Autobahnbrücke aus Fertigteilen
Bauklötze für Erwachsene

Dorsten -

Wer schon mal eine Brücke aus Knetgummi gebaut hat, der weiß: Das geht mit Lego schneller. Klack-klack-klack, schon stecken die Steinchen aufeinander, fertig. Was bisher nur in der Spielecke funktioniert, soll nun auf die große weite Welt zukommen: Bei Hagen wird bald Nordrhein-West­falens erste Autobahnbrücke aus Fertigteilen zusammengesetzt.

Mittwoch, 26.04.2017, 09:04 Uhr

Der erste Beton rauscht am Dienstag in eine Form. So werden in Dorsten in den kommenden Wochen rund 180 Betonfertigteile hergestellt. Minister Michael Groschek zog den Hebel für den symbolischen Produktionsstart.
Der erste Beton rauscht am Dienstag in eine Form. So werden in Dorsten in den kommenden Wochen rund 180 Betonfertigteile hergestellt. Minister Michael Groschek zog den Hebel für den symbolischen Produktionsstart. Foto: Gunnar A. Pier

Michael Groschek lacht gerne, besonders wenn – wie gestern – viele Kameras um ihn herumflitzen. Aber in dem NRW-Bauminister schlummert offenbar noch ein kleiner Junge, und der kam am Dienstag immer wieder zum Vorschein. Als Groschek aus Plastiksteinchen ein Brückenmodell zusammenpuzzeln konnte. Und als er am stählernen Hebel ziehen durfte, damit frischer Beton in die vor­bereitete Form rauscht. Das war der symbolische Produktionsstart für die Betonklötze, aus denen die Autobahnbrücke bei Hagen gebaut werden soll.

Produktionsstart für Autobahnbrücke aus Fertigteilen

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  • Am 25. April 2017 stellen NRW-Verkehrsminister Michael Groschek und Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin des Landesbetriebs Straßen.NRW., im Fertigteilwerk der Firma Fuchs in Dorsten die Pläne für den Neubau der Brücke Hammacher Straße über die A46 bei Hagen vor.

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  • Für Experten eindeutig: Der Plan der neuen Brücke.

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  • Fertigteilwerk der Firma Fuchs in Dorsten.

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  • Ein kleines Modell soll zeigen, wie aus Einzelteilen eine neue Brücke zusammengebaut wird.

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  • Am 25. April 2017 stellt NRW-Verkehrsminister Michael Groschek im Fertigteilwerk der Firma Fuchs in Dorsten die Pläne für den Neubau der Brücke Hammacher Straße über die A46 bei Hagen vor.

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  • Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin des Landesbetriebs Straßen.NRW.

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  • Großer Medienrummel im Fertigteilwerk der Firma Fuchs in Dorsten.

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  • Am 25. April 2017 stellt NRW-Verkehrsminister Michael Groschek im Fertigteilwerk der Firma Fuchs in Dorsten die Pläne für den Neubau der Brücke Hammacher Straße über die A46 bei Hagen vor.

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  • Der erste Beton rauscht am Dienstag in eine Form. So werden in Dorsten in den kommenden Wochen rund 180 Betonfertigteile hergestellt. Minister Michael Groschek zog den Hebel für den symbolischen Produktionsstart. 

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  • Fertigteilwerk der Firma Fuchs in Dorsten.

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Wie es bisher läuft

Bisher läuft das anders. Für einen Neubau muss zunächst die alte Brücke ab­gerissen werden. Dann werden Schalungen gebaut, so etwas wie eine Backform für Betonbrücken. Darin wird ein Stahlskelett aufgebaut, dann das Ganze mit Beton aufgefüllt. Ein bewährtes Verfahren – das aber Zeit braucht. Für die Brücke, die die Hammacher Straße über die Autobahn 46 führt, haben die Experten des Landesbetrieb Straßen. NRW 220 Tage Bauzeit kalkuliert – so lange wäre die Straße gesperrt und der Verkehr auf der Autobahn gestört.

Ein kleines Modell soll zeigen, wie aus Einzelteilen eine neue Brücke zusammengebaut wird.

Ein kleines Modell soll zeigen, wie aus Einzelteilen eine neue Brücke zusammengebaut wird. Foto: Gunnar A. Pier

Neue Technik spart Zeit

Jetzt wollen sie es in weniger als der Hälfte der Zeit schaffen: Nur 100 Tage soll der Bau dauern. Das geht dank der guten Vorbereitungen: Im Fertigteilwerk der Firma Fuchs in Dorsten werden seit Dienstag die Betonteile gegossen. 68 große und 110 kleinere sollen es werden, die größten sind 40 ­Meter lang und wiegen 57 Tonnen. Bauklötze für Erwachsene.

Die Kosten

Das Spiel ist nicht ganz ­billig: 3,3 Millionen Euro soll die rund 30 Meter lange ­Brücke kosten. Würde sie konventionell gebaut, wäre sie nach Schätzungen von Straßen.NRW nur gut halb so teuer. „Das kostet mehr Geld – aber weniger Nerven der Verkehrsteilnehmer“, formuliert Minister Groschek flott. Und Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin von Straßen.NRW, gibt zu bedenken, dass der volkswirtschaftliche Schaden durch Straßensperrungen nicht reingerechnet sei. Die kürzere Bauzeit führt zu weniger Sperrungen und somit weniger Belastungen für Fahrer von Autos und Lastwagen.

In einem Werk in Dorsten werden die Brückenteile gefertigt.

In einem Werk in Dorsten werden die Brückenteile gefertigt. Foto: Gunnar A. Pier

Warum nicht immer so?

Das alles klingt so schlüssig, dass sich dem Laien ein Gedanke aufdrängt: Warum wird das nicht schon lange so gemacht? Die Frage quittiert Groschek mit einem ­jovialen Klaps auf die Schulter und der scherzhaften Gegenfrage: „Seit wann bin ich denn Verkehrsminister?“

Brücken in Nordrhein-Westfalen

Der Landesbetrieb Straßen.NRW betreut in Nordrhein-Westfalen 10.102 Brücken-Bauwerke. Die meisten wurden in den 70er Jahren gebaut, 1443 alleine in den Jahren 1970 bis 1974. 

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Neben dem Minister steht Beate Wiemann. Sie ist Hauptgeschäftsführerin des Bauindustrieverbands Nordrhein-Westfalen und gibt eine ernsthafte Antwort: „Bisher ist das in der deutschen Norm nicht vor­gesehen.“ Zu groß seien die Vorbehalte und die Zweifel an der Langlebigkeit. Umso mehr sieht man der Indus­trie-Vertreterin die Freude über das nun gestartete Pilotprojekt an.

 

Besuch auf der Düte-Brücke-Baustelle im März 2017

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  • Oben rauscht der Verkehr, unten plätschert die Düte: Die rund 300 Meter lange Brücke nahe Osnabrück wird abgerissen und neue gebaut. Seit fast einem Jahr laufen die Vorbereitungen – und der Brücke.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Die äußeren Spuren auf der Brücke im Zuge der A1 sind gesperrt, zudem gibt es eine Zufahrt zur Baustelle.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am Plan in der Baubude: Projektleiter Heinrich Kahlmeier, Sandra Beermann und Josef Brinkhaus (Pressestelle Straßen.NRW).

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  • Besuch auf der Baustelle: Sandra Beermann und Josef Brinkhaus (Pressestelle Straßen.NRW) und Projektleiter Heinrich Kahlmeier (von links).

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  • So sieht die Planung aus.

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  • Die äußeren Spuren auf der Brücke im Zuge der A1 sind gesperrt.

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  • Vorher, nachher: Die Skizze zeigt die Planungen. 

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  • Oben rauscht der Verkehr, unten plätschert die Düte: Die rund 300 Meter lange Brücke nahe Osnabrück wird abgerissen und neue gebaut. Seit fast einem Jahr laufen die Vorbereitungen – und der Brücke.

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  • Die äußeren Spuren auf der Brücke im Zuge der A1 sind gesperrt.

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  • Die äußeren Spuren auf der Brücke im Zuge der A1 sind gesperrt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Die äußeren Spuren auf der Brücke im Zuge der A1 sind gesperrt, zudem gibt es eine Zufahrt zur Baustelle.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Die äußeren Spuren auf der Brücke im Zuge der A1 sind gesperrt, zudem gibt es eine Zufahrt zur Baustelle.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Die äußeren Spuren auf der Brücke im Zuge der A1 sind gesperrt, zudem gibt es eine Zufahrt zur Baustelle.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Oben rauscht der Verkehr, unten plätschert die Düte: Die rund 300 Meter lange Brücke nahe Osnabrück wird abgerissen und neue gebaut. Seit fast einem Jahr laufen die Vorbereitungen – und der Brücke.

    Foto: Gunnar A. Pier

 

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Ein Modell für die Zukunft?

Wenn alles gut geht, könnte die Hagener Brücke wegweisend für die Zukunft sein. Groschek blickt nach vorne: „An Geld ist kein Mangel. Jetzt testen wir die Kapazitäten der Bauindustrie aus.“ Ein für Minister ungewöhnlicher Satz. Aber es ist ja Wahlkampf.

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