Naturschutz
Windräder als Gefahr für Fledermäuse?

Münster -

Weil Naturschützer unter drei Windrädern in Roxel und Amelsbüren insgesamt fünf tote  Fledermäuse gefunden haben, dürfen die Anlagen bei bestimmten Voraussetzungen nicht betrieben werden. Jetzt wird vermehrtes Fledermaus-Aufkommen untersucht.

Mittwoch, 26.04.2017, 08:04 Uhr

Naturschutz : Windräder als Gefahr für Fledermäuse?
Fledermäuse lieben die Dunkelheit. Nachts kommen sie aus ihren Verstecken und jagen ihre Beute. Foto: dpa

Bestenfalls läuft alles quasi wie von selbst: Der Wind weht ordentlich, die Rotorblätter drehen sich darin, und der Rubel rollt für die ins Netz eingespeiste Energie. Doch ganz so geschmiert verlief das Jahr 2016 für die Genossenschaft „Unsere Münster-Energie“ dann doch nicht, wie am Montag in den Räumen der Stadtwerke auf der zweiten Mitgliederversammlung deutlich wurde.

Zunächst dauerte es bis Ende Juli 2016, ehe sich die drei Windräder im Eigentum der Genossenschaft nach Monaten des Stillstands wieder drehten. Bei einer Überprüfung im Herbst 2015 hatte der Hersteller Nordex an den Rotorblättern der drei Windenergieanlagen in Roxel und Amelsbüren Mängel festgestellt. Zunächst wurden sie deshalb gedrosselt, im Februar vergangenen Jahres – wie berichtet – ganz abgeschaltet.

Fünf tote Zwergfledermäuse

Glück nur für die Genossenschaft, dass sich die Stadtwerke Münster im damaligen Vertrag verpflichtet hatten, ein solches Ausfallrisiko zu übernehmen. Deshalb überwiesen sie laut Genossenschaftsvorstand Dr. Veit Christoph Baecker 725.000 Euro als Ertragsausfall aufs Konto der Genossen. Dieses Geld will sich das städtische Versorgungsunternehmen wiederum vom Windenergieanlagen-Hersteller Nordex zurückholen.

Neues Ungemach kam schon im Herbst – und dessen Folgen dürften die Ertragslage der Genossenschaft 2017 „empfindlich treffen“, wie Vorstand Baecker einräumte. Im September hatten Naturschützer demnach unter den drei Windrädern insgesamt fünf tote Zwergfledermäuse gefunden und Alarm geschlagen. „Das ist keine Bagatelle, wir mussten darauf reagieren“, erklärte Baecker. Nach Gesprächen mit Stadt und Naturschützern habe man sich „zu einer Reihe freiwilliger Maßnahmen“ entschieden.

Kauf einer weiteren Windkraftanlage in Amelsbüren

Die Folgen dürfte die Genossenschaft zwischen April und Ende Oktober dieses Jahres spüren: Dann nämlich sollen bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen – etwa eine Temperatur über zehn Grad und eine bestimmte Windgeschwindigkeit – die Anlagen in den Abend und Nachtstunden ausgeschaltet werden. Eine Horchapparatur soll zu den besten Flugzeiten der Fledermäuse messen, ob, gegebenenfalls welche und wie viele Tiere an den drei Anlagen vorbeifliegen. Dabei registriert das Gerät die von den Fledermäusen ausgestoßenen Töne. Fachleute können anhand derer die Arten bestimmen, heißt es.

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Die Genossenschaft „Unsere Münster-Energie“ zog ihre Jahresbilanz für 2016 (v.l.): Vorstand Manfred Andresen, Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Theresia Theurl, Vorstand Dr. Veit Christoph Baecker, Aufsichtsratsmitglied Willi Radloff und Aufsichtsratsmitglied Dr. Hans-Joachim Bodenbenner, der am Montag aus dem Gremium ausgeschieden ist. Für ihn rückt der Jurist Sebastian Henkel nach. Foto: Oliver Werner

Ob die laut Baecker uneingeschränkte Betriebsgenehmigung für alle drei Anlagen später Einschränkungen erfahren muss, wird nach Auswertung des Datenmaterials wohl Ende des Jahres feststehen. Sollten sich Fledermaus-Populationen in diesen Bereichen befinden, könnten die Windräder künftig womöglich häufiger nachts stillstehen. Zeitgleich mit der Erfassung soll im Umkreis von 60 Metern um jede der drei Anlagen herum nach toten Tieren Ausschau gehalten werden.

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Trotz dieses Rückschlag gaben die Genossen dem Vorstand laut Baecker grünes Licht, den Kauf einer weiteren Windkraftanlage in Amelsbüren konkret zu prüfen. Dazu soll eine Risikobewertung in Auftrag gegeben werden. Ob tatsächlich ein viertes Windrad erworben werden soll, darüber müssten die Mitglieder der Genossenschaft erneut abstimmen. Bezüglich drei weiterer Anlagen darf der Vorstand in jedem Fall die Gespräche mit den Stadtwerken fortsetzen, die schon bei den drei bestehenden Anlagen der Genossenschaft die Betriebsführerschaft innehaben.

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