„Geeignetes Offroad-Gelände fehlt“
Illegale Fahrten in den Borkenbergen

Lüdinghausen/Haltern -

Bei einem Sondereinsatz auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Borkenberge hat die Polizei kürzlich etliche Motorradfahrer erwischt, die unerlaubterweise das Naturschutzgebiet befahren haben. Der Vorsitzende des Motorsportclubs Haltern nimmt dazu Stellung – und verweist auf ein anderes Problem.

Sonntag, 02.04.2017, 08:01 Uhr aktualisiert: 02.04.2017, 11:35 Uhr
Die Mitglieder des MSC Haltern (Vorne links: Der Vorsitzende Lukas Pampus)
Die Mitglieder des MSC Haltern (Vorne links: Der Vorsitzende Lukas Pampus) Foto: MSC Haltern

Mit dem Vorsitzenden des MSC Haltern, Lukas Pampus , sprach unser Redakteur Kristian van Bentem.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, dass Motorradfahrer immer wieder das Naturschutzgebiet Borkenberge befahren?

Pampus: Das ist ein Problem und ein Ärgernis. Es wird aber nie gefragt, warum diese Sportler hohe Geldstrafen riskieren. Wir versuchen seit Langem darauf aufmerksam zu machen, dass das eigentliche Problem darin besteht, dass es für Offroad-Fahrer keine geeigneten Trainingsflächen im Umkreis von 250 Kilometern gibt. Damit würde man das Problem direkt an der Wurzel packen und den illegalen Fahrten auf dem Truppenübungsplatz den Nährboden entziehen.

Verstehen Sie dennoch den Ärger der Naturschützer?

Pampus: Natürlich, denn Naturschutz ist sehr wichtig. Auch wir wollen unseren Sport komplett in Einklang mit der Natur betreiben. Mittlerweile sollen aber ganze Gebiete dem Menschen und seinem Einfluss komplett entzogen werden. Wir als Verein meinen, dass dabei manchmal das rechte Augenmaß fehlt.

Inwiefern?

Pampus: Unser Verein wollte beispielsweise im Juli 2017 ein eintägiges Offroad-Motorradrennen auf einem landwirtschaftlich genutzten Feld in Marl neben der Autobahn 52 austragen. Der Erlös sollte komplett an das Klara-Hospiz in Marl gehen. Nachdem wir von allen Seiten bereits ein vorläufiges O.K. bekommen hatten und die Planung weit fortgeschritten waren, hat sich die untere Naturschutzbehörde eingeschaltet und ein umfassendes Artenschutzgutachten verlangt. Das kostet Zeit und Geld. Alleine der zeitliche Aufwand war deshalb schon der Todesstoß für unsere Veranstaltung. Ein solches Gutachten darf zwar nach geltendem Recht gefordert werden, wird aber unserer Erfahrung nach bei ähnlichen Veranstaltungen in anderen Kreisen so gut wie nie verlangt.

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Ungebetene Gäste im Naturschutzgebiet Borkenberge

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  • Motorradfahrer, die illegalerweise das Naturschutzgebiet Borkenberge befahren, sind für Naturschützer ein Ärgernis. Bernd Brüning, Vorsitzender des BUND-Ortsverbandes Lüdinghausen und des -Kreisverbandes Coesfeld, zeigt Spuren, die die ungebetenen Gäste hinterlassen haben.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Der ehemalige Truppenübungsplatz ist vor allem wegen seiner sogenannten Offenlandschaft im Kerngebiet ökologisch besonders wertvoll und bietet eine sehr große Artenvielfalt.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Lange wurde die Bedeutung militärischer Übungsplätze wie in den Borkenbergen für den Naturschutz verkannt. Heute weiß man, dass das regelmäßige Befahren mit schweren Ketten- und Radfahrzeugen zu Bodenverdichtungen und Vertiefungen führt, in denen sich Wasser sammeln kann und in denen zahlreiche Kleinsttier- und Pflanzenarten dann ideale Lebensbedingungen finden.

    Foto: west
  • Vor allem sogenannte Pionierpflanzen profitieren davon. Wichtig ist, dass durch wiederholte Zerstörungen die Vegetation immer wieder in frühe Stadien zurückgeworfen wird, wodurch die Offenlandschaft nicht verbuscht oder verwaldet.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Während heute nach dem Ende der militärischen Nutzung gelegentlich Fahrzeuge des THW für gezielte Zerstörungen eingesetzt werden, ist das Betreten oder Befahren des Geländes für sonstige Fahrzeuge aller Art sowie Fußgänger strengstens untersagt. Zum einen aus Sicherheitsgründen.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Denn im Boden des ehemaligen Truppenübungsplatzes verbergen sich noch alte Munition und Granaten (hier ein Fund aus dem Jahr 2015), die zuweilen an die Oberfläche befördert werden und für Lebensgefahr sorgen.

    Foto: Lammers
  • Schlagbäume und Warnschilder, die vor allen auch Motorrad- und Quadfahrer abhalten sollen, dienen aber auch dem Naturschutz.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Denn ungebetene Gäste stören mit ihren Fahrzeugen nicht nur beispielsweise Bodenbrüter, sondern wirbeln den Sand nur auf, ohne ihn zu verdichten. Und auch Müll bleibt gelegentlich zurück, wie hier zu sehen ist.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Was Motorradfahrer bewirken, die die bis zu 130 Meter hohen Hügel in den Borkenbergen befahren, ist hier zu sehen: Die entstandenen Furchen verstärken bei Regen die Erosion, die letztlich für teils metertiefe Gräben sorgt.

    Foto: west
  • Um die illegalen Fahrten zu unterbinden, haben Polizei und Ordnungsamt kürzlich gemeinsam einen Sondereinsatz durchgeführt.

    Foto: Polizei Coesfeld
  • Mit Pferden und eigenen Motorrädern waren sie unterwegs, um Verstöße festzustellen.

    Foto: Polizei Coesfeld
  • Im Verlauf des Einsatzes wurden gut 25 Kradfahrer und fünf Quadfahrer gesehen. Drei Anzeigen wurden vom Ordnungsamt ausgestellt. Die Bußgelder können im vierstelligen Eurobereich liegen.

    Foto: Polizei Coesfeld

 

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