlich). Aber: Die Gemeinden in der Twente haben wenig Lust, es ihnen zu erklären . . .

Donnerstag, 02.03.2017, 08:03 Uhr

Nach einem Blick auf das Schild ist doch eigentlich alles klar. Oder?
Nach einem Blick auf das Schild ist doch eigentlich alles klar. Oder? Foto: Martin Borck

Enschede ist ganze wild auf Deutsche – vor allem, wenn sie vergessen ein Parkticket zu ziehen oder die bezahlte Parkzeit überschreiten. Dann folgt – ohne Pardon – ein Knöllchen .“ So beschreibt die in Enschede erscheinende Tageszeitung Twentsche Courant Tubantia die aktuelle Situation. Im vergangenen Jahr seien 3441 Knöllchen für deutsche Falschparker geschrieben worden, die der Enscheder Stadtkasse besagte 219 000 Euro einbrachten. Damit sind die Gäste aus der deutschen Nachbarschaft für rund ein Drittel der Falschparker-Tickets in der Nachbarstadt verantwortlich.

Für die deutschen Parksünder sind die Knöllchen – wie berichtet – gleich in mehrfacher Hinsicht schwer zu schlucken. Denn: Das fällige Bußgeld ist rund sechsmal so hoch wie zu Hause. Außerdem fehlen auf dem Strafzettel Zahlungsinformationen. In Deutschland wird auf dem Knöllchen deutlich gemacht, wie, wann und wo bezahlt werden muss. Das Enscheder Knöllchen lässt die Falschparker dagegen raten.

Knöllchen-Text deutlicher fassen

Zwar steht da eine Kontaktadresse, bei der deutsche Falschparker erfahren können, wie sie bezahlen müssen. Der deutsche Text auf der Rückseite des Knöllchens erklärt alles – nur eben nicht, dass der Parksünder auf einen Brief vom GBT (Gemeentelijk Belastingskantoor Twente) warten muss, der zum Bezahlen auffordert und dazu auch weitere Informationen liefert.

Im Januar hat jetzt das GBT die Reißleine gezogen und die angeschlossenen zehn niederländischen Gemeinden gebeten, den deutschen Text auf den Knöllchen deutlicher zu fassen. Die Stadt Almelo lehnte das schlichtweg ab. Und auch die Stadt Enschede reagierte lakonisch: „Es steht doch schon ein deutscher Text auf der Rückseite.“

Mobiles Bezahlen noch am Anfang

Die Frage, ob es nett wäre, die deutschen Nachbarn vielleicht zunächst einmal zu warnen und erst beim zweiten Mal zur Kasse zu bitten, blieb bisher ohne Antwort.

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Die Parkzeitüberschreitung in der Twente kann vermieden werden, wenn der Parksünder auf elektronischem Wege zahlt. Aber das mobile Bezahlen stecke, so die Tubantia, in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Nach Angaben eines Experten des Beratungsbüros DNL-Kontakt in Steinfurt, rangiere Deutschland in dieser Disziplin sogar noch hinter Afrika.

Die Deutschen haben demnach viel Angst davor, dass beim Mobil-Banking etwas schief geht oder ihre Privatsphäre verletzt werden könnte.

Gemeentelijk Belastingkantoor Twente

Das Gemeentelijk Belastingkantoor Twente in Hengelo ist die Vollzugsbehörde, die kommunale Abgaben (wie die Parkgebühren) einzieht. Sie ist für die Kommunen Enschede, Almelo, Hengelo, Berkelland, Borne, Bronckhorst, Haaksbergen, Oldenzaal Losser und Twenterand zuständig. Die Kommunen setzen die Höhe ihrer Gebühren selbst fest. Die Gebühren dienen dazu, die Verkehrsströme in den Orten zu regulieren und allen Besuchern eine Möglichkeit zu bieten, einen Parkplatz zu finden.

Wer einen Parkplatz in Anspruch nimmt, schließt sozusagen einen Vertrag mit der jeweiligen Kommune ab, der die Zahlung der jeweiligen Gebühr beinhaltet.

Insofern werden derartige Verstöße auch anders behandelt als Missachtung von ausdrücklichen Parkverboten.

Der „Parkeerbon“ ist als Ankündigung zu betrachten, dass einem das „Duplicaat naheffingsaanslag parkeerbelasting“ (Bußgeldbescheid) zugeschickt wird, das die tatsächliche Zahlungsaufforderung enthält. Die Höhe der Buße beträgt derzeit 61 Euro plus der Tarif für eine Stunde Parkzeit in der jeweiligen Gemeinde.

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