Schlaganfallabteilung
Vier Kliniken buhlen um Neurologie in Lengerich

Lengerich -

Die älteste Schlaganfallabteilung im Kreis Steinfurt ist zum Zankapfel geworden. Der LWL will die Neurologie in Lengerich abgegeben, vier Interessenten wollen übernehmen. Eine einvernehmliche Lösung gilt als ausgeschlossen.

Dienstag, 04.04.2017, 06:04 Uhr

Die Lengericher wollen ihre Neurologie behalten.
Die Lengericher wollen ihre Neurologie behalten. Foto: Wilfried Gerharz

Die Ministerin hüllt sich in Schweigen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat nur mitgeteilt, dass er sich von seiner Abteilung Neurologie in Lengerich trennen will. Seitdem herrscht auch auf dieser Seite Funkstille. 

Vier Interessenten haben ihren Hut in den Ring geworfen, wollen diese Abteilung übernehmen. Mehr ist von ihnen auch nicht zu erfahren. Derweil geht die Arbeit in der Abteilung mit 35 Betten und vier Betten in einer Stroke Unit ( Schlaganfallabteilung ) ihren gewohnten Gang.

Am Zug ist der Verband der Krankenkassen. Der muss einen Konsens unter den vier Übernahme-Bewerbern erzielen. Dass Helios-Klinik Lengerich, Mathias-Stiftung Rheine, Franziskus-Stiftung Münster und Stiftung Josephs-Hospital Warendorf auf einen gemein­samen Nenner kommen – drei stimmen der Übergabe an den vierten zu –, gilt als ausgeschlossen. Derweil haben die Lengericher Bürger klar Stellung bezogen: 6300 haben in wenigen Wochen für den Erhalt der Neurologie und für die Helios-Klinik unterschrieben.

Entscheidung trifft Bezirksregierung Münster

Wenn der Verband der Krankenkassen mitteilen wird, dass keine einvernehmliche Lösung unter den vier Bewerbern erzielt werden konnte, geht die Entscheidung im Dissens an die Bezirksregierung Münster – die wird den Fall weiter ins Gesundheitsministerium leiten. Und dann wird der LWL gefragt, welcher der vier Bewerber das aus seiner Sicht beste Angebot gemacht hat. „Dann werden wir eine Aussage treffen“, verspricht Thomas Profazi vom LWL.

Vorher wird eisern geschwiegen. Aus dem gleichen Grund, den ­Barbara Steffens für ihr Stillhalten bei einer Podiumsdiskussion in Lengerich genannt hat: „Sobald ich etwas sage, könnte das zu einer Klage eines nicht ­berücksichtigten Bewerbers führen.“ Immerhin hat die NRW-Gesundheitsministerin bei der Gelegenheit die 6300 Unterschriften ent­gegen­genommen. „Obwohl eigentlich der LWL der richtige Adressat ist.“

Top Ten in NRW

Dass die älteste Stroke Unit im Kreis Steinfurt zum Zankapfel geworden ist, war vor einem Jahr nicht abzusehen. Einen Grund, warum er die Neurologie nicht mehr betreiben will, nennt der LWL offiziell nicht. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass sich eine Abteilung mit 35 Betten nicht rechne, für die zudem noch Miete gezahlt werden müsse.

Die Szenarien bei einem Trägerwechsel: Käme Helios zum Zuge, würde sich nichts ändern. Die Mathias-Stiftung unterhält in Ibbenbüren in der Neurologie die zweite Stroke Unit im Kreis Steinfurt. Eine Zusammen­führung in Ibbenbüren scheint die naheliegendste Lösung. Als Standort wäre Lengerich damit ebenso vom Tisch wie bei einem Zuschlag für die Franziskus-Stiftung oder die Josephs-Stiftung.

Den größten Respekt – da sind sich alle Beteiligten ­einig – verdient das Team der Neurologie. Ungeachtet aller Diskussionen wird in der Klinik erstklassige Arbeit geleistet. Heißt es von Seiten des LWL. Belegt wird das mit Zahlen. Unter den neurologischen Abteilung in NRW zählt Lengerich zu den Top Ten. „Gefühlt“ ist das ebenso, wie einige Teilnehmer an der Podiumsdiskussion in Lengerich deutlich gemacht haben. Ohne die schnelle und kompetente Hilfe der Stroke Unit hätte mancher Schlaganfall deutlich massivere Folgen für den Betroffenen nach sich gezogen.

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