Feindliche Übernahme: Sassenberger verliert Facebook-Gruppe
Wer Kritik übt, fliegt raus

Sassenberg -

Joseph Dahlhaus-Erichsen kann es kaum fassen. Er ist das Opfer einer „feindlichen Übernahme“ geworden, denn seine von ihm gegründete Facebook-Gruppe „Fremdenhass – Nein Danke!“ ist nun in den Händen eines anderen Administrators.

Donnerstag, 23.03.2017, 01:03 Uhr

Feindliche Übernahme: Sassenberger verliert Facebook-Gruppe : Wer Kritik übt, fliegt raus
Foto: dpa

Doch nicht nur das, der neue Admin hat Dahlhaus-Erichsen auch gleich noch aus der Gruppe rausgeschmissen und geblockt. Und jeder, der in der Gruppe Kritik an dieser Vorgehensweise übt, fliegt ebenfalls raus. Auf der anderen Seite haben sich viele solidarisch mit dem Sassenberger erklärt und haben die Gruppe verlassen. Innerhalb von einem Tag sank die Mitgliederzahl der bundesweit beachteten Facebook-Gruppe von 4850 auf 4450.

Mit Herzblut und Engagement verwaltet

„Ich wollte eigentlich nur eine Pause machen und etwas Abstand gewinnen. Das hatte ich in der Gruppe auch so bekannt gemacht. Diese Mitteilung ist aber in der Gruppe gelöscht worden“, sagt Joseph Dahlhaus-Erichsen. Er hat immer mit viel Herzblut und Engagement die Gruppe geleitet, brauchte aber zwischenzeitlich eine kleine Auszeit.

Stadtjugendpfleger Dirk Ackermann hielt in dieser Zeit ein wenig die Stellung, wurde aber ebenfalls aus der Gruppe geworfen. „Wenn man 48 Stunden Administrator ist, dann kann man andere aus der Gruppe schmeißen“, erklärt Dahlhaus-Erichsen das nicht ganz nachvollziehbare System auf Facebook . Er hat alternativ schnell eine neue Gruppe ins Leben gerufen, die den Titel „Einfach Mensch sein“ trägt. Dorthin sind ihm bereits viele Menschen gefolgt.

So kann man sich nett mit fremden Federn schmücken

Mo Harlander

Die Empörung der Ex-Mitglieder ist groß. „Es wurde der, der die Gruppe toll aufgebaut hatte, sehr viel Herzblut reingesteckt hatte und Admin/Gründer war, geblockt und auf unverschämte Weise von den jetzigen Betreibern rausgekickt – so kann man sich nett mit fremden Federn schmücken“, schreibt Mo Harlander. „Das war ein krasser Tag fürs Team, aber vor allen Dingen für Joseph Dahlhaus-Erichsen.... ich brauche ne Nacht. Was da passiert ist, macht mich wütend und traurig“, bemerkt Mitglied Kati Bonsai.

Rabiate Methoden der neuen 'Chefs'

Die Methoden des neuen „Gruppenchefs“ scheinen sehr rabiat zu sein. „Ich hab gestern Abend zwei völlig harmlose, aber kritische Postings benötigt, dann war ich gesperrt“, sagt Florian Schwank. Andere User kommen gar nicht mehr rein, allein auf Grund der Tatsache, dass sie mit Dahlhaus-Erichsen befreundet sind.

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So fing alles an: Joseph Dahlhaus-Erichsen (r.) entwickelte einen Sticker gegen Fremdenhass und gründete anschließend die Facebook-Gruppe, in der auch Dirk Ackermann aktiv war. Foto: Ulrich Lieber

In der ursprünglichen Gruppe sind trotzdem aktuell kritische Meldungen zu lesen, vielleicht hat der neue Admin gerade keine Zeit zum Löschen. Es wird von Methoden wie bei Erdogan geschrieben, und dass der Tenor der Gruppe sich massiv verändert habe. „Wie kann man dem Gründer dieser Seite Zugang zu seinem Werk nehmen?“, fragt Medi Onaldi , der von Beginn an Mitglied der Gruppe war.

Wie kann man dem Gründer dieser Seite Zugang zu seinem Werk nehmen?

Medi Onaldi

Der neue Administrator hat die öffentliche Gruppe zu einer geschlossen Gruppe erklärt. In seinem Statement schreibt er, dass Dahlhaus-Erichsen schon lange raus gegangen sei, und dass er den Sassenberger zum Admin gemacht habe. „Als Dank wollte er, dass ich Mod. werde. Nur dieses Spiel mache ich nicht mit.“

Der Gegenwind für den neuen Chef wird jedenfalls kräftiger. „Wie wichtig ist es Ihnen, den Status Admin in dieser Gruppe zu besitzen? Mir scheint es so als wäre es Ihnen wichtiger als der Sinn dieser Gruppe. Meine Meinung nach sind Sie dafür gar nicht geeignet weil ein Admin alle Eigenschaften besitzt (Besonnenheit,Selbstreflexion, Toleranz usw.) die Sie hier in keinster Weise zeigen“, schreibt Nermina Bothe. „Also, ich muss, auch wenn nur stiller Mitleser, sagen, dass so eine Handhabe, wie die Übernahme einer Gruppe an Unverschämtheit grenzt“, bestätigt Maren Bredow.

Gemeinsam etwas besseres auf die Beine stellen

Der Sassenberger hat versucht, die Sache an Facebook zu melden, doch dort ist offensichtlich nichts zu machen. „Ich hatte keine Möglichkeit, etwas über Facebook zu machen“, bedauert Dahlhaus-Erichsen. Seine neue Gruppe „Einfach Mensch sein“ hatte innerhalb von einem Tag fast 400 neue Mitglieder, Tendenz steigend.

„Dies ist nun die Neue Gruppe. Ich hoffe das wir gemeinsam noch was besseres auf die Beine stellen. GEMEINSAM mit Respekt und ohne Hass“, wünscht sich der Sassenberger. Ob er seine eigentliche Gruppe wieder zurückbekommt, scheint derzeit mehr als fraglich.

Im Laufe des Mittwochs änderte der neue Administrator die von Dahlhaus-Erichsen gegründete Gruppe „ Fremdenhass – Nein Danke“ in „Rassismus ein No-Go“. Offensichtlich will er sie nun endgültig als seine eigene ausgeben.

Da bleibt eigentlich nur abschließend ein Zitat von Medi Onaldi: „Wenn jemand ein Haus baut und dich einlädt bei ihm zu wohnen, nimmt man ihm nicht das Haus weg, weil er gerade mal keine Lust hat nach Hause zu kommen und erst recht nicht, weil einem die Farbe des Wohnhauses nicht gefällt.“

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