100 000 Euro in bar für das Borghorster Stiftskreuz
Bistumsanwalt berichtet vor dem Landgericht von der Übergabe

Münster/Borghorst -

Als Bischof Felix Genn vor gut einem Monat das dreieinhalb Jahre verschollene Borghorster Stiftskreuz überglücklich der Presse präsentierte, hatte Rechtsanwalt Jürgen Römer noch heftigst bestritten: Nein, nein, Lösegeld sei keines geflossen. Am Dienstag musste sich der Rechtsbeistand des Bischofs deutlich korrigieren.

Dienstag, 21.03.2017, 18:03 Uhr

Rechtsanwalt Jürgen Römer (r.) hatte die Fäden im Hintergrund gezogen, bevor Bischof Felix Genn das Stiftskreuz der Öffentlichkeit präsentieren konnte.
Rechtsanwalt Jürgen Römer (r.) hatte die Fäden im Hintergrund gezogen, bevor Bischof Felix Genn das Stiftskreuz der Öffentlichkeit präsentieren konnte. Foto: Axel Roll

100 000 Euro zahlte die Versicherung für die Rückgabe des Stiftskreuzes an einen Unbekannten. Römer selbst überbrachte das Geld am 14. Februar bei einer filmreif inszenierten Übergabe in einer Bremer Anwaltskanzlei. Die näheren Details schilderte der 48-jährige Jurist am Dienstag als Zeuge im Prozess gegen den mutmaßlichen Auftraggeber des Stiftskreuzdiebstahls vor dem münsterischen Landgericht. Bei dem Angeklagten handelt es sich um einen 42 Jahre alten mutmaßlichen Chef eines türkisch-libanesischen Familienclans aus Bremen .

Wer die 100 000 Euro für die Herausgabe des wertvollen Reliquiars bekommen hat, das wusste im Saal der 3. Großen Strafkammer vermutlich nur einer: der Anwalt des Angeklagten. Der war es nämlich auch, der das Geld angenommen und das Kreuz übergeben hatte.

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Wie Jürgen Römer berichtete, war er am Abend des 14. Februar mit einem Vertreter der Provinzial Düsseldorf, einer Kunstsachverständigen und der Polizei nach Bremen gefahren. In der Küche der Kanzlei, so die Schilderung des Bistums-Anwalts, fand das Treffen statt.

Römer hatte die 100.000 Euro in bar in besagter Aktentasche dabei. Er und sein Kollege seien dann aus der Küche gegangen und hätten sich das Geld angeguckt – aber nicht gezählt. Daraufhin habe es an der Tür geklingelt, der Verteidiger habe gesagt: „Das ist dann wohl für mich.“

Wen er hineingelassen hatte, das konnte Römer nicht sagen. Sein Kollege sei nun mit der neben der Tür abgestellten Aktentasche nach draußen gegangen und gute fünf Minuten später mit dem in Packpapier und Klebeband eingerollten Kreuz zurückgekommen. Auch die Aktentasche hatte der Anwalt dabei. Die war leer.

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