Hotel-Klassifizierung
Der Weg zu „****Superior“

Brochterbeck -

Schon lange bevor Bewertungsportale im Internet für eine Art grunddemokratische Qualitätskontrolle sorgten, wurden die Hotel-Sterne eingeführt. Alle drei Jahre wird überprüft, ob die Kriterien eingehalten sind. Wir waren einmal dabei.

Sonntag, 19.03.2017, 05:03 Uhr

Da ist die Plakette: Das Hotel Teutoburger Wald darf drei weitere Jahre das Schild "****Superior" anschrauben.
Da ist die Plakette: Das Hotel Teutoburger Wald darf drei weitere Jahre das Schild "****Superior" anschrauben. Foto: Gunnar A. Pier

Der Sterne-Kontrolleur, nennen wir ihn „Mr. X“, redet nicht viel. Schnellen Schrittes geht er ins Superior-Doppelzimmer und schaut sich zielstrebig um. Mr. X zählt Kleiderbügel, misst die Matratzendicke, sucht Steckdosen und inspiziert das Bad. Er ist da deutlich gewissenhafter als der gemeine Übernachtungsgast, denn es geht um was: Das Hotel Teutoburger Wald bei Brochterbeck möchte seine viereinhalb Sterne behalten. Mr. X kon­trolliert, ob die Kriterien erfüllt sind.

Schon lange bevor Bewertungsportale im Internet für eine Art grunddemokratische Qualitätskontrolle sorgten, wurde die „Deutsche Hotelklassifizierung“ eingeführt. Dahinter steckt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga ). Er vergibt die Sterne, mit denen Hotels werben dürfen. Dabei geht es nicht um Gutdünken: Einen strengen Kriterienkatalog muss erfüllen, wer zu den Sternen greift. Alle drei Jahre wird die Klassifizierung überprüft.

„Alle Umfragen ergeben, dass die Deutschen sich in erster Linie nach den Sternen richten“, sagt Rainer Kerssen , einer der beiden Geschäftsführer des Hotels Teutoburger Wald. Wenn­gleich er einräumt: „Für uns ist das nicht ganz so wichtig.“ Sein Hotel lebe eher von Mund-zu-Mund-Propaganda: „Und wir haben einen hohen Stammgästeanteil.“ Die Klientel setzt sich zu jeweils etwa einem Drittel aus Touristen, Geschäftsreisenden und Tagungsteilnehmern zusammen.

Kontrolle im Superior-Doppelzimmer: Rainer (l.) und Olaf Kerssen mit Dehoga-Westfalen-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Henke (M.), dem Chef von „Mr. X“.

Kontrolle im Superior-Doppelzimmer: Rainer (l.) und Olaf Kerssen mit Dehoga-Westfalen-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Henke (M.), dem Chef von „Mr. X“. Foto: Gunnar A. Pier

Mr. X besucht das Brochterbecker Hotel

Doch erst mal will das Hotel am Fuße des Teutos den Standard halten. Deshalb reiste Anfang der Woche Mr. X an – der weder Name noch Foto in der Zeitung sehen möchte, da er auch verdeckt Hotels checkt.

Betrug mit falschen Sternen

Die Sterne-Klassifizierung ist freiwillig, aber auch ein wichtiges Marketings-Instrument. Deshalb investieren Hotels Mühe und Geld. 550 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer zahlt beispielsweise das Hotel Teutoburger Wald für die drei Jahre gültige Klassifizierung. Manche Hotels sparen sich das – und werben mit Sternen, die sie gar nicht haben. „Rund 230 Fälle hatten wir im Herbst 2016 in NRW“, berichtet Dr. Wolfgang Henke von der Dehoga Westfalen. Wer auffliegt, riskiert eine Unterlassungserklärung mit 300-Euro-Rechnung und eine Klage durch die Wettbewerbszentrale. (gap)

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Vier Sterne und viele Extras

Das Hotel Teutoburger Wald hat viereinhalb Sterne – „**** Superior“ nennt sich das. „Wir sind im Prinzip ein vier-Sterne-Haus“, erklärt Olaf Kerssen, ebenfalls Geschäftsführer. Es gibt also Ausstattungsdetails wie Gästelift, „gesicherte Gepäckaufbewahrung für an- und abreisende Gäste“, eine aktuelle Tageszeitung und eine „angemessene Anzahl an verschiedenen Kleiderbügelarten.“ Für Dinge wie Safe im Zimmer, Shuttle-Service und den großen Wellnessbereich gibt es Extra-Punkte, die den „Superior“-Zusatz rechtfertigen.

Strahlende Gesichter im Hotel Teutoburger Wald in Brochterbeck: Bei der Überprüfung durch den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband hat der Familienbetrieb seine Einstufung als Vier-Sterne-Superior-Haus gehalten. Alexia Finkeldei (Tecklenburger Land Tourismus) und Wolfgang Henke (rechts, Hauptgeschäftsführer DeHoGa Westfalen) gratulierten den Geschäftsführern Olaf Kerssen (2. von lins) und Rainer Kerssen.

Strahlende Gesichter im Hotel Teutoburger Wald in Brochterbeck: Bei der Überprüfung durch den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband hat der Familienbetrieb seine Einstufung als Vier-Sterne-Superior-Haus gehalten. Alexia Finkeldei (Tecklenburger Land Tourismus) und Wolfgang Henke (rechts, Hauptgeschäftsführer DeHoGa Westfalen) gratulierten den Geschäftsführern Olaf Kerssen (2. von lins) und Rainer Kerssen. Foto: Gunnar A. Pier

Fünf Sterne? Kein Interesse!

Für fünf Sterne fehlen im Brochterbecker Haus beispielsweise eine Rund-um-die-Uhr-Rezeption, baulich vom Bad getrennte Toiletten und ein zweiter Room Service am Nachmittag. „Das wird bei uns nicht nachgefragt“, erklärt Rainer Kerssen. Der fünfte Stern würde hier sogar schaden: „Es gibt Firmen, in denen keine Fünf-Sterne-Hotels gebucht werden dürfen. Wir würden Kundenkreise ausschließen.“

Anforderungen ändern sich

Auf den Hotel-Check mit Mr. X haben sich die Kersssens gut vorbereitet. Sie haben die Liste der Anforderungen vorab durchgearbeitet und wissen, dass sie die nötigen 600 Punkte erreichen werden. Das ist freilich nicht selbstverständlich, weil die Kriterien regelmäßig überarbeitet werden. So war WLAN noch vor wenigen Jahren kein Thema . . .

Trotzdem sind die geschäftsführenden Brüder erleichtert, als der Laptop, den Mr. X mit seinen Recherchen gefüttert hat, das Ergebnis ausspuckt: 646 Punkte. Stolz zeigen sie die neue Plakette. Es geht ja um was.

Kriterien für Hotel-Sterne

Welche Ausstattung und welchen Service ein Hotel vorhalten muss, ist genau geregelt. Einige Beispiele:

Drei Sterne ***

► Sitzgruppe am Empfang

► Einzelbetten von mindestens 90 mal 190 Zentimeter

► Eine Sitzgelegenheit pro Bett, davon mindestens ein Stuhl

► Ablagefläche im Bad

Vier Sterne ****

► Lobby mit Sitzgelegenheiten, Getränkeservice

► Einzelbetten von mindestens 90 mal 200 Zentimeter

► Eine bequeme Sitzgelegenheit (gepolsterter Sessel/Couch) mit Beistelltisch/Ablage

► Großzügige Ablagefläche im Bad

► Hotelbar geöffnet an sechs Tagen pro Woche

Fünf Sterne*****

► Empfangshalle mit Sitzgelegenheiten und Getränkeservice

► Eine zusätzliche bequeme Sitzgelegenheit (gepolsterter Sessel/Doppelsitzercouch) in Doppelzimmern und Suiten

► Hotelbar geöffnet an sieben Tagen pro Woche

► Zwei Kopfkissen pro Gast (kein Zierkissen)

► Safe im Zimmer

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