Gewerbsmäßiger Bandendiebstahl
Diebestouren starteten immer in Greven

Greven/Münster -

Ihre Spezialität war der Katalysator des Sprinters mit dem Stern. Diese Abgasanlage schraubten sie gleich dutzendfach von den Mercedes-Transportern ab und trieben damit schwunghaften Handel. Auf Firmengeländen quer durch Nordrhein-Westfalen und Hessen waren sie unterwegs. Ihre Diebestouren durch das Münsterland und das Ruhrgebiet starteten sie immer in Greven.

Sonntag, 05.03.2017, 14:03 Uhr

Mehr als 8000 Blatt in über 30 Ordnern umfassen die Prozessakten. Kleines Bild:
Mehr als 8000 Blatt in über 30 Ordnern umfassen die Prozessakten. Kleines Bild: Foto: Matthias Münch

Seit vergangenem Mittwoch müssen sich vier Männer aus Litauen im Alter von 26 bis 33 Jahren vor der 9. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster wegen gewerbsmäßigen Bandendiebstahls verantworten. Zusammen mit anderen Tätern sollen die vier Angeklagten von August 2014 bis Januar 2016 Autoteile in einem Gesamtwert von über 340 000 Euro gestohlen haben.

Am häufigsten suchten die vier Männer Gewerbegebiete in münsterländischen Kleinstädten heim. In schneller Folge schlugen sie in Rheine, Reken, Olfen, Nordkirchen, Beelen oder Wadersloh zu. Weitere Tatorte waren unter anderem in Witten, Minden, Lippstadt, Solingen, Wesel, Hagen, Fulda und Wiesbaden. Immer nachts und meist an Wochenenden. Laut Staatsanwaltschaft sollen die Fahrzeugteile über Hehler in den Niederlanden verkauft oder direkt mit Paketen nach Litauen versandt worden sein.

Die Angeklagten kamen immer nur für einige Tage oder wenige Wochen nach Deutschland und wohnten dann bei einem Landsmann in Greven . Von dort aus starteten sie jeweils zu zweit ihre Diebestouren in NRW.

Dieser Landsmann musste sich bereits im vergangenen Jahr ebenfalls vor der Strafkammer verantworten. Er wurde wegen Beihilfe zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und sitzt jetzt in Haft.

Die Strafkammer sah es als erwiesen an, dass der Grevener dem Quartett für seine Einbruchsfahrten durch NRW Unterschlupf gewährt hat. Auch soll er den vier Katalysator-Dieben Pre-Paid-SIM-Karten mit fiktiven Namen für ihre Handys beschafft haben. Für ihre Aktivitäten in Hessen hatte er ihnen eine Wohnung in der Nähe von Marburg besorgt.

Das Urteil gegen den Grevener ist allerdings noch nicht rechtskräftig, weil die Verteidigung Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt hat.

Um im aktuellen Prozess für ihre Mandanten möglichst milde Urteile zu erreichen, regten ihre vier Rechtsanwälte eine Verständigung aller Prozessbeteiligten an. Das Gericht und der Staatsanwaltschaft gingen darauf ein. Grundlage für ihre Zustimmung waren umfassende Geständnisse im Sinne der Anklage. Daraufhin stellte der vorsitzende Richter Werner Richter einen Strafrahmen von minimal vier Jahren, neun Monaten bis maximal fünf Jahren, neun Monaten in Aussicht.

Ob es dabei bleibt, hängt von den weiteren Einlassungen der Angeklagten ab. Die kamen zunächst sehr schleppend und unvollständig. Wohl um den Vorwurf organisierter Bandenkriminalität zu entkräften. Und auch, um weitere Täter nicht zu belasten. Das Verfahren wird Dienstag fortgesetzt.

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